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Bibliographische Angaben zur Publikation

Praxistest: Alltagshelfer für Menschen mit Hörminderung

Von Lichtblitzwecker und Vibrationsklingel



Autor/in:

Hell, Wolfram; Weckenmann, Sonja


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihrer Angehörigen e.V. (BAG SELBSTHILFE)


Quelle:

Selbsthilfe, 2009, Heft 4, Seite 36-39, Wuppertal: Delphin-Werbung, ISSN: 0724-5572


Jahr:

2009



Abstract:


Naturgemäß ist bei älteren Menschen der Anteil von Betroffenen mit einer Hörschwäche höher, aber auch jüngere Menschen haben immer häufiger Hörprobleme. Die Ausprägung der Störung kann von leichter Schwerhörigkeit bis zur Gehörlosigkeit reichen und unterschiedliche Ursachen haben. Im Handel gibt es mittlerweile zahlreiche Geräte, die den Alltag für Menschen mit einer Hörschwäche erleichtern sollen. Stiftung Warentest hat in einem Praxistest eine Auswahl von Hörhilfen - vom Lichtblitzwecker bis zu Telefonen mit Hörverstärker - getestet.

Hilfen beim Telefonieren
Getestet wurden Telefone, bei denen man die Hörerlautstärke erhöhen kann, um den Gesprächspartner besser zu verstehen. Das schnurgebundene Großtastentelefon 'Audioline BIGTEL 49 PLUS' bietet neben einer stufenlosen Hörverstärkung ein zusätzliches Lichtsignal und eine beleuchtete Anzeige. Es war im Test aufgrund seiner einfachen Bedienung und der deutlichen Beschriftung sehr beliebt. Die Lautstärke lässt sich mit Drehregler und zusätzlicher Verstärkertaste bequem verstellen. Die große Tastatur mit deutlicher Beschriftung ist auch für Menschen mit Sehbehinderung geeignet - der günstige Preis von 40 Euro überzeugte ebenfalls.

Beim schnurlosen Telefon 'freeTEL II' mit einer stufenlosen Hörverstärkung hat man außerdem die Möglichkeit, für das Anruf-Signal alternativ ein Lichtsignal und/oder ein Vibrationssignal einzustellen. Die Einstellung der Lautstärke ist allerdings etwas umständlich. Für die Bedienung der entsprechenden Tasten muss das Telefonat unterbrochen und der Hörer vom Ohr genommen werden. Als Telefonzubehör wurden zwei verschiedene Arten von Verstärkern getestet.

Mit dem Klingeltonverstärker 'Ring-Plus' der Firma Doro kann man das Klingelsignal deutlich verstärken und/oder mit Lichtblitzen anzeigen lassen. Das Gerät erfüllt im Prinzip die Funktion, für die es gedacht ist, jedoch ist die Zuverlässigkeit recht begrenzt. Ein Grund hierfür liegt darin, dass man den an einem Kabel befindlichen Sensor nicht fixieren kann. Dieser liegt nur lose unter dem Telefon, und wenn er nicht direkt neben der Klingel liegt oder verrutscht, funktioniert der Verstärker nicht oder es kommt durch die Bewegung zu 'Fehlalarm'.

Der Telefonhörverstärker von Humantechnik 'PL-51' verstärkt gegenüber dem 'RingPlus' nicht das Klingelsignal, sondern die Hörerlautstärke. Er wird zwischen Telefonhörer und Telefonapparat angeschlossen. Die Lautstärke lässt sich über zwei recht große Schieberegler stufenlos einstellen, diese sind leicht zu bedienen. Umständlich ist allerdings die zusätzliche Verstärkertaste: Beim Hören muss sie gedrückt, beim Sprechen wieder losgelassen werden.

Fernsehen, ohne den Nachbarn zu stören
Das Sennheiser 'Set 820' ist ein System aus einem drahtlosen Kopfhörer und einer Sendestation, die an den Fernseher angeschlossen wird. Es ist dazu da, die Sprachsignale des Fernsehers zu verstärken. Die Lautstärke kann individuell eingestellt und der Ton über den Kopfhörer empfangen werden. So werden Nachbarn, der Partner oder andere Personen in der Wohnung nicht gestört. Das Gerät lässt sich zwar gut bedienen, allerdings ist der Tragekomfort nur mäßig. Insbesondere bei längerem Fernsehen wurden die Ohrhörer als relativ unbequem und recht schwer empfunden.

