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Praxisbeispiel
Betriebliches Eingliederungsmanagement für eine Altenpflegerin

Wo lag die Herausforderung?

Die Frau hat Multiple Sklerose und ist in ihren Bewegungen / ihrer Körperhaltung eingeschränkt und auch geringer Belastbar. Körperliche und psychische Belastungen (Stress) in ihrem Job in der mobilen Altenpflege führten behinderungsbedingt zu hohen Krankheits- bzw. Ausfallzeiten.

Was wurde gemacht?

Es wurde ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) durchgeführt. Dabei wurde die Mitarbeiterin von der Altenpflege in verschiedene Bereiche versetzt, wodurch sich weniger Belastung seitens der Mitarbeiterin versprochen wurde - allerdings war dies erfolglos. Dementsprechend wurde die Mitarbeiterin zurück in die Altenpflege versetzt. Jedoch nicht an ihren alten Arbeitsplatz, sondern zur Tagespflege in den Räumlichkeiten vor Ort des Unternehmens. Dort wird sie durch eine Arbeitsassistenz unterstützt und kann nun ihre Tätigkeit mit geringerer Belastung ausüben und weiter beschäftigt werden.

Schlagworte und weitere Informationen

Das BEM-Team mit Einbeziehung des behandelnden Arztes und des Integrationsfachdienstes unterstützten die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiterin. Das Integrations- bzw. Inklusionsamt fördert die Arbeitsassistenz der Mitarbeiterin und finanziert den Integrationsfachdienst als Dienstleister.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter und der Integrationsfachdienste.

Unternehmen:

Das Unternehmen ist mit seinen 600 Beschäftigten in der Altenhilfe, Kinder- / Jugendhilfe sowie im Rettungsdienst tätig und bietet außerdem Aus- sowie Fortbildungen im Bereich der Ersten Hilfe an. Darüber hinaus engagieren sich ca. 800 Personen ehrenamtlich beim Unternehmen.

Funktionseinschränkung und Behinderung der Mitarbeiterin:

Die Frau hat Multiple Sklerose (MS), wodurch sie in ihren Bewegungen sowie ihrer Körperhaltung eingeschränkt und auch geringer Belastbar ist. Oft ist ihre Leistungsfähigkeit erkrankungsbedingt von der jeweiligen Verfassung am Arbeitstag abhängig.
Dabei wirken sich körperliche und psychische Belastungen (Stress) auf den Gesundheitszustand aus - was zu einer Beeinträchtigung im Job und auch zu vermehrter Arbeitsunfähigkeit führte. Des Weiteren fällt ihr das Autofahren zunehmend schwerer und sie ist deshalb nicht mehr so mobil.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau absolvierte eine Ausbildung zur Pflegefachkraft und war in der mobilen Altenpflege beim Unternehmen tätig. Erkrankungsbedingt wurde sie nach einem Betrieblichen Eingliederungsmanagement in den Bereich der Tagespflege vor Ort in die Räumlichkeiten des Unternehmens versetzt.

Betriebliches Eingliederungsmanagement:

Nach Beginn der Erkrankung der Mitarbeiterin wurde aufgrund der Erkrankungsdauer ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) durchgeführt, dem die Mitarbeiterin zustimmte. Das für das BEM zuständige Integrationsteam des Unternehmens suchte gemeinsam mit der Mitarbeiterin nach Möglichkeiten, sie weiterhin im Unternehmen zu beschäftigen. Dabei wurde im ersten Schritt ihre Tätigkeit im Rahmen der mobilen Altenpflege organisatorisch so umgestaltet, dass sie eine feste Tour mit reduzierten Fahrzeiten und der Versorgung mehrerer Personen an einem Ort erhielt. Dies beanspruchte die Mitarbeiterin weiter zu hoch, weshalb sie zur Unterstützung der Erzieherinnen in die Kindertagesstätte versetzt wurde. Die neue Tätigkeit beanspruchte die Mitarbeiterin ebenfalls zu stark und sie viel erneut aus. Es wurde in Absprache mit der Mitarbeiterin deshalb ein zweites BEM-Verfahren durchgeführt, indem versucht wurde sie in dem Bereich der Ergotherapie zu beschäftigen - was sich in der Praxis als nicht so einfach herausstellte. Die Mitarbeiterin wurde deshalb wieder in den Bereich der Altenpflege versetzt, wobei sie nicht an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehrte. Vielmehr wurde sie in den Bereich der Tagesstation bzw. der Tagespflege und Betreuung der älteren Personen vor Ort im Unternehmen versetzt.
Aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung riet ihr das Integrationsteam einen Antrag auf Feststellung und Anerkennung einer Behinderung zu stellen. Sie erhielt darauf einen Schwerbehindertenausweis und das Integrations- bzw. Inklusionsamt sowie der Integrationsfachdienst konnten als externe Stellen vom Integrationsteam in das BEM mit eingebunden werden. Als Maßnahme wurde dann, ergänzend zur Versetzung in die Tagesstation und zur weiteren Reduzierung der für sie behinderungsbedingt noch zu hohen Belastungen, eine Arbeitsassistenz zur Unterstützung bei Nebentätigkeiten eingesetzt. Dies war als Maßnahme erforderlich, da auch keine Hilfsmittel zur Verbesserung der Arbeitssituation eingesetzt werden konnten. Die Arbeitsbedingungen konnten so behinderungsbedingt angepasst und das Beschäftigungsverhältnis der Altenpflegerin gesichert werden.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Mitarbeiterin pflegt und betreut in der Tagespflege ältere Menschen, die eigentlich noch zu Hause wohnen, tagsüber aber Gemeinschaft und qualifizierte fachliche Pflege und Betreuung suchen. Dabei kümmert sie sich mit Unterstützung ihrer Arbeitsassistenz um Folgendes:
- Pflege nach ärztlicher Verordnung
- Betreuung sowie Versorgung
- Förderung der vorhandenen Fähigkeiten durch Beschäftigung und Aktivierung zur selbstständigen Lebensführung

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)

Referenznummer:

PB/111104


Informationsstand: 28.01.2021