Inhalt

1. Förderung im Arbeitsleben

Um die Erwerbstätigkeit von Menschen mit Behinderung oder mit drohender Behinderung zu ermöglichen bzw. zu sichern, gibt es eine Reihe von finanziellen und personellen Förderleistungen für Menschen mit Behinderung oder drohender Behinderung sowie für Betriebe. Darunter fallen zum Beispiel finanzielle Hilfen für die behinderungsgerechte Anpassung der Arbeitsplätze und Arbeitsumgebung mit berufsbezogenen Hilfsmitteln oder technischen Arbeitshilfen.

Diese Leistungen werden durch die Rehabilitationsträger und das Integrationsamt gewährt:

  • Rehaträger: Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben für Beschäftigte (§ 49 SGB IX)
  • Rehaträger: Leistungen an Arbeitgeber (§ 50 SGB IX)
  • Integrationsamt: Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben für Menschen mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung (§ 185 SGB IX) - gelten für Beschäftigte und Arbeitgeber

2. Förderleistungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Auszubildende

Die Förderleistungen für Menschen mit Behinderung oder drohender Behinderung sollen bei der Arbeitssuche, bei der Aufnahme einer Beschäftigung und dem Erhalt des Arbeitsplatzes unterstützen.


2.1. Berufsbezogene Hilfsmittel

Die Träger der beruflichen Rehabilitation bzw. das Integrationsamt zahlen Hilfsmittel, die normalerweise in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung fallen, im Regelfall nur dann, wenn diese Hilfsmittel für die Ausübung einer speziellen Berufstätigkeit erforderlich sind (siehe § 49 Abs. 8 Nr. 4 SGB IX).

So können bestimmte orthopädische Arbeitssicherheitsschuhe, die eine Arbeitskraft mit Fußbehinderung ausschließlich am Arbeitsplatz trägt, eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben sein. Folglich ist ein Träger für die berufliche Rehabilitation (z. B. Bundesagentur für Arbeit, Rentenversicherung) oder das Integrationsamt zuständig. Dagegen sind orthopädische Schuhe, die allgemein eine Gehbehinderung ausgleichen und sowohl im Alltag als auch im Berufsleben genutzt werden, Hilfsmittel der medizinischen Rehabilitation und somit im Regelfall von der Krankenkasse zu finanzieren.

Weitere Hilfsmittel im Sinne des § 49 SGB IX könnten spezielle Hörgeräte mit Lärmschutz oder Arthrodesenstühle sein.

Dennoch gibt es hier keine allgemeingültigen Aussagen, da jeder Fall individuell zu betrachten ist.


2.2. Technische Arbeitshilfen

Technische Arbeitshilfen nach § 49 Abs. 8 Nr. 5 SGB IX bezeichnen im engeren Sinne Hilfsmittel für den Arbeitsplatz. Technische Arbeitshilfen sind Vorrichtungen und Geräte, die behinderungsbedingte Nachteile bei der Ausübung der Arbeit ausgleichen. Sie werden am Arbeitsplatz installiert, ausschließlich dort benutzt und sind auf die persönlichen Bedürfnisse der Arbeitskraft mit Behinderung abgestimmt. Technische Arbeitshilfen können behinderungsgerechte Sonderanfertigungen oder handelsübliche Produkte sein.

Beispiele:

  • Bildschirmlesegeräte
  • Einhand-Tastaturen
  • höhenverstellbare Arbeitstische  

Kann eine Arbeitskraft mit Behinderung eine bestimmte Tätigkeit nur mit diesen technischen Arbeitshilfen ausüben oder wird die Arbeit damit weniger belastend und sicherer, können die Kosten in voller Höhe übernommen werden.

Die Kostenübernahme gilt

  • für die Beschaffung,
  • für die Wartung und Reparatur,
  • für Schulungen zum Umgang mit den Arbeitshilfen.  

Die technischen Arbeitshilfen gehören nicht zur üblichen Arbeitsplatzausstattung und werden für die Beschäftigten als Einzelmaßnahme persönlich angeschafft. Die Beschäftigten sind folglich Antragstellende und in der Regel Eigentümer/innen der technischen Arbeitshilfe. Somit kann die Person die angeschaffte Arbeitshilfe bei einem Arbeitsplatzwechsel mitnehmen.

