in Praxisbeispielen blättern

  • Beispiel

Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für einen rückenerkrankten Mitarbeiter in einem Krematorium

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Stadtverwaltung mit 3320 Mitarbeitern. Sie betreibt unter anderem auch ein Krematorium zur Einäscherung von Menschen. Im Krematorium arbeitet ein schwerbehinderter Mitarbeiter.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Rückenerkrankung und eine Herz-Kreislauferkrankung. Behinderungsbedingt ist er für körperliche Arbeiten, die in Verbindung mit Bücken und Heben bzw. Tragen von Lasten stehen, nur bedingt einsetzbar. Dies gilt besonders bei klimatischen Bedingungen, die durch erhöhte Temperaturen bzw. Hitze den Körper bzw. das Herz-Kreislaufsystem zusätzlich belasten. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 70.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die in einem Kühlhaus gelagerten Holz-Särge werden von dem Mitarbeiter mit Hilfe eines Krans auf einen Transportwagen befördert. Bevor der Mitarbeiter die Särge zur Einäscherung in den Ofen schiebt, entfernt er mit einem Beil die Metallgriffe und Metallbeschläge. Beim Umsetzen der Särge und beim Entfernen der Beschläge muss der Mitarbeiter sich häufig bücken.
Die Verbrennungsrückstände des Einäscherungsvorganges gelangen vom Ofen über einen Trichter in einen Auffangbehälter. Die nach der Verbrennung verbleibenden festen Rückstände müssen jedoch von Hand weiter zerkleinert werden. Dazu schüttet der Mitarbeiter den Inhalt des Auffangbehälters auf einen Metalltisch. Auf diesem zerkleinert er die Feststoffe mit einem Beil. Abschließend schüttet der Mitarbeiter die Asche in eine Urne und verschließt diese mit einem zuvor gravierten Deckel. In den Deckel hat der Mitarbeiter den Namen der verstorbenen Person mit Schlagzahlen graviert.
Die mit der Einäscherung verbundenen Verwaltungsarbeiten und die Gravur der Urnendeckel erfolgen jeweils in kleinen Arbeitsräumen, die sich direkt neben dem Ofenraum befinden. Die dort vorhandenen Möbel sind nicht ergonomisch, d.h. sie sind nicht höhenverstellbar und stützen bei der sitzenden Tätigkeit den Rücken nicht.

Arbeitsumgebung (Istzustand):

Der Mitarbeiter wird durch die vorliegenden Arbeitsbedingungen erheblich belastet. Beim Öffnen des Ofens dringen Rußpartikel sowie Verbrennungsabgase in den Raum. Bei der Zerkleinerung der Aschen-Feststoffe und beim Umfüllen der Asche in die Urne entstehen Stäube, die der Mitarbeiter einatmen muss. Der Ofen ist schlecht isoliert und strahlt starke Hitze aus. Insgesamt ist die Temperatur in dem Raum zu hoch und die Luftfeuchtigkeit zu gering. Die Beleuchtung ist unzureichend und da es in dem Raum kein Außenfenster gibt, fehlt das Tageslicht völlig.
Die Räume, in denen der Mitarbeiter die Verwaltungsarbeiten erledigt und die Urnendeckel graviert, sind viel zu klein sowie zu warm.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Der Arbeitsplatz des Mitarbeiters musste behinderungsgerecht gestaltet werden. Das Bücken während der Tätigkeit entfällt durch den Einsatz einer Hubhilfe. Die Hubhilfe wird zum Umsetzen der Särge aus dem Kühlhaus benutzt. Zusätzlich ermöglicht sie das Entfernen der Metallgriffe und -beschläge, ohne dass der Mitarbeiter sich bücken muss (Bild 1).
Es wurde ein neuer Einäscherungsofen angeschafft. Zur Beschickung des neuen Ofens legt der Mitarbeiter die Särge mit einem Kran auf die automatische Beschickungseinrichtung (Bild 2).
Den weiteren Einäscherungsablauf verfolgt und überwacht er an einem Bildschirmarbeitsplatz mit einer speziellen Software. Der Arbeitsraum dafür wurde unter Beachtung ergonomischen Gesichtspunkte neu gestaltet. Er ist mit einem höhenverstellbaren Arbeitstisch, einem Bürostuhl mit höhenverstellbarer Rückenlehne und einem Außenfenster ausgestattet (Bild 3).
Die Verbrennungsrückstände des Einäscherungsvorganges gelangen über einen Trichter in einen Auffangbehälter. Das Zerkleinern der wenigen festen Verbrennungsrückstände erfolgt nicht mehr von Hand, sondern in einer speziellen Maschine (Bild 4). Diese füllt anschließend auch automatisch die Asche in die Urne um. Der Einsatz der Maschine verhindert die Belastung des Mitarbeiters durch Stäube, die beim Zerkleinern und Umfüllen entstehen.
Zum Gravieren der Urnendeckel wird eine CNC-Graviermaschine eingesetzt, die auf einem höhenverstellbaren Arbeitstisch steht und so in stehender oder sitzender Arbeitshaltung programmiert werden kann. Die CNC-Maschine graviert, nach Eingeben des Namens und Einlegen des Deckels, die Urnendeckel automatisch.

