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1. Förderung im Arbeitsleben

Die behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung mit technischen und barrierefreien Hilfen ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Erwerbstätigkeit von Menschen mit Behinderung oder mit drohender Behinderung zu ermöglichen und langfristig zu sichern.

Für Beschäftigte mit Behinderung oder drohender Behinderung sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gewähren die Rehabilitationsträger und das Integrationsamt finanzielle Hilfen nach folgenden Rechtsgrundlagen:

  • Rehabilitationsträger: Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (§ 49 SGB IX)
  • Rehabilitationsträger: Leistungen an Arbeitgeber (§ 50 SGB IX)
  • Integrationsamt: Begleitende Hilfe im Arbeitsleben (§ 185 SGB IX)

Die Förderleistungen für die berufliche Teilhabe, die sich auf technische Hilfen im weiteren Sinne beziehen, sind hier kurz erläutert und schließen die weiteren Unterstützungsmöglichkeiten wie personelle Arbeitsassistenz oder Eingliederungszuschüsse an dieser Stelle aus.

Zu beachten ist, dass sich alle Förderleistungen nach den Umständen des Einzelfalls richten.


2. Förderleistungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Diese Förderleistungen unterstützen Menschen mit Behinderung oder drohender Behinderung, eine Beschäftigung oder Ausbildung aufzunehmen und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.


2.1. Technische Arbeitshilfen

Technische Arbeitshilfen (§ 49 Abs. 8 Nr. 5 SGB IX, § 19 SchwbAV) können jegliches Mobiliar, Fahrzeuge, Maschinen, Software  und Werkzeug sein, die behinderungsbedingte Nachteile bei der Tätigkeit ausgleichen. Sie werden am Arbeitsplatz installiert, ausschließlich dort benutzt und sind auf die behinderungsspezifischen Bedürfnisse der Arbeitskraft abgestimmt. Diese technischen Arbeitshilfen können behinderungsgerechte Sonderanfertigungen oder handelsübliche Produkte wie Bildschirmlesegeräte, Einhandtastaturen oder elektrisch höhenverstellbare Arbeitstische sein.

Da es keine definierte Liste bewilligungsfähiger Arbeitshilfen gibt, die beispielsweise mit dem GKV-Hilfsmittelverzeichnis vergleichbar ist, gilt als Orientierung für die Leistungsbewilligung, dass die Arbeitshilfe ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt wird und eine langfristige, körperliche Einschränkung ärztlich attestiert wurde.

Die Kosten können in voller Höhe übernommen werden für

  • die Erst- und Ersatzbeschaffung,
  • die Wartung und Reparatur sowie
  • Schulungen zum Umgang mit den Arbeitshilfen.  

Hilfsmittel für den Arbeitsplatz gehören in der Regel nicht zur üblichen Arbeitsplatzausstattung. Die Beschäftigten beantragen diese technischen Arbeitshilfen infolgedessen als persönliche Einzelmaßnahme selbst und sind als Antragstellende meist Eigentümerinnen oder Eigentümer der Hilfsmittel. Bei einem Arbeitsplatzwechsel können diese technischen Arbeitshilfen in der Regel vom Beschäftigten mitgenommen werden.


2.2. Berufsbezogene Hilfsmittel

Die Leistungsträger zahlen im Regelfall nur dann Hilfsmittel, die normalerweise in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung fallen, wenn diese Hilfsmittel für die Ausübung einer speziellen Berufstätigkeit erforderlich sind, die Sicherheit auf dem Arbeitsweg und am Arbeitsplatz erhöhen, keine medizinische Leistungen darstellen und der Arbeitgeber zur Kostenübernahme nicht verpflichtet ist (siehe § 49 Abs. 8 Nr. 4 SGB IX).

So können bestimmte orthopädische Arbeitssicherheitsschuhe, die eine Arbeitskraft mit Fußbehinderung ausschließlich am Arbeitsplatz trägt, eine Leistung zur beruflichen Teilhabe sein. Dagegen gelten orthopädische Schuhe, die allgemein eine Gehbehinderung ausgleichen, als Hilfsmittel für die medizinische Rehabilitation und werden in der Regel von der Krankenkasse finanziert.