Grundsätzlich können alle technischen Arbeitshilfen gefördert werden, die der beruflichen Teilhabe dienen. Folglich gibt es keine definierte Liste bewilligungsfähiger Arbeitshilfen wie die im GKV-Hilfsmittelverzeichnis gelisteten Hilfsmittel. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist aber, dass die Arbeitshilfen ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt werden und eine langfristige, körperliche Einschränkung ärztlich attestiert wurde.


3. Förderleistungen für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber

Zu den finanziellen Leistungen für Arbeitgeber zählen u. a. Zuschüsse zur behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung durch technische oder bauliche Maßnahmen.

Beispiele:

  • Barrierefreie Toiletten oder Zugänge
  • Maschinenanlagen
  • Transportmittel

Grundsätzlich förderberechtigt sind auch Arbeitsplätze für befristet Beschäftigte sowie für Teilzeitbeschäftigte (§ 156 SGB IX, § 26 SchwbAV).

Sonderförderung:

Die Bundesländer bieten regelmäßig zeitlich befristete Sonderförderprogramme für Unternehmen an, die über die staatliche Regelförderung hinausgehen.


3.1. Neue Ausbildungs- und Arbeitsplätze

Wenn Unternehmen Menschen mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung neu einstellen oder beschäftigen, können sie Zuschüsse und/oder Darlehen bis zur vollständigen Höhe der Investitionskosten erhalten (siehe § 15 SchwbAV).

Zu den förderfähigen Kosten gehören die gesamten Investitionskosten für den neuen Arbeitsplatz, nicht nur die besonderen behinderungsbedingten Aufwendungen. 

Förderfähige Investitionskosten:

  • Alle Arbeitsmittel für einen behinderungsgerechten Arbeitsplatz wie spezielles Arbeitsmobiliar, Computersysteme, Hebegeräte oder auch nicht personengebundene technische Arbeitshilfen
  • Alle notwendigen Gestaltungsmaßnahmen für eine barrierefreie Arbeitsumgebung wie Rampen für Personen im Rollstuhl oder Toiletten für Menschen mit Behinderung
  • Wartung, Instandhaltung sowie die Anpassung der Arbeitsmittel an den Stand der Technik
  • Schulung zum Gebrauch des Arbeitsmittels

Unternehmen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um diese Förderleistungen zu erhalten. Gleichzeitig sollen sich Arbeitgeber in angemessenem Umfang an den Gesamtkosten beteiligen.

Nähere Auskünfte erteilen die Agentur für Arbeit oder das Integrationsamt.


3.1.1. Neueinstellung

Folgende Fördervoraussetzungen können bei einer Neueinstellung für Unternehmen gelten:

  • Einstellung ohne gesetzliche Verpflichtung (weniger als 20 Arbeitsplätze pro Monat) oder Einstellung über die Pflichtquote (5 Prozent) hinaus
  • Einstellung eines besonders betroffenen Menschen mit Schwerbehinderung - z. B. sich bewerbende Person mit Schwerbehinderung ist älter als 50 Jahre, benötigt eine Hilfskraft oder ist vermindert leistungsfähig (siehe § 154 Absatz 1 und § 155 SGB IX)
  • Einstellung eines Menschen mit Schwerbehinderung nach einer Arbeitslosigkeit von mehr als 12 Monaten
  • Einstellung eines Menschen mit Schwerbehinderung im Anschluss an die Beschäftigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung

Die Förderhöhe richtet sich nach

  • dem Beeinträchtigungsgrad des Menschen mit Behinderung,
  • den Investitionskosten,
  • dem Rationalisierungseffekt,
  • der Höhe der behinderungsbedingten Mehraufwendungen sowie
  • der Leistungsfähigkeit der Unternehmen.

3.1.2. Erhalt eines bestehenden Beschäftigungsverhältnisses

Wenn eine Arbeitskraft mit Behinderung die Anforderungen am bisherigen Arbeitsplatz nicht mehr erfüllen kann oder der Arbeitsplatz betriebsbedingt wegfällt und deswegen die Kündigung droht, kann die Ausstattung eines neuen Arbeitsplatzes im gleichen Unternehmen bezuschusst werden.

