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Durch den digitalen Wandel bekommt das Smartphone einen immer höheren Stellenwert. 78 % der Bevölkerung in Deutschland verfügen über ein Smartphone. Doch wie barrierefrei sind Smartphones? Kann wirklich jeder Mensch den kleinen Computer für die Tasche bedienen? Grundvoraussetzung für die Bedienbarkeit ist die Beschaffenheit des Betriebssystems. Daher haben wir das Wichtigste zur Barrierefreiheit der Betriebssoftware beider Marktführer zusammengefasst.

 

1. Definition von Smartphone, App und Betriebssystem

Ein Smartphone ist ein Mobiltelefon kombiniert mit Computerfunktionalitäten. Es erfüllt die Aufgabe eines Medienabspielgeräts, einer Videokamera, eines GPS-Navigationsgeräts und eines persönlichen digitalen Assistenten. Zentrale Merkmale sind die berührungsempfindlichen Bildschirme und die Verbindung mit dem Internet. Über einen Onlineshop können Applikationen für das jeweilige Endgerät heruntergeladen werden.

Applikation (Kurzform: App), bedeutet Computerprogramm. Im heutigen Sprachgebrauch sind Apps meist Anwendungen für mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets. Nutzer können Apps über den sogenannten App-Store, welcher im Betriebssystem integriert ist, beziehen und direkt auf dem Endgerät installieren. Da sich Apps mit weniger Aufwand programmieren lassen als frühere Computerprogramme, kommen stetig Neuerungen auf dem Markt.

Ein Betriebssystem ist elementar für die Benutzung eines Smartphones. Es besteht aus einer Kombination von mehreren Software-Systemen und bildet die Schnittstelle zwischen Hardware und Software. Das System erstellt die Benutzeroberfläche, auf der die Apps verwaltet werden können. Zu einem Betriebssystem gehören die Standard Programme wie z.B. Telefon, Kamera, Kalender, Uhrzeit, App-Store und Adressbuch.

Das Betriebssystem bestimmt das Layout und die möglichen Funktionen des Smartphones.


2. Welche Betriebssysteme gibt es?

Es gibt fünf verschiedene Anbieter von Betriebssystemen. Die bekanntesten Systeme sind iOS und Android.

iOS ist das System von Apple. Dieses System ist nur auf Geräten der Firma erhältlich. Neben der Smartphone Reihe iPhone sind auch die Tablets, iPad, und der iPod touch mit dem System ausgestattet.

Android ist das System der Open Handset Alliance (Hauptmitglied: Google) und wird auf den Geräten diverser Hersteller zur Verfügung gestellt. Android Anbieter sind beispielsweise Samsung, HTC, Sony, LG, Huawei, Google und Nokia. Jeder Hersteller hat die Möglichkeit, das Layout des Systems nach den eigenen Vorstellungen zu formen und zu verändern.

Weniger verbreitet ist das Windows Phone. Dies ist das Betriebssystem von Microsoft. Das Kachelmodell, angelehnt an die Windows 8 Version für den Computer, wird von HP, Acer, Mircosoft, Toshiba und Nokia angeboten. Aufgrund der negativen Rückmeldung wurde die Entwicklung jedoch gestoppt.

Darüber hinaus gibt es noch das System von BlackBerry OS und Symbian. Diese Systeme sind nur auf hauseigenen Geräten der Firmen verfügbar und haben nur eine sehr geringe Benutzermenge.

Im Folgenden werden nur die Systeme der Marktführer betrachtet. Die Barrierefreiheit der anderen Systeme wird nicht behandelt.


2.1. iOS System von Apple

Apple bietet für seine Nutzer ein breites Band an Bedienungshilfen an. Die Firma selbst gliedert diese in vier Kategorien:

  • Sehvermögen
  • Hörvermögen
  • Physis und Motorik
  • Lernen, Lesen, Schreiben

2.1.1. Sehen

Im Bereich des Sehvermögens bietet Apple ein Voice Over System an, welches sowohl in den hauseigenen Apps als auch in fremden Apps funktioniert. Durch viele Einstellungsmöglichkeiten lässt sich das Programm individualisieren und für Menschen mit Seheinschränkungen nutzbar machen. Darüber hinaus lassen sich Display und Schrift anpassen, z.B. vergrößert darstellen. Durch vorgelesene Bildschirminhalte oder die Diktierfunktion übernimmt das Smartphone viele alltägliche Tätigkeiten. Der integrierte persönliche Assistent „Siri“ verstärkt diese Funktionen noch zusätzlich. Durch Sprachanweisung kann dieser verschiedene Aufgaben erledigen, wie z.B. Wecker stellen, jemanden anrufen, Nachrichten verfassen und versenden oder Kalendereintragungen vornehmen etc.


