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Praxisbeispiel
Eine Näherin in einer Werkstatt für behinderte Menschen

Es gibt eine Abbildung zu diesem Praxisbeispiel:
Arbeitsplatz

Wo lag die Herausforderung?

Die Frau hat eine Querschnittlähmung, weshalb sie einen Rollstuhl nutzen muss und ihr Greifraum, ihre Mobilität und ihre Fähigkeiten Gegenstände zu handhaben eingeschränkt sind. An ihrem Arbeitsplatz waren entsprechende Anpassungen nötig.

Was wurde gemacht?

Damit die Frau ohne Einschränkungen an der Nähmaschine eingesetzt werden kann, wurde diese behinderungsgerecht so gestaltet, dass die Frau sie über bloße Sprachbefehle steuern kann und sie ihre Hände zum bewegen des Nahtguts verwenden kann.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Qualifizierung der Frau im Berufsbildungsbereich wurde von der Arbeitsagentur gefördert. Das Integrationsamt förderte die behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Arbeitsagenturen und Integrationsämter.

Arbeitgeber:

Die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) bietet Menschen mit Behinderungen, die nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können, u. a. die Möglichkeit der beruflichen Qualifizierung mit einer anschließenden Beschäftigung im Arbeitsbereich.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der und Literatur über Werkstätten für behinderte Menschen.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Frau:

Die Frau hat eine Querschnittslähmung und ist auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen. Ihr Greifraum, ihre Mobilität und ihre Fähigkeit Bedienelemente mit den Füßen zu betätigen sind eingeschränkt.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau wurde vom Reha-Team der Arbeitsagentur an die WfbM vermittelt. Zu Beginn nahm die Frau drei Monate am Eingangsverfahren in der WfbM teil. Im Eingangsverfahren erfolgte die Feststellung der Neigungen, Leistungsfähigkeit, Eignung sowie Fertigkeiten. Auf dieser Basis wurde dann ein entsprechender Eingliederungsplan erstellt. Anschließend wurden im Berufsbildungsbereich zwei Jahre lang ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten geschult, um später eine Tätigkeit im Arbeitsbereich der WfbM aufnehmen zu können.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Frau arbeitet als Näherin im Arbeits.- bzw. Textilbereich der WfbM an einer Nähmaschine. Sie kann behinderungsbedingt nicht die Fußschalter einer serienmäßigen Nähmaschine betätigen und nicht den Fußraum unter dem Nähmaschinentisch mit dem Rollstuhl unterfahren. Damit die Näherin ohne Einschränkungen an der Nähmaschine eingesetzt werden kann, wurde diese mit Hilfe des technischen Beratungsdienstes des Integrationsamtes und einem Unternehmen bzw. einer Gesellschaft für innovative Steuerungselemente wie folgend angepasst (vgl. Bild):
- Installation der Nähmaschine an einen elektromotorisch höhenverstellbaren und unterfahrbaren Arbeitstisch
- Umstellung von Fuß- auf Handbedienung und Sprachsteuerung
- Sprachsteuerung per Headset über einen Computer und Tableau im Greifraum, damit die Hände während des Nähens nur für das Führen des Nähgutes eingesetzt werden müssen

Mit den Worten "Wach auf" wird der Computer aktiviert und nach dem Einlegen des Nähgutes wird dieses mit den Worten "absenken" unter den Nähfuß geklemmt. Weitere Befehle sind z. B.:
- "Stich für Stich",
- "etwas schneller",
- "normal",
- "volle Drehzahl",
- "langsamer" und
- "halt".

Die Sprachsteuerung basiert auf der handelsüblichen Spracherkennungssoftware Dragon Naturally Speaking, zu der über die Schnittstelle eine zusätzliche Software zur Steuerung der neu installierten mechanischen Aktuatoren zur Ausführung der jeweiligen Sprachbefehle programmiert wurde.
Die Steuerung an diesem Arbeitsplatz versteht über die Spracheingabe 25 Befehle, theoretisch sind jedoch bis 256 verschiedene Sprachbefehle möglich. Die Trainingsphase, in der das Spracherkennungssystem die Sprachmuster des Bedieners erlernen muss, beträgt entsprechend der Anzahl der Befehle ca. 5 Minuten.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ISO 12 22 03 Rollstühle mit beidseitigem Greifreifenantrieb
ISO 22 36 18 Eingabesoftware (Dragon Naturally Speaking)

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Gehen
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation)
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Laufen (Gehen)
  • ERGOS - Reichen
  • ERGOS - Stehen
  • IMBA - Armbewegungen
  • IMBA - Bein-/Fußbewegungen
  • IMBA - Feinmotorik (Fußgeschicklichkeit)
  • IMBA - Gehen/Steigen
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Stehen
  • MELBA - Feinmotorik

Referenznummer:

R/PB4133


Informationsstand: 24.08.2012