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Praxisbeispiel
Arbeits­platz­gestaltung für einen Lagerarbeiter

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann ist querschnittgelähmt, weshalb er einen Rollstuhl nutzen muss und sein Greifraum sowie seine Mobilität eingeschränkt sind. An seinem Arbeitsplatz waren entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Um den Mann weiter sinnvoll beschäftigen und Kundenwünsche schneller und kurzfristiger erledigen zu können, wurde zusätzlich zu dem vorhandenen Hochregallager ein neues Hochregallager aufgebaut und vollständig behinderungsgerecht eingerichtet. Es wurden auch in der Arbeitsumgebung noch einige bauliche Maßnahmen durchgeführt, damit der Mann ohne Probleme seinen Arbeitsplatz erreichen und die Sanitäreinrichtung benutzen kann.

Schlagworte und weitere Informationen

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrationsamt gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber stellt mit seinen ca. 2.300 Mitarbeitern hauptsächlich spezielle Kupplungen für die verschiedensten Anwendungszwecke her und vertreibt sie.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist querschnittsgelähmt. Er ist auf die ständige Nutzung eines Rollstuhls angewiesen. Sein Greifraum und seine Mobilität sind behinderungsbedingt eingeschränkt. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis trägt die Merkzeichen B, G, aG und H.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann hat eine Ausbildung zum Energieelektroniker absolviert. Beim Arbeitgeber ist er als Lagerarbeiter beschäftigt.
In REHADAT finden Sie auch Ausbildungseinrichtungen für körperbehinderte Menschen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mitarbeiter war im Hochregallager der Firma beschäftigt. Seine Aufgabe war es, mit Hilfe eines Regalbediengerätes die entsprechenden Kupplungsteile aus dem Hochregal herauszunehmen und entsprechend dem Kundenauftrag zusammenzustellen und für den Versand vorzubereiten. Das Hochregal selbst befindet sich in einer Halle, die ca. 50 m breit, 150 m lang und 12 m hoch ist. In dem Hochregal sind ca. 1 Mio. Teile gelagert. Vor der Hochregalhalle befindet sich eine Vorhalle, die in zwei Bereiche unterteilt ist. In der einen Hälfte werden die eingehenden Kupplungsteile erfasst und anschließend palettenweise im Hochregal eingelagert. Damit die Teile beim Transport nicht von den Paletten fallen können, haben diese einen ca. 15 cm hohen Rand. In der anderen Hälfte der Vorhalle befinden sich das Büro und der Kommissionierbereich. Behinderungsbedingt kann der Mitarbeiter an dem vorhandenen Arbeitsplatz nicht mehr eingesetzt werden.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Um den Mitarbeiter weiter sinnvoll beschäftigen und Kundenwünsche schneller und kurzfristiger erledigen zu können, soll zusätzlich zu dem vorhandenen Hochregallager ein neues Hochregallager aufgebaut werden. Als Aufstellungsort ist der jetzige Bürobereich vorgesehen. Die vorhandenen Büroräume sollen abgebrochen und durch Container, die draußen vor der Halle aufgestellt werden, ersetzt werden. Damit die Mitarbeiter das Büro ohne große Umwege erreichen können, sollen in der Außenwand ein Durchbruch und ein Verbindungsgang angebracht werden. Bei dem neuen Hochregallager wird es sich um eine Spezialanfertigung von vier Paternostern (Umlaufregalen) handeln. Diese sollen per EDV miteinander verbunden werden. Spezialanfertigungen sind nötig, weil an den Geräten zwei unterschiedliche Entnahmehöhen (400 mm und 850 mm) eingerichtet werden müssen. Da an den vier Geräten sowohl der behinderte Mitarbeiter als auch seine nicht behinderten Kollegen arbeiten sollen, müssen die anzuschaffenden Geräte so ausgestattet werden, dass alle Mitarbeiter die Teile in einer für sie ergonomisch günstigen Höhe entnehmen können. Die Entnahmehöhe bezieht sich auf die Plattformebene des Systems. Auf diese Plattform wird die Palette gestellt, so dass sich daraus eine effektive Entnahmehöhe von ca. 500 bzw. 950 mm ergibt. Mit Hilfe einer Schlüsselzahl bzw. durch das Drücken einer Funktionstaste wird dem System mitgeteilt, welche Entnahmehöhe es anzufahren hat. In den Umlaufregalen sollen ca. 400 verschiedene Artikel palettenweise eingelagert werden. Die Artikel sollen so eingelagert werden, dass man im Vorbeigehen bzw. -fahren zuerst das Kupplungsoberteil, dann das Kupplungsunterteil, das Mittelstück und zum Schluss die erforderlichen Beistellteile (z. B. Passfeder, Schrauben usw.) entnehmen und zusammenstellen kann. Die Kupplungsteile haben einen Durchmesser von bis zu 180 mm und erreichen ein max. Gewicht von 8 kg. Der Weg durch die Montagehalle muss markiert werden, damit keine Teile bzw. Paletten die Durchfahrt des Mitarbeiters behindern.
Kerngedanke dieser Maßnahme ist, dass zwei Mitarbeiter an zentraler Stelle für einen begrenzten Bereich von Kundenaufträgen die Teile kommissionieren, die Lieferscheine anfertigen und die Teile versandfertig bereitstellen. In diesem neuen Lagerbereich sollen zwei, im Bedarfsfall drei Mitarbeiter in der Frühschicht eingesetzt werden. In der Spätschicht werden die entnommenen Teile dann anhand der EDV-Auswertung von einem Staplerfahrer ergänzt und die leeren Paletten durch volle ersetzt.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Es müssen auch in der Arbeitsumgebung noch einige bauliche Maßnahmen durchgeführt werden, damit der Mitarbeiter ohne Probleme seinen Arbeitsplatz erreichen und die Sanitäreinrichtung benutzen kann. Auf dem Parkplatz muss in der Nähe des Eingangs ein Behindertenparkplatz für den Mitarbeiter ausgewiesen und die Bordsteinkante abgesenkt werden. Die Eingangs- und Verbindungstür müssen mit einem elektromotorischen Türöffner ausgestattet werden. Der Sanitärbereich muss so umgebaut und ausgestattet (Waschbecken, Toilette, Stützhandgriffe usw.) werden, dass der Mitarbeiter diesen ohne Probleme sowie Barrieren nutzen (z. B. beim Umsetzen vom Rollstuhl auf die Toilette) und im Notfall über ein Personennotrufsystem Hilfe rufen kann.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Stehen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Stehen

Referenznummer:

R/PB4795


Informationsstand: 18.08.2006