Förderhöhe:

  • Die Höhe der Zuschüsse ist individuell unterschiedlich.
  • Je nach Arbeitsmarktsituation kann der Zuschuss höher ausfallen, um den Arbeitsplatz zu sichern.

3.1.3. Auflagen zur Förderung

Im Falle einer Neueinstellung oder dem Erhalt des Beschäftigungsverhältnisses einer Arbeitskraft mit Schwerbehinderung gibt es für Unternehmen bestimmte Förderauflagen: 

  • Die Arbeitskraft muss für eine bestimmte Zeit beschäftigt werden (Bindungsfrist).
  • Eine eventuell notwendige Wiederbesetzung des Arbeitsplatzes mit einer Person mit Schwerbehinderung wird den Arbeitgebern mit einer angemessenen Frist zugestanden (in der Regel 6 Monate).
  • Der zuständige Kostenträger verlangt zur Absicherung der Förderung eine Sicherheit, zum Beispiel eine Bankbürgschaft oder ein Sparbuch. Diese Sicherheiten sind auch miteinander kombinierbar.

3.2. Behinderungsgerechte Anpassungen

Eine behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung baut Belastungen für die Arbeitskraft mit Behinderung ab. Dadurch sollen weitere gesundheitliche Schäden vermieden werden. Gleichzeitig soll die Arbeitsplatzgestaltung die Person mit Behinderung zur arbeitsvertraglich geforderten Arbeitsleistung führen (siehe § 49 SGB IX, § 185 Absatz 3 SGB IX i. V. m. § 26 SchwbAV, § 3a Absatz 2 ArbStättV, § 164 Absatz 4 SGB IX). 

Förderfähige Maßnahmen:

  • Behinderungsgerechte Einrichtung und Unterhaltung der Arbeitsstätten, Betriebsanlagen und Geräte
  • Einrichtung von Teilzeitarbeitsplätzen
  • Ausstattung des Arbeitsplatzes mit technischen Arbeitshilfen
  • Sonstige Maßnahmen für eine dauerhafte Beschäftigung 

Die Höhe des Zuschusses ist individuell unterschiedlich. Eine Aufstockung der Regelförderung (circa 60 Prozent) auf 100 Prozent ist bei bestimmten Voraussetzungen möglich.


4. Welcher Leistungsträger zahlt?

Die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen für die Erbringung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben regelt das SGB IX für alle Leistungsträger. Daneben gibt es für jeden Rehabilitationsträger ein eigenes Sozialgesetzbuch, an dessen gesetzliche Regelungen der Leistungserbringer gebunden ist. Für die Integrationsämter gilt die Schwerbehinderten-Ausgleichabgabeverordnung (SchwbAV).

Welcher Leistungsträger zuständig ist, richtet sich

  • nach den Sozialgesetzen,
  • nach der Ursache der Behinderung (z. B. Arbeitsunfall) und
  • nach dem Umfang der Versicherungszeiten.

Es sind folglich immer die individuellen Umstände zu betrachten.

Als grobe Orientierung für die Zuständigkeit gilt:

  • Beschäftigte: Für Arbeitskräfte mit Behinderung oder drohender Behinderung, die einen Antrag auf eine persönliche Hilfeleistung stellen, leisten vorrangig die Träger der beruflichen Rehabilitation finanzielle Hilfe, z. B. die Bundesagentur für Arbeit, die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung oder die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Das Integrationsamt leistet nachrangig zu den Reha-Trägern, sofern das Gesetz nichts anderes vorschreibt, und ist im Falle einer anerkannten Schwerbehinderung oder Gleichstellung zuständig.
  • Betriebe: Für Arbeitgeber ist in der Regel die Bundesagentur für Arbeit bei Maßnahmen zur Erlangung eines Arbeitsplatzes oder das Integrationsamt für Beschäftigte mit anerkannter Schwerbehinderung oder Gleichstellung zuständig. 

