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Bibliographische Angaben zur Publikation

Hilfsmittelversorgung in der Rehabilitation

Abschlussbericht



Autor/in:

Hesse, Stefan; Bestmann, Anja; Lingnau, Marie-Luise [u. a.]


Herausgeber/in:

Reha-Forschungsverbund Berlin-Brandenburg-Sachsen (BBS)


Quelle:

Berlin: Eigenverlag, 2002, 69 Seiten


Jahr:

2002



Abstract:


Hilfsmittel sind integraler Bestandteil der Rehabilitation von PatientInnen nach Schlaganfall, Schädelhirntrauma, Gehirntumor und Multipler Sklerose. Nur wenige Studien geben bisher Auskunft über Art, Umfang und direkte Kosten der verordneten Hilfsmittel in einer Rehabilitationsklinik beziehungsweise über Zufriedenheit und Gebrauch zu Hause. Prospektiv werden daher für vier neurologische PatientInnenkollektive der Klinik Berlin 18 Monate lang die verordneten Hilfsmittel und deren Kosten erfasst und das Gebrauchsverhalten beziehungsweise die Zufriedenheit zu Hause mittels Fragebogenaktionen, Hausbesuchen bei ausgewählten PatientInnen und Instrumentation von Hilfsmitteln mit Schrittzählern/ Fahrradkilometerzählern bestimmt.

In einer zusätzlichen prospektiven Vergleichsstudie soll die derzeit gängige Praxis, gangbeeinträchtigten hemiparetischen PatientInnen Sprunggelenksorthesen nur sehr zögerlich während der stationären Rehabilitation zu verordnen, überprüft werden. Argumente sind die angebliche Auslösung eines pathologischen Bewegungsmusters durch das Hilfsmittel, was vergleichende Untersuchungen des Projektleiters jedoch nicht bestätigen konnten. Die Studie wird zwei Gruppen enthalten, die erste wird sofort zu Beginn der Rehabilitation mit einer Schiene versorgt und die zweite erst gegen Ende der Rehabilitation. Untersucht wird, inwieweit sich die beiden Gruppen hinsichtlich des Rehabilitationsverlaufes zu definierten Zeitpunkten unterscheiden.

Studienteil A: Art, Umfang und Kosten der Hilfsmittelversorgung
Die Einschätzung direkter, zukünftiger Hilfsmittelausgaben ist von gesundheitspolitischer Bedeutung, diesbezügliche Daten fehlen bislang. Das Projekt 'Hilfsmittel in der Rehabilitation' untersuchte daher Art, Umfang und Kosten der Hilfsmittelversorgung für ein neurologisches Patientenkollektiv. Prospektiv wurden bei den Patienten der Klinik Berlin für zwei Jahre die Hilfsmittel (HM) und deren Kosten phasenspezifisch erfasst. Dokumentiert wurden Mobilitäts-, Badezimmer-, Transfer-, Pflege-, Anzieh- und Esshilfen, soweit diese in der Klinik Berlin verordnet wurden.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen:

Es wurden 998 Patienten erfasst. Phasenspezifisch erhielten die Patienten 4,6 HM/Person (Phase B), 3,0 HM/Person (Phase C) und 0,6 HM/ Person (Phase D). HM-bezogene Ausgaben/Person waren: DM 4770,- (B), DM 2310,- (C) und DM 339,- (D). Der relative Kostenanteil der HM reichte von 3, 2 Prozent (Phase D) bis knapp 10 Prozent (Phase B und C) an den Gesamt-Rehabilitationskosten.

HM sind integraler Bestandteil der neurologischen Rehabilitation, das Thema verdient Berücksichtigung und Kompetenz in den Kliniken. Im internationalen Vergleich werden in Deutschland weniger HM eingesetzt bei gleichzeitig längerer Aufenthaltsdauer. Offen bleibt in diesem Zusammenhang, ob eine umfangreichere HM-Verordnung die Aufenthaltsdauer verkürzen könnte.

Studienteil B: Effektivität und Effizienz der Hilfsmittelversorgung auf der Mikroebene
Dieser Studienteil untersuchte die Effektivität und Effizienz von HM auf der Mikroebene: Mittels eines Fragebogens wurden detaillierte Kenntnisse über den HM-Nutzen (Gebrauchsverhalten, Probleme, Praktikabilität) zu Hause sowie die HM-bedingte Steigerung der häuslichen ADL-Kompetenz gewonnen.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen:

Ausgewertet wurden 203 gültige Fragebögen. Die Patienten waren zufrieden mit den HM, empfanden sie als praktikabel und benutzten sie regelmäßig. Dennoch traten HM-bezogene Probleme häufig auf, ein Ansprechpartner fehlte. Die Verordnungen waren sinnvoll, da die HM zu Hause regelmäßig eingesetzt wurden. Dennoch traten eine Vielzahl von ungelösten Problemen (zum Beispiel lange Lieferzeiten für Badezimmerhilfen, technische Mängel eines HM, Probleme in der täglichen Handhabung einiger HM) auf, so dass die Einrichtung einer HM-Ambulanz angezeigt ist.

Eine Analyse der HM-bedingten ADL-Kompetenz ergab, dass die HM die motorische Kompetenz der Patienten (n=21) um bis zu 20 Prozent steigerten, vor allem im Bereich der Mobilität. Der Einsatz der HM zu Hause war effektiv und effizient, die motorische Kompetenz wurde gesteigert, was nochmals die Bedeutung des Themas unterstreicht.

Studienteil C: Therapeutische Wirksamkeit einer Unterschienenversorgung
Der dritte Studienteil war eine biomechanische Untersuchung zum Einfluss von Sprunggelenkorthesen auf das Gehen hemiparetischer Patienten. Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Orthesen bewirkten ein sichereres, schnelleres, gleichmäßigeres und effizienteres Gehen hemiparetischer Patienten (n=21). Relevante Muskeln wurden vermehrt fazilitiert. Nachteilige Wirkungen, insbesondere auf den Muskeltonus, wurden nicht beobachtet. Ein bis dato üblicher zögerlicher Einsatz von Orthesen in der Gangrehabilitation hemiparetischer Patienten ist nicht angezeigt, sondern eine frühe Versorgung zur Förderung der Mobilisierung ratsam.

[Aus: Autorenreferat]


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Dokumentart:


Graue Literatur / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


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Referenznummer:

R/NV3660


Informationsstand: 27.03.2006