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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für sechs Mitarbeiter einer Gießerei

Wo lag die Herausforderung?

Die sechs schwerbehinderten Beschäftigten können aufgrund ihrer Behinderungen nicht schwer heben sowie tragen, sind nur gering belastbar und müssen gewisse Körperhaltungen vermeiden. Dazu waren an ihren Arbeitsplätzen entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Es wurden sechs neue Arbeitsplätze im Werk behinderungsgerecht gestaltet. Dazu wurden entsprechende ergonomische Hilfsmittel angeschafft, die Hebe- und Tragearbeiten entfallen lassen. Zusätzlich wurde noch eine Absauganlage zur Reduzierung der körperlichen Belastungen installiert.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Arbeitsgestaltung wurde zu 45% vom Integrationsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Das mittelständische Unternehmen betreibt u. a. zwei eigenständige Gießereien. Für sechs schwerbehinderte Mitarbeiter sollen dort neue behinderungsgerechte Arbeitsplätze geschaffen werden.

1. Schwerbehinderter Mitarbeiter

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann hat eine Herz-Kreislauferkrankung und eine Armbehinderung. Er ist behinderungsbedingt nur eingeschränkt für manuelle Hebe- und Tragarbeiten einsetzbar. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 60.

Beruf:

Der Mann arbeitet noch nicht lange als Produktionshelfer in der Gießabteilung des Unternehmens.

2. Schwerbehinderter Mitarbeiter

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann ist am Rücken und den Hüftgelenken erkrankt. Er ist dadurch in seiner Bewegungsfreiheit (Körperhaltung) eingeschränkt und ebenfalls nur bedingt für Hebe- sowie Tragearbeiten einsetzbar. Der GdB beträgt 70.

Beruf:

Der Mann arbeitet seit vielen Jahren als Produktionshelfer in der Gießabteilung des Unternehmens.

3. Schwerbehinderter Mitarbeiter

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann hat eine Herz-Kreislauferkrankung. Wie seine Kollegen ist auch er nur eingeschränkt für körperlich schwere und stark belastende Arbeiten einsetzbar. Der GdB beträgt 50.

Beruf:

Der Mann arbeitet seit vielen Jahren als Produktionshelfer in der Gießabteilung des Unternehmens.

4. Schwerbehinderter Mitarbeiter

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann hat eine Rückenerkrankung und eine Herz-Kreislauferkrankung. Bedingt dadurch sollte er körperlich anstrengende Tätigkeiten und Zwangshaltungen wie Bücken vermeiden. Der GdB beträgt 60.

Beruf:

Der Mann arbeitet seit einiger Zeit als Produktionshelfer in der Gießabteilung des Unternehmens.

5. Schwerbehinderter Mitarbeiter

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann hat eine Rückenerkrankung, eine Arthrose in den Kniegelenken und eine Herz-Kreislauferkrankung. Der GdB beträgt 60. Auch er sollte nicht für Tätigkeiten, die die Einnahme von Zwangshaltungen (Bücken und Knien) erfordern, eingesetzt werden. Außerdem sollte er keine körperlich anstrengenden Hebe- oder Tragearbeiten ausführen.

Beruf:

Der Mann arbeitet seit einiger Zeit als Produktionshelfer in der Gießabteilung des Unternehmens.

6. Schwerbehinderter Mitarbeiter

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann hat eine Gelenkerkrankung am linken Arm. Bedingt dadurch kann er nur eingeschränkt Hebe- oder Tragearbeiten ausführen. Der GdB beträgt 30.