Hier sind die möglichen Kostenträger aufgeführt:

  • Träger der gesetzlichen Rentenversicherung

    Für Antragsteller/innen mit 15 Jahren Wartezeit oder die eine Rente wegen (teilweise) verminderter Erwerbsfähigkeit beziehen, sind die Träger der Rentenversicherung zuständig (siehe § 16 SGB VI i. V. m. § 49 SGB IX). Die Träger der Rentenversicherung gewähren auch Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, wenn ohne diese Leistungen eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit zu leisten wäre oder wenn sie für die erfolgreiche Sicherung einer medizinischen Rehabilitation unmittelbar im Anschluss erforderlich sind. Da die Rehabilitation in der Rentenversicherung u. a. das Ziel hat, Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit abzuwenden oder hinauszuzögern ("Reha vor Rente"), können auch jüngere Versicherte ohne Erfüllung der 15 Jahre Wartezeit Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben erhalten (§ 11 Absatz 2a SGB VI).

  • Bundesagentur für Arbeit

    Für antragstellende Personen mit weniger als 15 Jahren sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und Auszubildende ist die Bundesagentur für Arbeit zuständig. Im Rahmen der beruflichen Rehabilitation ist die Bundesagentur für Arbeit auch für erwerbsfähige Hilfebedürftige mit Behinderung zuständig, die Leistungen zur Grundsicherung nach SGB II durch die Jobcenter (früher ARGEn) oder zugelassenen kommunalen Träger erhalten, sofern kein anderer Rehabilitationsträger zuständig ist (siehe SGB III).

  • Jobcenter und Optionskommunen

    Für Empfänger von Arbeitslosengeld II sind die Jobcenter (früher ARGE) bzw. je nach Wohnort die optierenden Kommunen zuständig. Jobcenter sind gemeinsame Einrichtungen von Kommunen (Kreise und kreisfreie Städte) und Agenturen für Arbeit, die unter anderem das Arbeitslosengeld II auszahlen. In einigen Kommunen ist allein die Agentur für Arbeit für die Auszahlung von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld sowie für die Arbeitsvermittlung zuständig und die Kommune für die Kosten der Unterkunft. In einigen Landkreisen und kreisfreien Städten ist ausschließlich die Kommune für alle Leistungen zuständig (Optionskommune).

  • Träger der gesetzlichen Unfallversicherung

    Für die berufliche Wiedereingliederung nach Arbeits- und Wegeunfällen oder Berufskrankheiten sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zuständig. Dazu zählen die nach Branchen gegliederten Berufsgenossenschaften, die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sowie die Unfallkassen.

  • Integrationsamt / Inklusionsamt

    Integrationsämter unterstützen sowohl Beschäftigte als auch Unternehmen im Rahmen der „Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben“ durch finanzielle Hilfen aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. Außerdem beraten und informieren sie zu allen Fragen der beruflichen Teilhabe (§ 185 SGB IX). Integrationsämter erbringen nur Leistungen für Beschäftigte mit anerkannter Schwerbehinderung oder Gleichstellung, u. a. auch für Beamte und Selbständige, für die kein Reha-Träger zuständig ist . Sie leisten nachrangig zu den Rehabilitationsträgern und den bestehenden Pflichten des Arbeitgebers.

    Die gesetzlichen Bestimmungen sind in der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabeverordnung näher geregelt (SchwbAV). Art und Höhe der Leistung bestimmen sich nach den Umständen des Einzelfalles (§ 15 Abs. 2 SchwbAV). Leistungen sollen nur erbracht werden, wenn sich das Unternehmen in einem angemessenen Verhältnis an den Gesamtkosten beteiligt. Die Leistungen können als Darlehen oder Zuschuss bis zur vollen Höhe gewährt werden.

    Die Leistungen des Integrationsamtes sind je nach Länderregelung teilweise auf örtliche Fürsorgestellen übertragen.

  • Träger nach dem sozialen Entschädigungsrecht

    Anspruchsberechtigt sind Menschen mit einem gesundheitlichen Schaden, für den die Gemeinschaft in besonderer Weise einsteht. Das sind z. B. Bundeswehrsoldaten, Bundesgrenzschutzbeschäftigte, Zivildienstleistende, Opfer von Gewalttaten, Impfgeschädigte, Geschädigte infolge einer Haft aus politischen Gründen in der früheren DDR oder in bestimmten Vertreibungsgebieten. Träger der sozialen Entschädigung bei Gesundheitsschäden sind die Landesversorgungsämter, Versorgungsämter, Hauptfürsorgestellen beziehungsweise Integrationsämter (für Menschen mit Schwerbehinderung nach SGB IX Teil 2) und Fürsorgestellen für Kriegsopfer (§ 26, 26 a BVG). Kernstück des sozialen Entschädigungsrechts ist das Bundesversorgungsgesetz (BVG), auf das die anderen Gesetze als Nebengesetze Bezug nehmen (z. B. Opferentschädigungsgesetz OEG, Häftlingshilfegesetz HHG).