2.3. Hilfsmittel für das Kraftfahrzeug

Beschäftigte mit Behinderung können für die behinderungsbedingte Zusatzausstattung eines Kraftfahrzeuges eine vom Einkommen abhängige Kraftfahrzeughilfe erhalten, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen (z. B. Lenkradanpassungen, Karosserieumbauten). Die Förderung kann bis zur vollen Höhe der Einbau- und Reparaturkosten erfolgen (siehe § 49 SGB IX, § 20 SchwbAV i.V.m. Kraftfahrzeughilfe-Verordnung).


2.4. Hilfsmittel für die Wohnung

Die Rehabilitationsträger und das Integrationsamt erbringen Wohnungshilfen wie barrierefreie Umbauten und Installationen für die behinderungsbedingte Wohnraumanpassung in Form von Zuschüssen oder Zinszuschüssen, falls beispielsweise eine neue Wohnung aufgrund eines Jobwechsels oder einer verkehrsgünstigeren Lage ausgestattet werden muss (siehe § 49 SGB IX, § 22 SchwbAV).


2.5. Persönliches Budget - die individuelle Leistungsart

Eine alternative Leistungsform zu Sach- und Dienstleistungen ist das Persönliche Budget (siehe § 29 SGB IX). Menschen mit Behinderung oder die von einer Behinderung bedroht sind können eine Geldleistung (Budget) oder einen Gutschein beantragen, mit dem sie eigenverantwortlich ihren Hilfebedarf organisieren und "einkaufen" können. Dieses Wahlrecht soll die Selbstbestimmung stärken.

Persönliche Budgets können grundsätzlich für alle Leistungen zur Teilhabe statt Dienst- und Sachleistungen bewilligt werden, also auch für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Voraussetzung ist allerdings, dass der konkrete Hilfebedarf „alltäglich und regelmäßig wiederkehrend“ ist.

Budgetfähige Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sind auch technische Arbeitshilfen oder Kraftfahrzeughilfen.

Nicht budgetfähige Leistungen sind dagegen einmalige Maßnahmen, welche die Organisations- und Eigentumsrechte der Unternehmen betreffen. Dies sind zum Beispiel behinderungsgerechte Gestaltungen von Arbeitsräumen durch barrierefreie Zugänge oder besondere Arbeitsplatzausstattungen mit speziellen Arbeitsmitteln. Dafür erhalten die Unternehmen besondere Fördermittel.

Antrag stellen:

Das Persönliche Budget kann man bei einem der möglichen Leistungsträger (Rehabilitationsträger, Integrationsamt) beantragen. Dies gilt auch dann, wenn die Leistungen von unterschiedlichen Leistungsträgern gezahlt werden (trägerübergreifendes Persönliches Budget). Die gewählte Antragstelle muss alle weiteren Maßnahmen einleiten.

Mehr zum Persönlichen Budget erfahren Sie hier:

  • www.bag-pb.de - Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget
  • www.budget-tour.de - Informationskampagne des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung und der Länder

3. Förderleistungen für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber

Unternehmen sind zur behinderungsgerechten Gestaltung des Arbeitsplatzes verpflichtet. Sind diese Aufwendungen für Unternehmen nicht zumutbar, können sie finanziell unterstützt werden.

Für behinderungsbedingte und reguläre Investitionskosten werden Zuschüsse und/oder Darlehen bis zur vollen Höhe übernommen.

Grundsätzlich förderberechtigt sind auch Arbeitsplätze für befristet Beschäftigte sowie für Teilzeitbeschäftigte (§ 156 SGB IX, § 26 SchwbAV).

Tipp:

Neben der staatlichen Regelförderung bieten die Bundesländer regelmäßig zeitlich befristete Sonderförderprogramme für Unternehmen an.


