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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für einen wirbelsäulen- und hüftgelenkgeschädigten Produktionshelfer in der Glasherstellung

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Glasfabrik, die Glasartikel vorwiegend für kosmetische und pharmazeutische Einsatzbereiche (Parfümfläschchen, Laborgefäße usw.) herstellt. Zusätzlich werden Gläser und Krüge produziert, die im Unternehmen bedruckt werden.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Jugendlichen:

Der Jugendliche hat eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule, des Skelettsystems und des Herzens. Er hat zudem einen schweren beidseitigen Senk-Spreiz-Knickfuß. Behinderungsbedingt ist dem Jugendlichen häufiges Bücken, sowie Heben und Tragen über 12 kg nicht möglich. Die körperliche Leistungsfähigkeit ist deutlich eingeschränkt. Aus arbeitsmedizinischer Sicht kann er überwiegend leichte und mittelschwere Arbeiten in sitzender Haltung verrichten, ein zeitweiser Wechsel zu stehenden und gehenden Tätigkeiten ist möglich.
Der 2 m große Jugendliche selbst gab bei längerem Laufen und Stehen Probleme im linken Hüftgelenk an, im Wirbelsäulenbereich habe er dagegen keine Beschwerden. Auch Sitzen bereite ihm keine Schwierigkeiten, er könne auf gewöhnlichen Stühlen beschwerdefrei über längere Zeit sitzen. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 50.

Beruf:

Der Jugendliche wurde neu als Produktionshelfer vom Arbeitgeber eingestellt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Innerhalb der Fertigung wird der Jugendliche zur Auslastung im Bereich der Siebdruckvorbereitung und in der Fertigungskontrolle eingesetzt. Im Bereich der Siebdruckvorbereitung hat er die Aufgabe, die zum Bedruckvorgang in der Produktion notwendigen Siebe vorzubereiten. Die Siebe müssen dazu mit Druckfarben behandelt werden, kommen dann anschließend in den 3 m entfernten Trockenofen und werden abschließend der Fertigung bereitgestellt. Vom Arbeitsablauf ist dem Jugendlichen damit ein zeitweiser Wechsel zwischen Sitzen und Gehen möglich.
Der Farbauftrag wird überwiegend in sitzender Körperhaltung an einem Arbeitstisch mit integriertem Leuchtpult durchgeführt. Ein stabilisierender Träger am Arbeitstisch und eine integrierte Beleuchtung schränken den Fußraum erheblich ein. Im Zusammenhang mit dem vorhandenen nicht individuell anpassbaren Arbeitsstuhl wird so die Einnahme einer ergonomischen Arbeitshaltung verhindert. Nach dem Bedruckvorgang müssen die Siebe, nach Rücklauf aus der Fertigung, an einem separaten Platz gereinigt werden. Das Reinigen der Siebe erfolgt in stehender Körperhaltung auf einem hohen Arbeitstisch in einer Wanne. Die Höhe des Arbeitstisches mit der Reinigungswanne ermöglicht dem 2 m großen Jugendlichen ein Arbeiten in stehender Körperhaltung, ohne sich bücken oder extrem sowie dauerhaft beugen zu müssen.
Zur besseren Auslastung ist der Jugendliche nicht durchgehend im Siebdruck beschäftigt. Zeitweise führt er deshalb sitzend innerhalb der Fertigung optische Kontrollen der hergestellten Glasartikel an einem schmalen nicht höhenverstellbaren Arbeitstisch mit einem älteren Arbeitsstuhl aus Holz zur Qualitätssicherung durch. Für die Kontrolle werden Kartons mit ungeprüfter Ware auf den schmalen Arbeitstisch abgelegt (Weg ca. 5 m). Dort wird die Ware kontrolliert und die fehlerfreie Ware anschließend wieder zurückgestellt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Um in der Siebdruckvorbereitung Zwangshaltungen, Bewegungseinschränkungen und Schmerzen zu vermeiden, wurden ein Arthrodesenstuhl und ein elektrisch höhenverstellbarer Arbeitstisch mit Arbeitsplatzleuchte angeschafft. Dies ermöglicht dem Jugendlichen eine individuelle Anpassung seines Arbeitsplatzes an seine Bedürfnisse und eine Entlastung der Hüftgelenke sowie der Wirbelsäule. Ein Stehsitz am Reinigungsplatz entlastet zusätzlich die Hüfte, Füße und Wirbelsäule des Jugendlichen.
Der schmale Tisch zur Fertigungskontrolle wurde durch einen elektrisch höhenverstellbaren Arbeitstisch ersetzt und durch einen weiteren Arthrodesenstuhl ergänzt.
Durch die Arbeitsplatzgestaltung können die Arbeitsaufgaben vom Jugendlichen auf Dauer und wirtschaftlich ausgeführt werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung:

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde von der Arbeitsagentur gefördert. Der Arbeitgeber erhielt außerdem einen Eingliederungs- bzw. Lohnkostenzuschuss, da der Jugendliche vorher arbeitslos war.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nr. der Arbeitsagenturen.



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  • Wirbelsäule /
  • Zwangshaltung

  • EFL - Gehen /
  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal) /
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz) /
  • EFL - Stehen (längeres/vorgeneigt/Rotation) /
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne) /
  • ERGOS - Bücken /
  • ERGOS - Laufen (Gehen) /
  • ERGOS - Stehen /
  • ERGOS - Tragen /
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz) /
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Gehen/Steigen /
  • IMBA - Geneigt/Gebückt /
  • IMBA - Heben /
  • IMBA - Licht /
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten) /
  • IMBA - Stehen /
  • IMBA - Tragen /
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)


Referenznummer:

R/PB1408



Informationsstand: 15.01.2010