  • Träger der Sozialhilfe

    Menschen, die Sozialhilfe erhalten und körperlich, geistig oder seelisch wesentlich eingeschränkt sind, haben Anspruch auf Rehabilitationsleistungen der Sozialhilfe, sofern kein anderer Träger zuständig ist. Zum anspruchsberechtigten Personenkreis gehören auch Studierende. Verantwortlich für die Hilfe sind die örtlichen (Landkreise, kreisfreie Städte) und überörtlichen Träger (je nach Landesrecht unterschiedlich) der Sozialhilfe: Landschaftsverbände, Landeswohlfahrtsverbände und Landessozialämter (siehe § 54 SGB XII i. V. m. § 49 SGB IX).

  • Träger der öffentlichen Jugendhilfe

    Kinder, Jugendliche und junge Volljährige bis 27 Jahre, die eine seelische Behinderung haben oder von einer Behinderung bedroht sind, haben Anspruch auf Eingliederungshilfe. Zuständig für die Leistungen sind im Wesentlichen die öffentlichen Jugendhilfeträger (Jugendämter) beziehungsweise die Kommunen (kreisfreie Städte, Landkreise), sofern kein anderer Träger zuständig ist (siehe § 86 SGB VIII, § 35 a SGB VIII).


5. Tipps zum Förderantrag

Folgende Schritte sollten Antragstellende von Förderleistungen zur beruflichen Teilhabe beachten:

Passende Maßnahme abklären:

  • Der unmittelbare Arbeitsplatz, die Arbeitsstätte und der Arbeitsweg sollten begutachtet werden.
  • Kostenlose Arbeitsplatzbegehungen bieten die technischen Berater/innen der Reha-Träger oder der Integrationsämter an.

Unterlagen zusammenstellen:

  • Ärztliches Attest oder Entlassungsbericht der Rehaklinik über Art und Umfang der Beeinträchtigung
  • Stellen- oder Tätigkeitsbeschreibung beifügen, um zu erkennen, ob die Einschränkung arbeitsrelevant ist.
  • In der Regel 3 Kostenvoranschläge für geplante Maßnahmen erforderlich (z. B. Hilfsmittel, bauliche Veränderungen).

Antrag stellen:

  • Den Antrag vor der Anschaffung oder vor Beginn einer Maßnahme stellen, da sonst die Kosten nicht übernommen werden. Dies gilt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
  • Anträge können per Formular oder formlos gestellt werden.

Musteranträge

Jeder Reha-Träger bzw. jedes Integrationsamt hat Vordrucke für Anträge für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bzw. die begleitende Hilfe im Arbeitsleben.

Was tun, wenn der Leistungsträger nicht klar ist?

Damit Antragstellende bei der Klärung der Zuständigkeit entlastet und Leistungen möglichst schnell erbracht werden, gibt es die Vorschrift nach § 14 SGB IX (Leistender Rehabilitationsträger).

Wenn folglich unklar ist, wer der zuständige Leistungsträger ist, kann man im ersten Schritt einen Antrag auf Förderleistungen für die berufliche Teilhabe bei irgendeinem der möglichen Rehabilitationsträger oder beim Integrationsamt stellen. Diese sind verpflichtet, innerhalb einer bestimmten Frist die Zuständigkeit zu klären und über die Leistung zu entscheiden.

Mehr zur Zuständigkeit erfahren Sie hier.


6. Persönliches Budget - die individuelle Leistungsart

Eine alternative Leistungsform zu Sach- und Dienstleistungen ist das Persönliche Budget (siehe § 29 SGB IX). Menschen mit Behinderung oder die von einer Behinderung bedroht sind können eine Geldleistung (Budget) oder einen Gutschein beantragen, mit dem sie eigenverantwortlich ihren Hilfebedarf organisieren und "einkaufen" können. Dieses Wahlrecht soll die Selbstbestimmung stärken.

