Inhalt

Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für eine Küchenhilfe

Wo lag die Herausforderung?

Die Frau hat ein Schulter-Arm-Syndrom. Behinderungsbedingt sollte sie nicht für Arbeiten eingesetzt werden, die schweres Heben und Tragen erfordern. Die Frau arbeitet seit Jahren als Küchenhilfe in einem Seniorenheim. Der Arbeitsplatz ist nicht ergonomisch, sodass die Arbeit körperlich sehr belastend ist.

Was wurde gemacht?

Im Zuge der Modernisierung des Heimes wurde auch die Küche auf den neusten technischen Stand gebracht. Dadurch entfallen viele Arbeitsschritte, die körperlich belastend sind. Sowohl die Frau mit Behinderung als auch die Kollegen ohne Behinderung sind durch die Modernisierung körperlich entlastet.

Schlagworte und weitere Informationen

Dem Arbeitgeber wurde vom Integrationsamt ein Zuschuss von 50% der entstandenen Kosten gewährt. Die Beratung erfolgte dabei durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.-Nr. der Inklusions- bzw. Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Das Seniorenheim ist ein Wohn- und Pflegeheim mit 200 Plätzen für alte Menschen. Träger des Hauses ist eine Kirchengemeinde.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau hat eine Wirbelsäulenerkrankung mit einem Schulter-Arm-Syndrom. Behinderungsbedingt sollte sie nicht für Tätigkeiten eingesetzt werden, die schweres sowie häufiges Heben und Tragen erfordern. Der Grad der Behinderung beträgt 30 (GdB 30), die Gleichstellung wurde bei der Arbeitsagentur beantragt.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau arbeitet seit vielen Jahren als Küchenhilfe bei ihrem Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die Küchenausstattung des Seniorenheimes ist stark veraltet und nicht ergonomisch. Gegart wird in den sehr tiefen und in ergonomisch ungünstiger Höhe angebrachten Kesseln und Pfannen nach dem konventionellen Koch- und Bratverfahren unter Verwendung von reichlich Wasser. Dieses Verfahren erfordert ein häufiges Öffnen der Geräte zum Umdrehen und Begießen der Bratenstücke sowie zum Umrühren der übrigen Speisen, um ein Anbrennen zu vermeiden. Bei diesen Vorgängen ist ein hoher Krafteinsatz in einer Körperhaltung mit vorgebeugtem Oberkörper in unmittelbarer Nähe der Kochgeräte zur Überwachung der Garprozesse notwendig. Aufgrund der schlechten Isolierung strahlen die Geräte viel Wärme ab und geben bei jedem Öffnen der Deckel Wasserdampf bzw. Kochschwaden frei.
Die schweren körperlichen Arbeiten, in ergonomisch ungünstiger Körperhaltung sowie unter Einfluss von Hitze und Wasserdampf bzw. Nässe, belasten die behinderte Küchenhilfe und ihre Kollegen sehr.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Im Zusammenhang mit einer grundlegenden Erneuerung und Modernisierung des Heimes beabsichtigt der Arbeitgeber auch die Küche auf neuesten technischen Stand zu bringen. Besonderer Wert wird hierbei auf die Ausstattung mit ergonomisch gut gestalteten Küchengeräten gelegt. So wird durch die Umstellung auf das Druckgarverfahren die Wasserdampfentwicklung stark reduziert. Vor dem Öffnen der Geräte erfolgt ein Druckausgleich mit Absaugung der evtl. noch freiwerdenden Kochschwaden.
Das Druckgaren in Kesseln und Pfannen erspart außerdem jegliches Umrühren von Speisen oder Umdrehen und Begießen von Braten, da keine Gefahr des Anbrennens besteht. Viele mühselige Arbeitsgänge und längeres Verweilen im Bereich der Kochgeräte entfallen hierdurch. Durch eine besonders gute Isolierung werden die Geräte auch nur noch handwarm, wodurch die Belastung des Küchenpersonals durch Hitze stark vermindert wird.
In der ca. nur 20 cm tiefen Druckgarpfanne können auch viele andere Speisen gegart werden. Wegen der geringen Tiefe erfordern die Eingabe- und Entnahmevorgänge kein Bücken mehr, wozu auch die ergonomisch günstige Arbeitshöhe von ca. 90 cm beiträgt.
Durch die Umstellung auf das Druckgarverfahren entstehen an Kesseln und Pfannen praktisch keine Verkrustungen und festgebrannte Bodensätze mehr, so dass der Reinigungsaufwand ( scheuern, kratzen usw.) erheblich zurückgeht.
Die für echte Bratvorgänge nach wie vor erforderliche konventionelle Bratpfanne ist kippbar und somit leicht zu befüllen und zu leeren.
Weiterhin soll ein Ceran-Großflächenherd mit Infrarotstrahlungsheizung und Induktionskochstelle mit automatischer Topferkennung eingesetzt werden. Erreicht wird hiermit ein schnelles Erhitzen der Gerichte und ein Wegfall der Wärmeabstrahlung beim Aufheizen und Abkühlen der Heizplatten. Unbenutzte Kochstellen schalten sich automatisch ab.
Alle Garvorgänge laufen rechnergesteuert ab und werden permanent überwacht, manuelle Eingriffe sind nur äußerst selten erforderlich. Ständiges Stehen vor den Geräten oder Umhergehen zur Kontrolle und Beobachtung ist nicht notwendig, so dass die behinderte Küchenhilfe und ihre Kollegen ganz wesentlich entlastet werden.
Absaughauben über allen Geräten saugen schnell und zugfrei evtl. doch noch auftretende Dämpfe gezielt ab und leiten sie ins Freie.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Gase/Dämpfe/Stäube
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Klima
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB4516


Informationsstand: 06.05.2013