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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsgestaltung für einen Ingenieur mit einer Seh- und Hörbehinderung im Bereich der Schadensvorbeugung bei Ford

Arbeitgeber:

Die Ford-Werke haben seit 1930 ihren Stammsitz in Köln. Die europäische Zentrale des Unternehmens befindet sich seit 1998 ebenfalls in Köln, wo neben der Hauptverwaltung auch noch die Fahrzeugfertigung des Ford Fiesta und die 1-Liter-EcoBoost-Motorenfertigung, das Entwicklungszentrum und das europäische Ersatzteillager ansässig sind. Die Ford-Werke beschäftigen in Köln mehr als 18.000 und in Deutschland rund 25.000 Mitarbeiter aus mehr als 50 Nationen. In Europa beschäftigt Ford rund 53.000 Mitarbeiter, inklusive der Joint Ventures 67.000. Das Unternehmen fertigt in 24 Produktionsstätten in Europa - zum Teil mit Joint-Venture-Partnern - Personenkraftwagen, Nutzfahrzeuge, Motoren und Getriebe.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann kann unter günstigen Lichtbedingungen mit dem rechten Augen nur noch schemenhaft seine Umgebung wahrnehmen. Die Restsehfähigkeit des linken Auges beträgt 40% und das Gesichtsfeld ist erheblich eingeschränkt (unter 5 Grad mit Tunnelblick), sodass er als gesetzlich blind gilt. Für ihn müssen optische Informationen blendfrei, vergrößert und kontrastreicher dargestellt oder so umgewandelt werden, dass sie taktil mit den Fingern (z. B. über Brailleschrift) oder akustisch wahrgenommen werden können. Er hat außerdem eine starke Hörbehinderung bzw. ist schwerhörig. Akustische Informationen (z. B. Lautsprache) können deshalb von ihm nur durch verstärkende Hörhilfen wahrgenommen werden - er nutzt deshalb Hörgeräte. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist Diplomingenieur für Elektrotechnik und arbeitet Vollzeit im Unternehmen als Entwicklungsingenieur.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