Persönliche Budgets können grundsätzlich für alle Leistungen zur Teilhabe statt Dienst- und Sachleistungen bewilligt werden, also auch für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Voraussetzung ist allerdings, dass der konkrete Hilfebedarf „alltäglich und regelmäßig wiederkehrend“ ist.

Budgetfähige Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sind:

  • Technische Arbeitshilfen, zum Beispiel eine Braillezeile für einen Beschäftigten mit Blindheit
  • Kraftfahrzeughilfen, zum Beispiel Steuerumrüstungen oder Erwerb der Fahrerlaubnis
  • Arbeitsassistenz, die mit Handreichungen am Arbeitsplatz unterstützt
  • Einarbeitungshilfen, zum Beispiel in Form eines Arbeitstrainings durch externe Fachkräfte
  • Berufliche Weiterbildung 

Nicht budgetfähige Leistungen:

  • Einmalige Maßnahmen, welche die Organisations- und Eigentumsrechte der Arbeitgeber betreffen, sind nicht budgetfähig. Dies sind zum Beispiel behinderungsgerechte Gestaltungen von Arbeitsräumen durch barrierefreie Zugänge oder besondere Arbeitsplatzausstattungen mit speziellen Hebegeräten. Dafür erhalten Arbeitgeber besondere Fördermittel.

Antrag stellen:

Das Persönliche Budget wird bei einem der möglichen Leistungsträger (Rehabilitationsträger, Integrationsamt) beantragt. Dies gilt auch dann, wenn die Leistungen von unterschiedlichen Kostenträgern gezahlt werden (trägerübergreifendes Persönliches Budget). Die gewählte Antragstelle muss alle weiteren Maßnahmen einleiten.

Mehr zum Persönlichen Budget erfahren Sie hier:

  • www.bag-pb.de - Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget
  • www.budget-tour.de - Informationskampagne des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung und der Länder

Das Budget für Arbeit (gilt seit 1.1.2018) ist die Umsetzung des Persönlichen Budgets für Beschäftigte einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) und ebenso eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben. Es umfasst einen unbefristeten Lohnkostenzuschuss an Arbeitgeber sowie eine kontinuierliche personelle Unterstützung am Arbeitsplatz.


7. Wer hilft weiter?

Haben Sie Fragen zur beruflichen Teilhabe, Arbeitsanpassung, Finanzierung oder Antragstellung, können Ihnen folgende Ansprechpartner weiterhelfen. 

  • Betriebliches Integrationsteam

    Als betriebliche Interessensvertretung und unmittelbarer Ansprechpartner für Arbeitgeber und Beschäftigte mit Behinderung ist das betriebliche Integrationsteam zuständig.

    Zum Team gehört der Betriebsrat oder im öffentlichen Dienst der Personalrat, die Vertrauensperson bzw. die Schwerbehindertenvertretung (in Unternehmen mit 5 oder mehr Beschäftigten mit Schwerbehinderung) und der Inklusionsbeauftragte. Je nach Betriebsgröße können der betriebsärztliche Dienst, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Sicherheitsbeauftragten (in Unternehmen ab 20 Beschäftigten) hinzugezogen werden.

  • Technische Beratung

    Technische Berater/innen der Integrationsämter (Ingenieurfachdienst), der Arbeitsagenturen (Technischer Beratungsdienst) oder der Unfallversicherung (Technischer Dienst) sind erste Kontaktpersonen bei der Auswahl, Anpassung und Entwicklung von technischen Arbeitshilfen am Arbeitsplatz. Die Technischen Berater/innen können im Rahmen der so genannten Amtshilfe auch für andere Rehabilitationsträger, die keinen technischen Beratungsdienst haben, tätig werden und unterstützen.

  • Integrationsamt / Inklusionsamt

    Das Integrationsamt ist hauptsächlich für die Eingliederung von Menschen mit Schwerbehinderung in das Arbeitsleben zuständig. Nach § 185 SGB IX umfassen die Aufgaben des Integrationsamtes die Leistungen an Menschen mit Schwerbehinderung und Arbeitgeber im Rahmen der Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben, der besondere Kündigungsschutz für Menschen mit Schwerbehinderung, Seminare und Öffentlichkeitsarbeit für das betriebliche Integrationsteam und die Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe.