Arbeitsumgebung (Sollzustand):

Nach der behinderungsgerechten Gestaltung des Arbeitsplatzes werden die bisherigen Belastungen vermieden. Der neue Einäscherungsofen ist wärmeisoliert und verfügt über eine Absaugvorrichtung für Rauch und Rußpartikel. Durch den Einsatz der Zerkleinerungs-Maschine, die auch die Asche in die Urnen füllt, fallen keine Belastungen durch das Einatmen der Stäube mehr an. Es wurde eine Beleuchtungsanlage installiert, die indirektes Licht in ausreichender Menge spendet und so das fehlende Tageslicht besser ersetzt. In dem neuen Büroraum, in dem sich sein Bildschirmarbeitsplatz befindet, hat der Mitarbeiter nun ein Außenfenster.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung:

Die behinderungsbedingten Kosten für den Büroarbeitsplatz und den Gravierarbeitsplatz wurden vom Integrationsamt übernommen.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrationsämter.



Schlagworte und weitere Informationen

  • Absauganlage /
  • Absaugeinrichtung /
  • Absaugung /
  • Arbeitgeber /
  • Arbeitnehmer /
  • Arbeitsaufgabe /
  • Arbeitsmittel /
  • Arbeitsorganisation /
  • Arbeitsplatzgestaltung /
  • Arbeitsschutz /
  • Arbeitsstuhl /
  • Arbeitstisch /
  • Arbeitsumgebung /
  • Arbeitsumgebungsgestaltung /
  • Atemschutz /
  • Ausdauerleistung /
  • Automat /
  • Automatisierung /
  • Beleuchtung /
  • berufliche Rehabilitation /
  • Bestattungswesen /
  • Bildschirmarbeit /
  • Bildschirmarbeitsplatz /
  • Bücken /
  • Büroeinrichtung /
  • Bürostuhl /
  • CNC /
  • Dienstleistung /
  • EASTIN /
  • Erwerbstätigkeit /
  • Gabelhubwagen /
  • Gas /
  • Gas,Dampf,Staub /
  • Gefahrstoff /
  • Graviermaschine /
  • Gravierung /
  • Hebegerät /
  • Heben /
  • Hebezeug /
  • Herz-Kreislauf-Erkrankung /
  • Herz-Kreislaufsystem /
  • Hilfsmittel /
  • Hilfsmittelportal /
  • Hitze /
  • Hubhilfe /
  • Hubwagen /
  • innere Erkrankung /
  • Integrationsamt /
  • jpg /
  • Klima /
  • klimatische Belastung /
  • Körperbehinderung /
  • Körperbelastung /
  • Körperhaltung /
  • Kran /
  • Krematorium /
  • Luftreiniger /
  • Maschine /
  • Maschinenarbeit /
  • Maschinenbediener /
  • Maschinenbedienung /
  • Öffentlicher Dienst /
  • Organisation /
  • Palettenhubwagen /
  • Portal Gute Praxis / Arbeitsplatzgestaltung /
  • Portal Gute Praxis / Bewegungs- und Stützapparat /
  • Positionierungshilfe /
  • Rauch /
  • Rauchabzug /
  • Rückenerkrankung /
  • Sicherheit /
  • Staub /
  • Stuhl /
  • technische Beratung /
  • Teilhabe /
  • Teilhabe am Arbeitsleben /
  • Temperatur /
  • Tisch /
  • Tragen /
  • Transport /
  • Transportgerät /
  • Transporthilfe /
  • Überwachung /
  • Umgebung /
  • Unfallgefahr /
  • Unfallverhütung /
  • Vollzeitarbeit /
  • Wärme /
  • Wärmeisolierung /
  • Wärmestrahlung /
  • Wirbelsäule

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal) /
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz) /
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne) /
  • ERGOS - Bücken /
  • ERGOS - Tragen /
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz) /
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben /
  • IMBA - Arbeitssicherheit /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Flüssigkeiten/Feststoffe /
  • IMBA - Gase/Dämpfe/Stäube /
  • IMBA - Geneigt/Gebückt /
  • IMBA - Heben /
  • IMBA - Klima /
  • IMBA - Licht /
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten) /
  • IMBA - Tragen /
  • IMBA - Unfallgefährdung /
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)


Referenznummer:

R/PB5106



Informationsstand: 06.04.2009