Beruf:

Der Mann arbeitet seit einigen Jahren in der Heizabteilung des Unternehmens.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die in der Gießabteilung tätigen Mitarbeiter sind für das Ablegen der Guss-Kerne, das Ausleeren der Formkästen (Werkstücke und Formsand), das Anhängen der heißen Gusswerkstücke an einen Kreisförderer und das Gussputzen mit einem Winkelschleifer verantwortlich. Das Ablegen der Kerne, das Ausleeren der Formkästen, das Anhängen der heißen Gussteile an den Kreisförderer und die Bearbeitung der Gussteile mit einem schweren Winkelschleifer bedingen das ständige Heben, Halten und Tragen von Gewichten bis zu 30 kg. Diese Tätigkeiten können von den Männern behinderungsbedingt nicht mehr ausgeführt werden.

Arbeitsumgebung (Istzustand):

Bei der Ausübung ihrer Tätigkeit werden die Mitarbeiter zusätzlich durch Hitze, Staub und Lärm belastet.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Durch die Reorganisation der beiden Gießereien konnte ein neuer Produktionsablauf für den Schichtbetrieb geplant und realisiert werden. Dabei wurden sechs neue Arbeitsplätze im Werk direkt behinderungsgerecht gestaltet.
Nach dem Gießen werden die Formen mit den Gusswerkstücken an der Ausleerstelle von einer automatisch arbeitenden Presse hydraulisch aus den Kästen auf Schüttelroste ausgestoßen. Durch die Vibration der Schüttelroste erfolgt dann eine Trennung von Formsand und Gussteilen, wobei der Formsand durch Schlitze in den Rosten zur Wiederverwendung nach unten abgeführt wird. Die leeren Formkästen laufen über Rollenbahnen zum weiteren Einsatz wieder in die Formabteilung zurück. Die Tätigkeit in diesem Arbeitsbereich beschränkt sich für den Mitarbeiter ausschließlich auf die Überwachung der Anlagen und Maschinen.
Die noch etwa 600 bis 650 Grad Celsius heißen Gusswerkstücke, mit denen der Mitarbeiter nicht mehr in Berührung kommt, gelangen über Schwingförderer in einen Kühler und werden auf 70 bis max. 135 Grad Celsius abgekühlt. Ein weiterer Schwingförderer transportiert die abgekühlten Gusswerkstücke auf einen Drehtisch. Hier führen zwei weitere Mitarbeiter eine Sichtprüfung durch. Anschließend trennen sie den nicht mehr für die Funktion des Gusswerkstückes erforderlichen Gusswerkstoff (Speiser und Steiger) mittels eines hydraulischen Abtrennkeils. Dieser Abtrennkeil ist an einem Gewichtsausgleicher aufgehängt, so dass er leicht von Hand bewegt werden kann. Durch den Einsatz des Abtrennkeils müssen keine schweren Elektroschleifgeräte mehr eingesetzt werden.
Die für die zweite Gießerei verbleibenden Gussstücke werden nach dem Gießen und Abkühlen zum Gussputzen einer Stahlkorn-Strahlanlage oder einem Trenn- und Schleifplatz zugeführt. Für die Transporte vom Drehtisch zur Strahlkabine und zum Schleifplatz stehen zwei Hängebahnen zur Verfügung. Das Anhängen und Abnehmen der überwiegend kleinen und somit leichten Werkstücke bereitet den Mitarbeitern keine Probleme. Für das Anhängen der gelegentlich noch auftretenden schweren Gussteile wurden Säulenschwenkkräne installiert.

Arbeitsumgebung (Sollzustand):

Großzügig dimensionierte Absauganlagen vermindern die Belastung durch Staub und Hitze und sorgen so an allen Arbeitsplätzen für erträgliche Arbeitsbedingungen. In der einen Gießerei entfällt der durch das Schleifen verursachte Lärm, da der Winkelschleifer durch einen hydraulischen Abtrennkeil ersetzt wurde.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

Schlagworte

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Knien
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • EFL - wiederholte Kniebeugen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Hocken
  • ERGOS - Knien
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Flüssigkeiten/Feststoffe
  • IMBA - Gase/Dämpfe/Stäube
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Klima
  • IMBA - Knien/Hocken
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Schall/Lärm
  • IMBA - Schichtarbeit
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB5011


Informationsstand: 07.06.2013