3.1. Schaffung neuer Arbeitsplätze

Das Integrationsamt zahlt Zuschüsse und/oder Darlehen zu den allgemeinen Investitionskosten, wenn Unternehmen neue, bisher nicht vorhandene Arbeitsplätze für Menschen mit Schwerbehinderung schaffen (siehe § 15 SchwbAV). Dies ist bei einer Neueinstellung der Fall, bei einer betrieblichen Umsetzung auf einen neuen Arbeitsplatz, falls der alte wegfällt und eine Kündigung droht oder bei Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Als reguläre Investitionskosten sind die nicht behinderungsbezogenen Aufwendungen zu verstehen, die folglich auch bei der Einstellung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ohne Behinderung anfallen würden (z. B. übliche Arbeitsmittel wie Arbeitsmobiliar, Computer, Software).

Das Unternehmen soll sich aber in angemessenen Umfang an den Gesamtkosten beteiligen.


3.2. Behinderungsgerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes

Das Integrationsamt und die Rehabilitationsträger zahlen Zuschüsse und/oder Darlehen bis zur vollen Höhe der Kosten für Arbeitshilfen, wenn dies für eine dauerhafte Beschäftigung, die behinderungsgerechte Arbeitsplatzausstattung erforderlich oder das Unternehmen nicht verpflichtet ist, die Kosten der Arbeitshilfen zu übernehmen. Die Förderleistungen umfassen die Erst- und Ersatzbeschafftung, die Wartung und Instandhaltung, die Anpassung an die technische Weiterentwicklung sowie die Ausbildung im Gebrauch der technischen Arbeitshilfen.

Üblicherweise geht die Förderung fest montierter Hilfen wie barrierefreie Sanitärräume direkt an das Unternehmen. Handelt es sich um mobile, personengebundene Hilfen, kann auch die Arbeitskraft mit Behinderung die Förderung direkt erhalten.


3.3. Fördervoraussetzungen für Unternehmen

Die Förderleistungen sind grundsätzlich an bestimmte Voraussetzungen gebunden.

Stellen Unternehmen eine Person mit Schwerbehinderung neu ein, sollte eine der vorliegenden Kriterien für eine finanzielle Unterstützung erfüllt sein:

  • Einstellung ohne gesetzliche Verpflichtung (weniger als 20 Arbeitsplätze pro Monat) oder Einstellung über die Pflichtquote (5 Prozent) hinaus
  • Einstellung eines besonders betroffenen Menschen mit Schwerbehinderung, das heißt die Bewerberin oder der Bewerber mit Schwerbehinderung ist älter als 50 Jahre, benötigt eine Hilfskraft oder ist vermindert leistungsfähig (siehe § 154 Absatz 1 und § 155 SGB IX)
  • Einstellung eines Menschen mit Schwerbehinderung nach einer Arbeitslosigkeit von mehr als 12 Monaten
  • Einstellung eines Menschen mit Schwerbehinderung im Anschluss an die Beschäftigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung

Die Förderhöhe ist individuell unterschiedlich und kann sich nach folgenden Maßstäben richten:

  • Beeinträchtigungsgrad des Menschen mit Behinderung
  • aktuelle Arbeitsmarktsituation (bei drohendem Arbeitsplatzverlust)
  • Investitionskosten
  • Rationalisierungseffekt
  • Höhe der behinderungsbedingten Mehraufwendungen
  • Leistungsfähigkeit des Unternehmens

4. Welcher Leistungsträger zahlt?

Die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen für die Erbringung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben regelt das SGB IX für alle Leistungsträger. Daneben gibt es für jeden Rehabilitationsträger ein eigenes verbindliches Sozialgesetzbuch. Für die Integrationsämter gilt die Schwerbehinderten-Ausgleichabgabeverordnung (SchwbAV).


4.1. Erste Orientierung

Welcher Leistungsträger zuständig ist, richtet sich

  • nach den Sozialgesetzen,
  • nach der Ursache der Behinderung (z. B. Arbeitsunfall) und
  • nach dem Umfang der Versicherungszeiten.