Der Ingenieur arbeitet im Bereich der Schadensvorbeugung. Er ist innerhalb und teilweise außerhalb Europas zuständig für die Untersuchung bei auftretenden Schäden von Fahrzeugen zur Ursachenermittlung, Initiierung von Abstellmaßnahmen und die Einbringung von Erkenntnissen bei Fahrzeugneuentwicklungen - dies geschieht im stetigen Austausch mit Händlern, Zulieferern, der Fertigung sowie den Entwicklungs- und Qualitätsabteilungen.
Der überwiegende Teil der Tätigkeit erfolgt zu ca. 85% am Bildschirmarbeitsplatz im Unternehmen, der Rest in Form von Telearbeit (16 Stunden pro Arbeitswoche). Gelegentlich nimmt der Ingenieur auch an Besprechungen teil. Dies wird, wie sonst auch die gesamte verbale Kommunikation, durch die an den Hörverlust angepassten digitalen Hörgeräte mit Richtmikrofonen, Störschallfilter (für störende Nebengeräusche) und spezieller Verstärkung der Sprache (Nutzschall) in Kombination mit einer FM-Anlage ermöglicht (Bild 2). Die oft auch als Mikroport-Anlage bezeichnete FM-Anlage wird von ihm speziell bei Besprechungen in Verbindung mit einem externen Sender mit Richtmikrofon eingesetzt, um die akustische Informationen auch bei größerer Distanz, mehreren Personen und Nachhall in Räumen drahtlos an bzw. induktiv in die Hörgeräte zu übertragen. Die leichte und kleine FM-Anlage wird dazu mit einer Induktionsschlaufe um den Hals getragen. Neben der Datenanalyse und -eingabe (z. B. Auswertung von Fotomaterial) am Computer muss er häufig Telefonate und Telefonkonferenzen (teils in deutscher und teils in englischer Sprache) führen. Das Telefonieren erfolgt dabei auch induktiv über das Telefon und die Hörgeräte. Das Telefon bzw. der Telefonhörer besitzt dazu eine Spule und die Hörgeräte eine Telefonfunktion (T-Funktion), so dass eine direkte induktive Übertragung von der Spule in die Hörgeräte erfolgen kann.
Die visuellen Einschränkungen bei der Tätigkeit werden durch den Einsatz:
- einer Braillezeile mit 66 Zeichen am Arbeitsplatz im Unternehmen und einer weiteren baugleichen Braillezeile am Telearbeitsplatz in Verbindung mit einem Screenreader (spezielle Software),
- einer Vergrößerungssoftware mit der Möglichkeit einer kontrastreicheren Darstellung,
- eines mobilen Bildschirmlesegerätes bzw. einer elektrische Lupe,
- eines großen Flachbildmonitors mit großer Helligkeitseinstellung (bis zu 0,2% des maximalen Wertes) zur gedämpften Anzeige und Blendvermeidung und
- eines Monitorschwenkarmes
ausgeglichen (Bild 3).
Die Braillezeile ermöglicht es ihm in Verbindung mit dem Screenreader ein Laptop und die Software zu bedienen, indem die optischen Bildschirminhalte in Computerbraille bzw. Informationen umgewandelt werden, die von ihm mit den Fingern taktil gelesen werden können. Alternativ dazu kann er sich die Inhalte auch über die Sprachausgabe vorlesen lassen. Eingaben erfolgen über eine übliche externe Tastatur mit Hilfe des 10-Finger-System, das sonst auch von sehenden Personen genutzt wird. Neben der Braillezeile und dem Screenreader ermöglicht es die Vergrößerungssoftware visuell das geringe Restsehvermögen für die Bildschirmarbeit zu nutzen. Dazu kann der Zoomfaktor entsprechend eingestellt, ein spezieller Kontrast gewählt (vom Mitarbeiter wird blendungsbedingt eine invertierte Darstellung bevorzugt), die Mauszeigerverfolgung mit einer vergrößerten Darstellung der Maus als Fadenkreuz (zur besseren Erkennung wegen des Tunnelblickes) und die Sprachausgabe eingesetzt werden.
Für das Lesen bzw. Erkennen von Schriftstücken, Zeichnungen / Skizzen usw. in Papierformat nutzt der Ingenieur zur Vergrößerung die elektrische Lupe. Die Informationen werden dabei vergrößert (Zoom-Faktor ist einstellbar) auf dem integrierten Display der elektrischen Lupe in HD angezeigt - dabei ist auch eine Änderung des Kontrastes möglich. Die Inhalte können auf dem Gerät gespeichert und bei Bedarf auch über eine USB-Verbindung auf das Laptop übertragen werden, um sie auf dem großen Flachbildmonitor darzustellen. Der Flachbildmonitor ist an einem Monitorschwenkarm befestigt, sodass der Ingenieur jederzeit einen optimalen Sehabstand - bei einer ergonomischen Körperhaltung - einnehmen kann.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Der Mann nutzt einen weißen Langstock (Blindenstock) als Orientierungshilfe auf seinem Arbeitsweg, den er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die Beratung zur behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung in Bezug auf die visuellen Einschränkungen erfolgte durch den Integrationsfachdienst für blinde und sehbehinderte Menschen und das Berufsförderungswerk Düren, wo auch die Erprobung der entsprechenden Hilfsmittel stattfand. Die Förderung der Hilfsmittel zur Kompensation der visuellen und akustischen Einschränkungen (nur die FM-Anlage) erfolgte dabei durch die Rentenversicherung im Rahmen der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA). Die erforderlichen digitalen Hörgeräte wurden über den Festbetrag hinaus von der Krankenkasse gefördert, da sie auch im privaten Bereich genutzt werden und durch die zusätzliche Blindheit eine Orientierung ohne entsprechende Hörgeräte im Straßenverkehr zu gefährlich sei. Die Beratung in Bezug auf die Versorgung mit Hörhilfen erfolgte durch einen Hörgeräteakustiker.
Die Koordination der Maßnahme im Unternehmen erfolgte über die Mitglieder des Integrationsteams (z. B. Abteilung Disability Management, Werksarzt, Vorgesetzter und Schwerbehindertenvertretung).
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Deutschen Rentenversicherung und von Integrationsfachdiensten.



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Referenznummer:

Pb/110908



Informationsstand: 22.05.2018