2.1.2. Hören

Für hörgeschädigte Personen hat Apple in Zusammenarbeit mit Hörgeräteherstellern eine Verknüpfung zwischen Hörgerät und Smartphone hergestellt. Wenn ein Hörgerät mit dem Zusatz „made for iPhone“ versehen ist, kann dieses über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden werden. Durch zusätzliche Funktionen bietet dies Vorteile beim Telefonieren, beim Musik hören und bei Unterhaltungen in lauter Umgebung. Durch das Programm „Face Time“ wurde auch für gehörlose Personen das Telefonieren per Video-Verbindung ermöglicht, und im systemeigenen Store können Filme mit Untertitel heruntergeladen werden.


2.1.3. Steuern

Die Steuerung des Smartphones kann man durch Siri oder einer Schaltersteuerung erleichtern. Bei der Schaltersteuerung wird ein externes Gerät per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Darüber hinaus ist es möglich, die Sensibilität des Touch-Bildschirms an die individuellen Bedürfnisse anzupassen.

Um Schwierigkeiten im Bereich der Texteingabe zu reduzieren, gibt es eine Texterkennung und die Möglichkeit, eine externe Tastatur anzuschließen. Das Programm erkennt die Wörter dann schon während des Schreibens und beendet diese selbstständig.


2.1.4. Lesen und Lernen

Um das Lesen auf dem Smartphone zu erleichtern, gibt es drei verschiedene Vorlesefunktionen:

  • ganzen Bildschirm vorlesen
  • markierte Stellen vorlesen
  • einzelne Buchstaben bei der Eingabe in das Gerät

Zudem wird das Schreiben durch eine Texterkennung unterstützt. Zum geschriebenen Text werden die richtige Schreibweise sowie weitere Wörter, mit denen der Satz weitergehen könnte, vorgeschlagen. Ein installiertes Wörterbuch kann darüber hinaus die Bedeutung der Wörter erläutern.


Für Benutzer mit Autismus oder Aufmerksamkeitsstörungen gibt es einen „Geführte Zugriff“. In diesem Modus kann man einstellen, dass sich für einen bestimmten Zeitraum die App nicht wechseln lässt. Der Home-Button deaktiviert sich, wodurch  sich das Handeln auf die geöffnete App verringern lässt. Darüber hinaus können auch die Tastatur oder bestimmte Bereiche im Fenster deaktiviert werden, sodass sich die Handlung noch weiter beschränken lässt, um versehentliches Auslösen durch Berührungen zu minimieren.


2.2. Android System von Google

Google stellt den einzelnen Smartphone-Herstellern eine Standardversion von Android zur Verfügung. Bei dieser findet man unter den Bedienungshilfen verschiedene Funktionen für den barrierefreien Gebrauch, welche sich untergliedern lassen in:

  • Sprachausgabe
  • Steuerung
  • Bildschirmanpassung
  • Untertitel

2.2.1. Sprachausgabe

Die Sprachausgabe im Android System nennt sich „TalkBack“. Diese Funktion informiert über Warnmeldungen und Benachrichtigungen auf dem Smartphone. TalkBack wird in den Geräteeinstellungen aktiviert oder durch das drei Sekunden lange Drücken beider Lautstärketasten.

Wenn man nur einzelne Abschnitte bzw. Elemente vorlesen oder Bildelemente beschreiben lassen möchte, gibt es die Funktion „Vorlesen“. Durch Tippen wird ein einzelnes Element und durch Streichen werden mehrere Objekte  ausgewählt. Betätigt man nun die Wiedergabetaste, werden alle Markierungen nacheinander vorgelesen. Das Vorlesen kann man pausieren, abspielen, vor- oder zurückspulen und die Sprechgeschwindigkeit anpassen.


2.2.2. Steuerung

Alternativ zur Touchscreen Bedienung kann man das Smartphone auch über externe Schalter, Tastaturen oder Mäuse bedienen. Diese Geräte werden per USB-Kabel oder drahtlos per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Eine oder mehrere Tasten der Tastatur lassen sich einer Aktion zuordnen. Bei der Schaltersteuerung leuchten die einzelnen Auswahlpunkte auf dem Smartphone der Reihe nach auf und werden durch Betätigen des Schalters ausgewählt.