Für Arbeitskräfte mit Behinderung oder drohender Behinderung, die einen Antrag auf eine persönliche Hilfeleistung stellen, leisten vorrangig die Träger der beruflichen Rehabilitation finanzielle Hilfe wie die Bundesagentur für Arbeit, die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung oder die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Das Integrationsamt leistet nachrangig zu den Rehabilitationsträgern, sofern das Gesetz nichts anderes vorschreibt, und ist im Falle einer anerkannten Schwerbehinderung oder Gleichstellung zuständig.

Für Unternehmen ist in der Regel die Bundesagentur für Arbeit bei Maßnahmen zur Erlangung eines Arbeitsplatzes oder das Integrationsamt für Beschäftigte mit anerkannter Schwerbehinderung oder Gleichstellung zuständig.

Die Rehabilitationsträger fördern in der Regel zum Erhalt der Erwerbsfähigkeit, wenn die Behinderung neu eingetreten ist oder sich der Gesundheitszustand der Arbeitskraft drastisch verschlechtert hat.

Das Integrationsamt leistet üblicherweise zur Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen.


4.2. Was tun, wenn der Leistungsträger nicht klar ist?

Der § 14 SGB IX (Leistender Rehabilitationsträger) regelt die Zuständigkeit der Leistungsträger, damit die Leistung schneller erbracht wird.

Wenn folglich unklar ist, wer der zuständige Leistungsträger ist, kann man im ersten Schritt einen Antrag auf Förderleistungen für die berufliche Teilhabe bei irgendeinem der möglichen Rehabilitationsträger oder beim Integrationsamt stellen. Diese sind verpflichtet, innerhalb einer bestimmten Frist die Zuständigkeit zu klären und über die Leistung zu entscheiden.

Mehr zur Zuständigkeit erfahren Sie hier.


4.3. Mögliche Leistungsträger

  • Träger der gesetzlichen Rentenversicherung

    Für Antragstellerinnen und Antragsteller mit 15 Jahren Wartezeit oder die eine Rente wegen (teilweise) verminderter Erwerbsfähigkeit beziehen, sind die Träger der Rentenversicherung zuständig (siehe § 16 SGB VI i. V. m. § 49 SGB IX). Die Träger der Rentenversicherung gewähren auch Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, wenn ohne diese Leistungen eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit zu leisten wäre oder wenn sie für die erfolgreiche Sicherung einer medizinischen Rehabilitation unmittelbar im Anschluss erforderlich sind. Da die Rehabilitation in der Rentenversicherung u. a. das Ziel hat, Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit abzuwenden oder hinauszuzögern ("Reha vor Rente"), können auch jüngere Versicherte ohne Erfüllung der 15 Jahre Wartezeit Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben erhalten (§ 11 Absatz 2a SGB VI).

  • Bundesagentur für Arbeit

    Für antragstellende Personen mit weniger als 15 Jahren sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und Auszubildende ist die Bundesagentur für Arbeit zuständig. Im Rahmen der beruflichen Rehabilitation ist die Bundesagentur für Arbeit auch für erwerbsfähige Hilfebedürftige mit Behinderung zuständig, die Leistungen zur Grundsicherung nach SGB II durch die Jobcenter (früher ARGEn) oder zugelassenen kommunalen Träger erhalten, sofern kein anderer Rehabilitationsträger zuständig ist (siehe SGB III).

  • Jobcenter und Optionskommunen

    Für Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld II sind die Jobcenter (früher ARGE) bzw. je nach Wohnort die optierenden Kommunen zuständig. Jobcenter sind gemeinsame Einrichtungen von Kommunen (Kreise und kreisfreie Städte) und Agenturen für Arbeit, die unter anderem das Arbeitslosengeld II auszahlen. In einigen Kommunen ist allein die Agentur für Arbeit für die Auszahlung von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld sowie für die Arbeitsvermittlung zuständig und die Kommune für die Kosten der Unterkunft. In einigen Landkreisen und kreisfreien Städten ist ausschließlich die Kommune für alle Leistungen zuständig (Optionskommune).