Ohne Hörgerät kann ein Gerät mit so genannten Kinnbügelohrhörern benutzt werden. Die Ohrhörer sind bei längerem Tragen etwas gewöhnungsbedürftig. Für die Benutzung mit Hörgerät (mit Telefonspule) gibt es Geräte mit einer elektromagnetisch wirkenden Kabelschleife (Induktionsschleife) zum Umhängen.

Hat es an der Tür geklingelt?
Die Signalanlage von Bellmann 'Visit 868' ist ein System mit mehreren Komponenten, die individuell zusammengestellt werden können. Der Taschenvibrator dient als Empfänger beziehungsweise Meldegerät der Anlage. Er empfängt die per Funk übertragenen Signale des Türsenders und Rauchmelders. Das Gerät wird an der Kleidung getragen und zeigt durch Vibration an, wenn es an der Tür klingelt, das Telefon läutet oder der Rauchmelder piept.

Neben dem Vibrationssignal gibt es zusätzlich eine Anzeige über die unterschiedlich farbigen Leuchtdioden. Die Anlage kann insbesondere in Wohnungen mit mehreren Räumen eine Hilfe sein. Das System ist für Menschen mit stärkerer Hörminderung gedacht. Für ältere Menschen ist die Technik allerdings sehr ungewohnt und die Installation kann meist nicht alleine vorgenommen werden. Die Anlage kann durch weitere Komponenten, die im Handel erhältlich sind, ergänzt werden.

Wenn man den Wecker morgens nicht mehr hört?
Der Reisewecker 'Travel Clock' der Firma Geemarc war für die Testpersonen wenig hilfreich. Er bietet ein lautes Wecksignal, Lichtblitz- und Vibrationssignal, allerdings war das Blitzsignal nicht für alle Tester hell genug zum Wecken. Die seitlichen Schieberegler, mit denen die Einstellungen vorgenommen werden sollen, sind klein, ebenfalls deren Beschriftung. Das Einstellen der Schieberegler wird als ein bisschen mühsam empfunden und es sind deshalb schnell fehlerhafte Einstellungen möglich. Nach dem Falltest funktionierte der Wecker nicht mehr. Schließlich ist es ein echtes Manko, dass keine deutsche Bedienungsanleitung vorhanden war.

Der Tischwecker 'timeflash' von Humantechnik in klassischer Form (mit Kabel, großem analogem, kontrastreichem Ziffernblatt) hat zwar einen relativ leisen Weckton, aber einen hellen auffälligen Lichtblitz. Er ist einfach anzuschließen, aber die Bedienung der Einstelltasten und Einstellknöpfe erfordert aufgrund ihrer recht kleinen Größe etwas Geschicklichkeit. Die Einstellung der Weckzeit wird durch das Positionieren eines kurzen Weckzeit-Zeigers erreicht, das heißt eine absolute, exakte Einstellung ist kaum möglich.

Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen: Die meisten Geräte können den Alltag erleichtern, sie sollten jedoch für die eigene Hörminderung geeignet sein. Es ist ratsam, vor einem Kauf mehrere Hilfsmittel zu vergleichen und auszuprobieren. Besonders ältere Personen können Probleme mit der Installation beziehungsweise mit der Bedienungsanleitung haben. Fachkundige Unterstützung im Umfeld oder Fachgeschäft ist empfehlenswert. Den eigenen Grad der Hörminderung kann man recht einfach und schnell bei einem Hörgeräteakustiker (sogar kostenlos) beziehungsweise bei HNO-Ärzten mit der entsprechenden Geräteausstattung feststellen lassen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Hilfsmittel mit Weckfunktion | REHADAT-Hilfsmittel




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Selbsthilfe
Das Erscheinen der Zeitschrift wurde Ende 2015 eingestellt.
Homepage: https://www.bag-selbsthilfe.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0066/7845


Informationsstand: 05.02.2010

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