Alternativ kann auch eine Braillezeile per Bluetooth verbunden werden. Diese kann man mit „TalkBack“ kombinieren, wodurch sich Texte sprachlich oder in Braille ausgeben lassen. Das Smartphone lässt sich zudem über eine Braillezeile steuern, jedoch nur mit bestimmten Modellen. Für die Nutzung der Funktion muss eine App aus dem Store heruntergeladen werden. Eine Übersicht und Anleitung finden Sie auf der Seite des Herstellers.


2.2.3. Bildschirmanpassung

Für eine individuelle Anpassung des Bildschirms kann man Anzeige, Schriftgröße sowie Kontrast und Farboptionen verändern. Die Anpassung der Schrift und Anzeige ist erst ab Android 7.0 anwendbar, die Farb- und Kontrasteinstellungen bereits ab Version Android 5.0. Bei einer Farbkorrektur kann eine Rot-Grün-Sehschwäche sowie eine Blau-Gelb-Sehschwäche ausgeglichen werden.

Um den Bildschirm zwischenzeitlich zu vergrößern gibt es zwei Varianten. Bei dreimaligem Tippen auf den Bildschirm wird der entsprechende Ausschnitt vergrößert. Man kann nun das herangezoomte Fenster verschieben und durch Zusammen- oder Auseinanderziehen der Finger die Zoomstufe anpassen. Tippt man erneut dreimal, wird der Zoom wieder beendet. Alternativ kann das Zoomen auch über das Bedienungshilfen-Symbol ausgewählt werden. Die Navigation im Zoomfenster funktioniert auf die gleiche Weise.


2.2.4. Untertitel

Darüber hinaus lassen sich auch Untertitel aktivieren. Diese sind individuell in Sprache, Textgröße, Stil, Farbe und Hintergrund anpassbar.

Eine Sprachsteuerung ist bis jetzt nur in englischer Sprache möglich und befindet sich noch im Testvorgang.


3. Sprachausgabe bei der Inbetriebnahme des Smartphones

Für Menschen mit einer Sehbehinderung ist es besonders wichtig, dass sich die Sprachausgabe bereits im Einstellungsbildschirm selbstständig aktivieren lässt.

Beim iPhone startet das Voice Over, nachdem man drei Mal schnell hintereinander den Home-Button betätigt hat. Jedoch startet der Assistent in englischer Sprache. Im nächsten Schritt muss die Wunschsprache ausgewählt werden und der Voice Over startet in der ausgewählten Sprache automatisch neu.
Diese Methode gilt jedoch nicht für das neue Modell iPhone X, da es dort keinen Home-Button mehr gibt.

Auch TalkBack im Android Betriebssystem lässt sich im Einstellungsbildschirm starten. Ab der Betriebsversion 4.1 drückt man mit zwei Fingern gleichzeitig solange auf den Bildschirm, bis die Bewegung erkannt und TalkBack aktiviert wird. Eine Anleitung wird automatisch gestartet.

Bei älteren Android Systemen muss man mit einem Finger ein geschlossenes Rechteck auf den Bildschirm ziehen. Bei Erkennung ertönt ein Signal und die Sprachausgabe wird aktiviert.


4. Zusammenfassung

Zum Thema Barrierefreiheit von Smartphones und Tablets gibt es im Internet zahlreiche Testberichte. Bisher lag Apple immer vorne und konnte besonders durch seine einfache Bedienbarkeit, vor allem für Sehgeschädigte, punkten.

Doch Android holt auf. Das große Problem bei Android ist jedoch die Individualisierung der Benutzeroberflächen für die einzelnen Hersteller. Die Designs sind in Form, Farbe und Anordnung neu zusammensetzbar, wodurch einige vorinstallierte Programme, wie die Sprachausgabe, bestimmte Inhalte nicht erfassen können und dadurch Fehler möglich sind. Es lässt sich nur schwer im Vorfeld feststellen, ob und bei welchen Geräten dies der Fall ist. Zudem ist nicht sicher gestellt, dass alle verfügbaren Apps mit den Bedienungshilfen kompatibel sind.

Apple bietet eine sichere Verfügbarkeit von Bedienungshilfen, Android hingegen ist oft die preiswertere Alternative. Eine Entscheidung für Android kann jedoch mehr Aufwand durch Recherchen und Anfragen beim Hersteller erfordern.


5. Links in REHADAT


5.1. weiterführende Links ins REHADAT-Hilfsmittelportal


5.2. Literatur in REHADAT