  • Träger der gesetzlichen Unfallversicherung

    Für die berufliche Wiedereingliederung nach Arbeits- und Wegeunfällen oder Berufskrankheiten sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zuständig. Dazu zählen die nach Branchen gegliederten Berufsgenossenschaften, die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sowie die Unfallkassen.

  • Integrationsamt / Inklusionsamt

    Integrationsämter unterstützen sowohl Beschäftigte als auch Unternehmen im Rahmen der „begleitenden Hilfe im Arbeitsleben“ durch finanzielle Hilfen aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. Außerdem beraten und informieren sie zu allen Fragen der beruflichen Teilhabe (§ 185 SGB IX). Integrationsämter erbringen nur Leistungen für Beschäftigte mit anerkannter Schwerbehinderung oder Gleichstellung, u. a. auch für Beamtinnen und Beamte sowie Selbständige, für die kein Rehaträger zuständig ist. Sie leisten nachrangig zu den Rehabilitationsträgern und den bestehenden Pflichten des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin.

    Die gesetzlichen Bestimmungen sind in der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabeverordnung näher geregelt (SchwbAV). Art und Höhe der Leistung bestimmen sich nach den Umständen des Einzelfalles (§ 15 Abs. 2 SchwbAV). Leistungen sollen nur erbracht werden, wenn sich das Unternehmen in einem angemessenen Verhältnis an den Gesamtkosten beteiligt. Die Leistungen können als Darlehen oder Zuschuss bis zur vollen Höhe gewährt werden.

    Die Leistungen des Integrationsamtes sind je nach Länderregelung teilweise auf örtliche Fürsorgestellen übertragen.

  • Träger nach dem sozialen Entschädigungsrecht

    Anspruchsberechtigt sind Menschen mit einem gesundheitlichen Schaden, für die die Gemeinschaft in besonderer Weise einsteht. Das sind z. B. Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten, Bundesgrenzschutzbeschäftigte, Opfer von Gewalttaten, Impfgeschädigte, Geschädigte infolge einer Haft aus politischen Gründen in der früheren DDR oder in bestimmten Vertreibungsgebieten. Träger der sozialen Entschädigung bei Gesundheitsschäden sind die Landesversorgungsämter, Versorgungsämter, Hauptfürsorgestellen beziehungsweise Integrationsämter (für Menschen mit Schwerbehinderung nach SGB IX Teil 2) und Fürsorgestellen für Kriegsopfer (§ 26, 26 a BVG). Kernstück des sozialen Entschädigungsrechts ist das Bundesversorgungsgesetz (BVG), auf das die anderen Gesetze als Nebengesetze Bezug nehmen (z. B. Opferentschädigungsgesetz OEG, Häftlingshilfegesetz HHG).

  • Träger der Sozialhilfe

    Menschen, die Sozialhilfe erhalten und körperlich, geistig oder seelisch wesentlich eingeschränkt sind, haben Anspruch auf Rehabilitationsleistungen der Sozialhilfe, sofern kein anderer Träger zuständig ist. Zum anspruchsberechtigten Personenkreis gehören auch Studentinnen und Studenten. Verantwortlich für die Hilfe sind die örtlichen (Landkreise, kreisfreie Städte) und überörtlichen Träger (je nach Landesrecht unterschiedlich) der Sozialhilfe: Landschaftsverbände, Landeswohlfahrtsverbände und Landessozialämter (siehe § 54 SGB XII i. V. m. § 49 SGB IX).

  • Träger der öffentlichen Jugendhilfe

    Kinder, Jugendliche und junge Volljährige bis 27 Jahre, die eine seelische Behinderung haben oder von einer Behinderung bedroht sind, haben Anspruch auf Eingliederungshilfe. Zuständig für die Leistungen sind im Wesentlichen die öffentlichen Jugendhilfeträger (Jugendämter) beziehungsweise die Kommunen (kreisfreie Städte, Landkreise), sofern kein anderer Träger zuständig ist (siehe § 86 SGB VIII, § 35 a SGB VIII).


