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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für einen Richter

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist das Justizministerium eines Bundeslandes.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine angeborene Hörbehinderung, die sich ab seinem zwanzigsten Lebensjahr verschlechterte - seitdem ist der Hörstatus auf niedrigem Niveau stabil. Rechtsseitig ist er mit einem Cochlea-Implantat (CI) und linksseitig mit einem Hörgerät versorgt. Trotz der Hörhilfen muss er unterstützend zur direkten verbalen Kommunikation die Lippen seines Gesprächspartners bzw. seiner Gesprächspartnerin zum Ablesen sehen können. Behinderungsbedingt müssen hörbare Informationen (Sprache und Signale) verstärkt, gefiltert oder so umgewandelt (z. B. durch eine direkte Übertragung in die Hörhilfen) werden, dass sie trotz beeinträchtigender Einflüsse (z. B. Störgeräusche, Nachhall, größerer Distanz, Gruppengespräche) akustisch wahrgenommen werden können. Gebärdensprache in Verbindung mit einer gebärdensprachdolmetschenden Person kann zur Kommunikation nicht eingesetzt werden, da er diese nicht erlernt hat. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 70. Der Schwerbehindertenausweis beinhaltet das Merkzeichen RF.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann studierte Jura und ist als Richter auf Probe beim Landgericht tätig.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mann arbeitet als Richter im Bereich der Zivilrechtskammer, wo er als Einzelrichter die Verhandlungen leitet und Urteile spricht. Verhandlungen in Zivilrechtsangelegenheiten finden je nach Anzahl der teilnehmenden Personen und Belegungsplan in verschiedenen Räumlichkeiten des Justizgebäudes und Verhandlungen in Strafvollstreckungsangelegenheiten finden außerhalb in Justizvollzugsanstalten statt. Neben den eigentlichen Verhandlungen gehören Tätigkeiten wie das Studium von Akten zur Vorbereitung, die Erstellung von Protokollen und die Begründung von Entscheidungen zu seinen Aufgaben, die er von seinem Bildschirmarbeitsplatz im Büro ausführt. An seinem Arbeitsplatz im Büro nutzt der Richter zum Telefonieren ein Telefon mit Telefonhörer-Verstärker. Alternativ könnte auch ein Telefon mit einer ausreichend starken Spule im Telefonhörer eingesetzt werden, um die Sprache direkt induktiv in das Hörgerät zu übertragen. Das Hörgerät müsste dafür nur auf die T-Funktion umgestellt werden, damit der Empfang über die Telefonspule des Hörgerätes stattfinden kann.
Für Verhandlungen in Zivilrechtsangelegenheiten im Justizgebäude wird eine FM-Anlage eingesetzt, bei der je nach Anzahl der teilnehmenden Personen bis zu neun Funk-Tischmikrofone auf Stativen für sie angeschlossen werden können. Die Sender der Mikrofone übertragen die Informationen an Universal-Funk-Empfänger, die jeweils über einen Adapter (z. B. Audioschuh) mit den Hörhilfen verbunden sind. Die Informationen können so ohne Nebengeräusche und Nachhall direkt in die Hörhilfen zur verbesserten akustischen Wahrnehmung übertragen werden. Eine Verstärkung der Sprache ist dabei auch durch die Hörhilfen möglich. Die Anlage ist mit kurzer Vorbereitungszeit in verschiedenen Räumen des Justizgebäudes einsetzbar.
Bei externen Fortbildungsmaßnahmen und Verhandlungen in den Justizvollzugsanstalten kommt eine weitere und mobilere FM-Anlage zum Einsatz. Diese FM-Anlage besteht aus zwei Funk-Mikrofonen, die an der Kleidung der Teilnehmenden befestigt werden können und einem Funk-Empfänger. Den Funk-Empfänger trägt der Richter mit einer Induktionsschleife um den Hals. Die Informationen werden vom Funk-Empfänger direkt induktiv über die Schleife und ohne Störgeräusche oder Nachhall in das Hörgerät übertragen.
Der Richter testete beide Systeme in einem Zeitraum von drei Monaten mit dem Ergebnis, dass er durch den Hilfsmitteleinsatz selbständig seinen Beruf ausüben kann.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt und das Hörgerät wurde mit einem festgelegten Höchstbetrag von der Beihilfe für Beamte gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes und durch einen Hörgeräteakustiker, der neben dem Verkauf auch für die Einstellungen der Hilfsmittel zuständig war. Die Hilfsmittel zur behinderungsgerechten Gestaltung wurden personenbedingt gefördert und gehen in den Besitz des Arbeitnehmers über, damit er diese auch beim Wechsel des Arbeitsortes mitnehmen kann.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter.



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  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Gestik/Mimik /
  • IMBA - Hören


Referenznummer:

Pb/110937



Informationsstand: 05.12.2019