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Angaben zum Praxisbeispiel

Barrierefreie Gestaltung eines Schulgebäudes für einen Lehrer mit einer Gehbehinderung durch Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist ein Gymnasium, das einer Behörde bzw. dem Träger der kommunalen Schulen unterstellt ist.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erkrankt. Dabei kommt es zu einer fortschreitenden Schädigung der für die Muskelbewegungen verantwortlichen Nervenzellen und somit auch zur Muskelschwäche sowie -schwund an den Gliedmaßen. Seine Mobilität und Körperhaltung ist behinderungsbedingt eingeschränkt - dies gilt für das Gehen, Treppensteigen und Stehen (über 90 Minuten). Er nutzt zur Fortbewegung eine Gehhilfe bzw. einen Gehstock, so dass er noch kürzere Strecken auf festem ebenem Untergrund gehen kann.
Es sollten außerdem Körperbelastungen, die durch das Tragen von Lasten (z. B. Unterlagen) entstehen, vermieden werden. Das Tragen von Lasten sollte auch in Bezug auf die Nutzung der Gehhilfe und Sturzgefahr nicht erfolgen. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis enthält die Merkzeichen B und G.
Aufgrund der Arbeitsunfähigkeitszeiten innerhalb eines Jahres wurde ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) durchgeführt. Erarbeitet und festgelegt wurden dabei als Maßnahmen eine Veränderung der Arbeitsorganisation und eine behinderungsgerechte Gestaltung des Arbeitsumfeldes sowie Arbeitsplatzes.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann arbeitet seit einigen Jahren als Lehrer für Mathematik und Physik beim Arbeitgeber.

Arbeitsorganisation:

Die Arbeitszeit wurde auf 17 Unterrichtsstunden pro Woche reduziert. Die ihm zugeteilten Aufgaben können alle auf einer Ebene in den dortigen Räumen ausgeführt werden. Ein ständiges Wechseln der Etagen und das häufige Zurücklegen von Gehstrecken entfallen so.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Der Lehrer erreicht das Schulgebäude mit seinem Pkw, den er auf einen für ihn ausgewiesen Parkplatz in der Nähe der Turnhalle abstellt. Vom Parkplatz gelangt er über eine kurze Strecke unter Verwendung seiner Gehhilfe zum Aufzug im Gebäude mit der Turnhalle. Mit dem Aufzug fährt er auf die Erdgeschossebene. Er muss so nicht mehr die steile Treppe am Haupteingang überwinden, um in das Erdgeschoss zu gelangen. Vom Erdgeschoss gelangt er über einige Stufen in das Haupttreppenhaus und von dort aus über weitere Stufen auf die erste Etage mit seinen Klassenräumen, der Toilette, dem Sekretariat und der Bücherei. Da er behinderungsbedingt keine Treppen mehr steigen kann, benutzt er dazu mit Unterstützung eines Kollegen ein spezielles Treppensteiggerät mit Sitz für noch nicht auf den Rollstuhl angewiesene Personen, das an einer speziellen Stelle im Erdgeschoss und in der ersten Etage in der Nähe der zu überwindenden Stufen sicher abgestellt wird. Für das Zurücklegen der Strecken auf der ersten Etage und in den Räumen nutzt er einen Rollator, der zusätzlich über eine Sitzfläche zum Ausruhen, einen Korb für den Transport von Unterlagen und eine Halterung für den Gehstock verfügt.
Da es sich nicht um sehr viele Etagen und Treppenstufen handelt und das Gebäude unter Denkmalschutz steht, erhielt das Treppensteiggerät den Vorzug vor einem Treppensitzlift - dessen Einsatz mit Umbaumaßnahmen und einer dauerhaften Verengung des Treppenhauses verbunden gewesen wäre.

Arbeitsplatz:

Am Arbeitsplatz wurde dem Lehrer vom Arbeitgeber ein ergonomischer Bürostuhl zur Verfügung gestellt, damit langes Stehen unter der Einnahme einer ergonomischen Sitzhaltung vermieden werden kann. So kann der Lehrer sich beispielsweise bei Gruppenarbeiten, Arbeitsaufgaben, Klassenarbeiten usw. von den Belastungen durch das Stehen erholen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die barrierefreie Gestaltung durch den Einsatz des Rollators und des Treppensteiggerätes wurde vom Integrationsamt gefördert - dabei entstand für den Arbeitgeber kein wirtschaftlicher Vorteil. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - den sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrationsämter.



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  • ERGOS - Stehen /
  • ERGOS - Treppensteigen /
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  • IMBA - Gehen/Steigen /
  • IMBA - Stehen /
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)


Referenznummer:

Pb/110942



Informationsstand: 12.06.2018