5. Tipps zum Förderantrag

Folgende Schritte sollte man bei der Antragstellung für Förderleistungen zur beruflichen Teilhabe beachten:

Passende Maßnahme abklären:

  • Der unmittelbare Arbeitsplatz, die Arbeitsstätte und der Arbeitsweg sollten begutachtet werden.
  • Kostenlose Arbeitsplatzbegehungen bieten die technischen Beratungsdienste der Rehabilitationsträger oder der Integrationsämter an.

Unterlagen zusammenstellen:

  • Ärztliches Attest oder Entlassungsbericht der Rehabilitationsklinik über Art und Umfang der Beeinträchtigung einreichen.
  • Stellen- oder Tätigkeitsbeschreibung beifügen, um zu erkennen, ob die Einschränkung arbeitsrelevant ist.
  • In der Regel sind 3 Kostenvoranschläge für geplante Maßnahmen erforderlich (z. B. technische Hilfen, bauliche Veränderungen).

Antrag stellen:

  • Der Antrag ist vor der Anschaffung oder vor Beginn einer Maßnahme stellen, da sonst die Kosten nicht übernommen werden. Dies gilt für sowohl für Beschäftigte als auch Unternehmen.
  • Anträge können per Formular oder formlos gestellt werden.

Musteranträge

Jeder Rehabilitationsträger bzw. jedes Integrationsamt bietet Antragsvordrucke für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bzw. die begleitende Hilfe im Arbeitsleben.


6. Wer hilft weiter?

Haben Sie Fragen zur beruflichen Teilhabe, Arbeitsanpassung, Finanzierung oder Antragstellung, können Ihnen folgende Ansprechpersonen weiterhelfen. 

  • Betriebliches Integrationsteam

    Als betriebliche Interessensvertretung und unmittelbarer Ansprechpartner für Arbeitgeber und Beschäftigte mit Behinderung ist das betriebliche Integrationsteam zuständig.

    Zum Team gehört der Betriebsrat oder im öffentlichen Dienst der Personalrat, die Vertrauensperson bzw. die Schwerbehindertenvertretung (in Unternehmen mit 5 oder mehr Beschäftigten mit Schwerbehinderung) und der Inklusionsbeauftragte. Je nach Betriebsgröße können der betriebsärztliche Dienst, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Sicherheitsbeauftragten (in Unternehmen ab 20 Beschäftigten) hinzugezogen werden.

  • Technischer Beratungsdienst

    Technische Beraterinnen und Berater der Integrationsämter (Ingenieurfachdienst), der Agenturen für Arbeit (Technischer Beratungsdienst) oder der Unfallversicherung (Technischer Dienst) sind erste Kontaktpersonen bei der Auswahl, Anpassung und Entwicklung von technischen Arbeitshilfen am Arbeitsplatz. Die Technischen Beraterinnen und Berater können im Rahmen der Amtshilfe auch für andere Rehabilitationsträger, die keinen technischen Beratungsdienst haben, tätig werden und unterstützen.

  • Integrationsamt / Inklusionsamt

    Das Integrationsamt ist hauptsächlich für die Eingliederung von Menschen mit Schwerbehinderung in das Arbeitsleben zuständig. Nach § 185 SGB IX umfassen die Aufgaben des Integrationsamtes die Leistungen an Menschen mit Schwerbehinderung und Unternehmen im Rahmen der begleitenden Hilfe im Arbeitsleben, den besonderen Kündigungsschutz für Menschen mit Schwerbehinderung, Seminare und Öffentlichkeitsarbeit für das betriebliche Integrationsteam und die Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe.

    Das Integrationsamt ist besonders für Unternehmen eine wichtige Beratungsinstitution.