    Das Integrationsamt ist besonders für Unternehmen eine wichtige Beratungsinstitution.

  • Integrationsfachdienste

    Integrationsfachdienste (IFD) beraten und unterstützen sowohl Unternehmen als auch Menschen mit Behinderung zu Fragen der Neueinstellung und Beschäftigung. Sie handeln im Auftrag der Integrationsämter, Agenturen für Arbeit oder anderer Rehabilitationsträger, die für die Ausführung der Leistung verantwortlich bleiben. Integrationsfachdienste beraten unter anderem bei Schwierigkeiten im Arbeitsverhältnis und bieten Kriseninterventionen und psychosoziale Betreuung an. Das Beratungs- und Betreuungsangebot ist in der Regel behinderungsspezifisch ausgerichtet (z. B. für Menschen mit seelischer Behinderung, Hörbehinderung oder Körperbehinderung). Der Integrationsfachdienst kann auch zur beruflichen Eingliederung von Menschen mit Behinderung, die keine Schwerbehinderung haben, tätig werden. Dabei werden die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit einer seelischen oder drohenden seelischen Behinderung berücksichtigt (§ 192 SGB IX).

  • Reha-Teams der Bundesagentur für Arbeit

    Dieser Servicedienst berät, erarbeitet individuelle Eingliederungskonzepte und entscheidet über notwendige und mögliche Leistungen, um Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung ins Berufsleben (wieder-) einzugliedern.
    Das Reha-Team wird bei seiner Arbeit durch folgende Fachdienste der Bundesagentur für Arbeit unterstützt: Ärztlicher Dienst, Psychologischer Dienst und Technischer Beratungsdienst

  • Reha-Beratung / Reha-Management (Rentenversicherung, Unfallversicherung)

    Im Rahmen des Reha-Managements beraten und unterstützen die Reha-Berater/innen (Rentenversicherung) bzw. die Reha-Manager/innen und Berufshelfer/innen (Unfallversicherung) kostenlos in allen Fragen der Rehabilitation, vorrangig zum Thema Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

  • Handwerkskammern / Industrie- und Handelskammern

    Die Fach- bzw. Inklusionsberatung der Kammern unterstützen Handwerksbetriebe und Gewerbetreibende bei allen Fragen rund um die Beschäftigung von Arbeitskräften mit Behinderung: HWK-Fachberatung und IHK-Fachberatung

  • Berufsförderungswerke

    Berufsförderungswerke sind überbetriebliche Einrichtungen für die berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderung. Sie bieten Beratung, Diagnostik, Vorbereitungslehrgänge, Qualifizierung, arbeitsplatzbezogene Hilfsmittelerprobung, medizinische, psychologische und sozialpädagogische Hilfen sowie Unterstützung bei Bewerbung und Vermittlung an. Manche Berufsförderungswerke sind Spezialeinrichtungen für Menschen mit Blindheit, Sehbehinderung Schwerbehinderung. Die bundesweit regionalen Standorte finden Sie auf der Seite der Deutschen Berufsförderungswerke.

  • Berufsbildungswerke

    Die Berufsbildungswerke (BBW) sind überregionale und überbetriebliche Einrichtungen, die jungen Menschen mit Behinderung eine berufliche Erstausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen ermöglichen. Die Maßnahmen werden durch ärztliche, psychologische und pädagogische Fachkräfte begleitet. Mehr auf den Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW).

  • Ansprechpersonen in Kliniken

    Der Sozialdienst (Reha-/Sozialarbeiter/innen) im Krankenhaus oder in der Rehabilitationsklinik berät und unterstützt in allen Fragen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation - häufig auch in psychosozialen und wirtschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit einem Klinikaufenthalt.

  • Ansprechstellen der Reha-Träger

    Die Ansprechstellen informieren Leistungsberechtigte, Arbeitgeber und andere Rehabilitationsträger über Inhalte, Ziele und Verfahren zu Leistungen zur Teilhabe und über das Persönliche Budget und weitere Beratungsangebote (siehe § 12 Abs. 1 und 2 SGB IX).

  • Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB)

    Die Beratung zur Rehabilitation und Teilhabe in den bundesweiten EUTB (seit 1.1.2018) erfolgt als Peer Counseling - durch Betroffene für Betroffene. 


8. Weiterführende Links