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Bibliographische Angaben zur Publikation

Was hält adipöse Rehabilitanden von der Nutzung von post-stationären Online-Nachsorgeangeboten ab?

Poster auf dem 28. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 15. bis 17. April 2019 in Berlin



Sammelwerk / Reihe:

Rehabilitation - Shaping healthcare for the future


Autor/in:

Anzelini, M.; Ellrott, T.; Reusch, A. [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2019, Seite 154-156


Jahr:

2019



Link(s):


Link zu dem Beitrag im Tagungsband (PDF, 3,4 MB).


Abstract:


Zielstellung:

Im Rahmen stationärer Rehabilitationsmaßnahmen für adipöse Rehabilitanden und Rehabilitandinnen stellt sich häufig die Frage nach einer adäquaten Nachsorgemaßnahme zur Verstetigung des RehaErfolges - bisher gibt es hierfür jedoch kaum geeignete und vor allem keine flächendeckenden Angebote. In Anbetracht der zunehmenden Zahl adipöser Personen in Deutschland, den damit verbundenen Folgeerkrankungen sowie daraus resultierenden Kosten im Gesundheitswesen und der dringend notwendigen langfristigen Therapie der Adipositas dürfte jedoch eine effektive langfristige Nachsorge in Verbindung mit einer 3-4 wöchigen stationären Rehabilitationsmaßnahme von hoher Wichtigkeit sein, um eine weitere kontinuierliche Gewichtsabnahme und Verbesserung des Gesundheitszustandes im heimischen Umfeld zu erreichen. Noch wenig erforscht ist die Frage, in wieweit Rehabilitanden und Rehabilitandinnen auch von OnlineNachsorgeangeboten profitieren würden. In einer Befragung von 92 adipösen Rehabilitanden und Rehabilitandinnen von Dorow et al., 2017 gaben 76,1% der Rehabilitanden und Rehabilitandinnen eine grundsätzliche Nutzungsbereitschaft neuer Medien in der Nachsorge an. Barrieren und Chancen neuer Online-Medien wurden bei diesem spezifischen Rehabilitanden und Rehabilitandinnen-Klientel allerdings nicht erfragt. In der hier vorgestellten Studie sollte deshalb unter anderem der Fokus darauf liegen, welche Gründe/Barrieren adipöse Rehabilitanden und Rehabilitandinnen von der Nutzung von Online-Nachsorgeangeboten abhalten könnten.

Methoden:

Anhand eines 61 Fragen umfassenden Fragebogens wurden 96 Patienten und Patientinnen (54,6% Männer, 45,5% Frauen) im Alter von 21-69 Jahren (mittleres Alter: 49 Jahre), die im Rahmen einer internistischen, orthopädischen oder psychosomatischen Rehabilitationsmaßnahme im Rehabilitations- und Präventionszentrum Bad Bocklet im Zeitraum vom 01.01.2018 bis 15.10.2018 stationär behandelt wurden, befragt. Die Belegung des Rehabilitationszentrums erfolgt überwiegend durch regionale Träger der Deutschen Rentenversicherung (früher LVA), wodurch ein tendentiell niedrigerer sozioökonomischer Status der Rehabilitanden und Rehabilitandinnen in dieser Befragung bedingt ist. 42 % der Befragten verfügten über einen Hauptschul-, 29 % über einen Realschulabschluss. 47 % der Teilnehmer und Teilnehmerinnen gaben einen Lehrberuf als höchsten Berufsabschluss an. Einschlusskriterien waren ein BMI > 30 kg/m² sowie Teilnahme an den Gewichtsschulungen im Rahmen der Rehabilitationsmaßnahme. Der Durchschnitts-BMI lag bei 42,6 kg/m². Die statistische Auswertung erfolgte mitthilfe der Programme Excel (Microsoft) und Statistica 12.

Ergebnisse:

84,42% der adipösen Rehabilitanden und Rehabilitandinnen gaben eine grundsätzliche Nutzungsbereitschaft für Online-Nachsorgeangebote an. Als häufigsten Ablehnungsgrund nannten die Befragten mit 14,2 %, dass sie schon zu viele Mails und Nachrichten erhalten würden. Ebenfalls relevant für eine ablehnende Einstellung bzgl. Online-Medien waren mit 11,7 % Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Was die Wirksamkeit von Online-Nachsorgeangeboten anbelangt, so waren hingegen nur 6,5 % der Befragten der Ansicht, dass diese keinen Effekt hätten. Die große Mehrheit (93,5 %) sah grundsätzlich in der Nutzung moderner Medien eine Bereicherung des Nachsorge Therapieangebotes. Bezüglich der erfragten Bereitschaft zur finanziellen Mitbeteiligung an OnlineNachsorgeangeboten waren 53,3 % der befragten Rehabilitanden und Rehabilitandinnen nicht bereit, sich finanziell zu beteiligen. Von denjenigen, die bereit wären, für solche Angebote zu bezahlen, war mit 50 % der größte Teil gewillt, zwischen 20,00 und 49,99 €/Jahr für die Nutzung zu zahlen, weitere 21,9 % würden auch zwischen 50,00 bis 99,99 € pro Jahr bezahlen. Interessanterweise kannten nur 11,7 % bzw. 19,5 % der adipösen Rehabilitden und Rehabilitandinnen Online Coachings bzw. Apps zur Unterstützung der Gewichtsabnahme.

Fazit:

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich folgendes festhalten: Zum einen scheinen adipöse Rehabilitanden und Rehabilitandinnen in deutlich geringerem Umfang Online-basierte Unterstützungsangebote zur Gewichtsabnahme zu kennen als dies üblicherweise von Fachleuten in Diskussionen zur Thematik angenommen wird. Dies mag auch darauf zurückzuführen sein, dass die Mehrheit der Studienteilnehmer und Studienteilnehmerinnen einen niedrigen sozio-ökonomischen Status aufwies. Die grundsätzliche Nutzungsbereitschaft für Online-Nachsorgeangebote scheint jedoch ausgesprochen hoch zu sein, ein Potential, das mit Blick auf die gewünschte Verlängerung des therapeutischen Intervalls und der komplexen Gesamtsituation in jedem Fall genutzt werden sollte. Als mögliche Barrieren erwiesen sich für adipöse Rehabilitanden und Rehabilitandinnen die Sorge vor einem Übermaß an Nachrichten/Informationen sowie Datenschutzbedenken, was bei der Etablierung von Online-Angeboten in jedem Fall berücksichtigt werden sollte. Hinsichtlich der finanziellen Beteiligung ist die Frage zu diskutieren, warum nur ein geringer Prozentsatz der Befragten bereit wäre, sich finanziell an einem solchen Angebot zu beteiligen, um auf diese Weise in ihre eigene gesundheitliche Zukunft zu investieren und ob eine finanzielle Beteiligung am Angebot nicht doch die Nutzungsintensität und Dauerhaftigkeit der Nutzungsbereitschaft verbessern würde.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '28. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Rehabilitation - Shaping healthcare for the future'




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)
Bereich Reha-Wissenschaften/Reha-Kolloquium
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navi...
***Zu beziehen bei der Herausgeberin***



Referenznummer:

R/NV129729


Informationsstand: 24.06.2019

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