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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsgestaltung für einen selbständigen Unternehmer mit einer hochgradigen Sehbehinderung im Bereich des Einzelhandels

Arbeitgeber:

Der Mann und seine Frau betreiben als Unternehmerpaar einen Einzelhandelsbetrieb zu dem mehrere Geschäfte gehören. Dazu zählt auch ein Fachgeschäft für Betten mit vier Beschäftigten.

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Unternehmer hat eine Erkrankung der Netzhaut und ist hochgradig sehbehindert bzw. fast blind. Sein Sehrest hat sich über die Jahre weiter verschlechtert und ist nun noch sehr gering. Er kann infolgedessen Informationen am PC oder in Papierformat nur noch sehr eingeschränkt, stark vergrößert und konzentrationsbedingt nur über einen kürzeren Zeitraum optisch wahrnehmen. Er benötigt deshalb mehr Zeit bei der Ausübung von bestimmten Tätigkeiten. Der Grad der Behinderung (GdB) beträgt 100 und er gilt gesetzlich als schwerbehindert. Sein Schwerbehindertenausweis beinhaltet die Merkzeichen B, Bl, G, H und RF.

Ausbildung und Beruf:

Der Unternehmer ist Einzelhandelskaufmann und leitet als Geschäftsführer das Bettenfachgeschäft.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Geschäftsführer übernimmt im Rahmen seiner Tätigkeit folgende Aufgaben:
- Führungsaufgaben und die Personalplanung
- kaufmännische Leitung (Sortimentsgestaltung, Warendisposition, Buchführung / Gehaltsabrechnung bzw. Vorbereitung der Unterlagen für den Steuerberater usw.)
- Erstellung der Werbeangebote
- Überprüfung der Lieferpapiere beim Wareneingang und Erstellung der Unterlagen für die Kunden beim Warenausgang mit Terminplanung zur Lieferung
- Beratung der Kunden und der Verkauf im Laden u. a. mit schriftlichen Angeboten
- Gestaltung der Verkaufsräume bzw. Präsentation der Ware
- Preisauszeichnung und Beschriftungen an der Ware
Für die Bildschirmarbeit im Büro am PC (zur kaufmännischen Leitung, Personalplanung, Erstellung von Angeboten usw.) nutzt er eine spezielle Software zur Vergrößerung und kontrastreichen Ausgabe der Bildschirminhalte auf einem Großbildschirm, der zur besseren Positionierung im optimalen Sehabstand und zur Einnahme einer ergonomischen Arbeitshaltung an einem Monitorschwenkarm befestigt ist. Die spezielle Software ermöglicht dem Bedarf entsprechend eine sehr hohe Vergrößerungsstufe. Die eingesetzte Vergrößerungssoftware ermöglicht alternativ auch eine Sprachausgabe, so dass der Geschäftsführer nicht über einen längeren Zeitraum visuell Informationen wahrnehmen muss - was durch die dazu erforderliche starke Konzentration auch auf Dauer nicht möglich ist und zu starken Ermüdungs- und Erschöpfungszuständen führen würde. Die Eingabe am PC erfolgt dabei über eine Großschrift-Kontrasttastatur. Zum Lesen von Vorlagen in Papierformat setzt der Geschäftsführer ein Bildschirmlesegerät (Kameralesesystem) ein. Das Bildschirmlesegerät wird über eine Dockingstation mit Kreuztisch zur optimalen Positionierung der Vorlagen unter der Kamera mit dem PC verbunden. Eine stark vergrößerte und kontrastreiche Ausgabe ist dann ebenfalls über den Großbildschirm möglich. Das Bildschirmlesegerät verfügt über Softwarezubehör zur Textkennung auch über die Möglichkeit Texte über den PC vorzulesen und diese in gängige Formate zur evtl. Archivierung und Weiterverarbeitung auf dem PC zu speichern.
Da der Geschäftsführer in verschiedenen Bereichen (Büro, Laden und Lager) tätig ist, nutzt er zum Telefonieren u. a. mit Kunden und Lieferanten ein Smartphone mit einer integrierten Bedienungshilfe bzw. einem Programm für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit. Die Bedienungshilfe ermöglicht optische Inhalte des Displays über Sprache auszugeben und die Bedienung durch Abtasten des Displays. Dabei erhält der Geschäftsführer Sprachinformationen, z. B. zur ertasteten App und zum Öffnen. Das Smartphone wird außerdem Eingesetzt, um die Barcodes auf den Preisschildern an der Ware mit Hilfe der Kamera und einer App zu scannen. Informationen wie Preise und Beschreibungen, die zuvor in eine Datenbank eingegeben wurden, können so vom Geschäftsführer über das Smartphone beim Kundengespräch aufgerufen und akustisch beispielsweise über Kopfhörer ausgeben werden.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Die Ehefrau nimmt den Geschäftsführer morgens auf ihren Arbeitsweg zum Modegeschäft mit zum Bettengeschäft und holt ihn dann abends auf dem Weg nach Hause ab. In den Verkaufsräumen, Büro und Lager kann er sich gut orientieren, da er selbst alles organisiert und deshalb weiß wo alles steht. Außerdem werden die Gehwege freigehalten und es gibt somit für ihn, die Mitarbeiter und Kunden keine Stolperfallen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Gestaltung und die erforderliche Schulung zum Einsatz der Hilfsmittel wurden vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Erforderlich wurde die Förderung, da die früher vorhandenen Hilfsmittel veraltet und nicht mehr dem Bedarf entsprechend zum Ausgleich der Seheinschränkungen eingesetzt werden konnten. Die Beratung erfolgte dabei durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes und die Schulung durch den Hilfsmittelanbieter direkt am Arbeitsplatz.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.



Link:

REHADAT-Hilfsmittelportal: Apps zum Thema Barcode



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Referenznummer:

Pb/111023



Informationsstand: 22.01.2019