  • Integrationsfachdienste

    Integrationsfachdienste (IFD) beraten und unterstützen sowohl Unternehmen als auch Menschen mit Behinderung zu Fragen der Neueinstellung und Beschäftigung. Sie handeln im Auftrag der Integrationsämter, Agenturen für Arbeit oder anderer Rehabilitationsträger, die für die Ausführung der Leistung verantwortlich bleiben. Integrationsfachdienste beraten unter anderem bei Schwierigkeiten im Arbeitsverhältnis und bieten Kriseninterventionen und psychosoziale Betreuung an. Das Beratungs- und Betreuungsangebot ist in der Regel behinderungsspezifisch ausgerichtet (z. B. für Menschen mit seelischer Behinderung, Hörbehinderung oder Körperbehinderung). Der Integrationsfachdienst kann auch zur beruflichen Eingliederung von Menschen mit Behinderung, die keine Schwerbehinderung haben, tätig werden. Dabei werden die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit einer seelischen oder drohenden seelischen Behinderung berücksichtigt (§ 192 SGB IX).

  • Reha-Teams der Bundesagentur für Arbeit

    Dieser Servicedienst berät, erarbeitet individuelle Eingliederungskonzepte und entscheidet über notwendige und mögliche Leistungen, um Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung ins Berufsleben (wieder-) einzugliedern.
    Das Reha-Team wird bei seiner Arbeit durch folgende Fachdienste der Bundesagentur für Arbeit unterstützt: Ärztlicher Dienst, Psychologischer Dienst und Technischer Beratungsdienst

  • Reha-Beratung / Reha-Management (Rentenversicherung, Unfallversicherung)

    Im Rahmen des Reha-Managements beraten und unterstützen die Reha-Beraterinnen und Berater (Rentenversicherung) bzw. die Reha-Managerinnen und Reha-Manager sowie die Berufshelferinnen und Berufshelfer (Unfallversicherung) kostenlos in allen Fragen der Rehabilitation, vorrangig zum Thema Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

  • Handwerkskammern / Industrie- und Handelskammern

    Die Fach- bzw. Inklusionsberatung der Kammern unterstützen Handwerksbetriebe und Gewerbetreibende bei allen Fragen rund um die Beschäftigung von Arbeitskräften mit Behinderung: HWK-Fachberatung und IHK-Fachberatung

  • Berufsförderungswerke

    Berufsförderungswerke sind überbetriebliche Einrichtungen für die berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderung. Sie bieten Beratung, Diagnostik, Vorbereitungslehrgänge, Qualifizierung, arbeitsplatzbezogene Hilfsmittelerprobung, medizinische, psychologische und sozialpädagogische Hilfen sowie Unterstützung bei Bewerbung und Vermittlung an. Manche Berufsförderungswerke sind Spezialeinrichtungen für Menschen mit Blindheit, Sehbehinderung Schwerbehinderung. Die bundesweit regionalen Standorte finden Sie auf der Seite der Deutschen Berufsförderungswerke.

  • Berufsbildungswerke

    Die Berufsbildungswerke (BBW) sind überregionale und überbetriebliche Einrichtungen, die jungen Menschen mit Behinderung eine berufliche Erstausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen ermöglichen. Die Maßnahmen werden durch ärztliche, psychologische und pädagogische Fachkräfte begleitet. Mehr auf den Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW).

  • Ansprechpersonen in Kliniken

    Der Sozialdienst im Krankenhaus oder in der Rehabilitationsklinik berät und unterstützt in allen Fragen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation - häufig auch in psychosozialen und wirtschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit einem Klinikaufenthalt.

  • Ansprechstellen der Rehabilitationsträger

    Die Ansprechstellen informieren Leistungsberechtigte, Unternehmen und andere Rehabilitationsträger über Inhalte, Ziele und Verfahren zu Leistungen zur Teilhabe sowie über das Persönliche Budget und weitere Beratungsangebote (siehe § 12 Abs. 1 und 2 SGB IX).

  • Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB)

    Die regionalen Beratungsstellen wurden zum 1.1.2018 mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) ins Leben gerufen und sollen zu allen Fragen der Rehabilitation Teilhabe informieren (siehe § 32 SGB IX). Die Beratungsstellen sind unabhängig und ergänzen das Beratungsangebot der Rehabilitationsträger., wobei die Beratung überwiegend in Form von Peer Counseling stattfinden soll - also von Menschen, die selbst mit einer Behinderung leben.


7. Weiterführende Links