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1. Was ist Universelles Design?

Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) fordert in Artikel 2 das universelle Design von „Produkten, Umfeldern, Programmen und Dienstleistungen in der Weise, dass sie von allen Menschen möglichst weitgehend ohne eine Anpassung oder ein spezielles Design genutzt werden können. „Universelles Design“ schließt Hilfsmittel für bestimmte Gruppen von Menschen mit Behinderungen, soweit sie benötigt werden, nicht aus.“

Universelles Design ist ein Gestaltungskonzept, das die menschliche Vielfalt und den individuellen Nutzer berücksichtigt. Es geht darum, gebrauchsfreundliche und attraktive Lösungen für alle Lebensbereiche und alle potenziellen Konsumenten zu entwickeln. Das gilt genauso für Menschen mit Behinderungen wie für Menschen ohne Behinderungen.

Beispiele für Universelles Design sind standardmäßig zuschaltbare Funktionen wie Sprachausgabe und Diktierfunktion bei Handys und einfache Menüführungen, aber auch schwellenfreie Gebäudezugänge.

Wenn alle Konsumenten eine Produktlösung nutzen können, ergeben sich daraus wirtschaftliche Vorteile. Diese Lösungen sind häufig kostengünstiger als behinderungsgerechte Spezialanfertigungen. Gleichzeitig eröffnen sich neue Marktsegmente, um Alltagsprodukte an Behinderungen anzupassen - was derzeit besonders in der Informations- und Kommunikationstechnologie festzustellen ist.

Aufgrund der heterogenen Nutzerbedürfnisse und Behinderungsarten ist eine Lösung für Alle aber nicht immer möglich. Dies ist in der UN-BRK auch berücksichtigt. Danach muss das universelle Design nicht alle Funktionen eines Produktes für alle potenziellen Konsumenten nutzbar machen, wenn es in der Praxis nicht umsetzbar ist. Folglich werden künftig auch weiterhin spezielle, behinderungsgerechte Anpassungen (assistive Technologien) notwendig sein.

Universelles Design ist ein Prozess. Bei der Entwicklung neuer Hilfsmittel sollten alle weiteren Barrieren systematisch mit bedacht werden. Beispielsweise ist ein Hörgerät, das gleichzeitig gesundheitsschädlichen Lärm verstärkt, kein Produkt im Sinne des universellen Designs. Auch Bordsteinabsenkungen, die für Rollstuhlnutzer nützlich sind, können für blinde Menschen eine Barriere darstellen, da sie dadurch weniger Orientierungspunkte haben.

Durch den technologischen Fortschritt und die im Universellen Design Prozess gewonnenen Erfahrungen sind aber positive ökonomische Effekte sowie neue Zielgruppen für Hilfsmittel denkbar.


1.1. Die 7 Prinzipien des Universellen Designs

1. Breite Nutzbarkeit

Das Design ist für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten nutzbar und marktfähig, z. B. durch ebenerdige Eingänge mit automatischer Schiebetür.

2. Flexibilität in der Benutzung

Das Design unterstützt eine breite Palette individueller Vorlieben und Möglichkeiten, z. B. durch Nutzung für Rechts- und Linkshänder.

3. Einfache und intuitive Benutzung

Die Benutzung des Designs ist leicht verständlich, unabhängig von der Erfahrung, dem Wissen, den Sprachfähigkeiten oder der momentanen Konzentration des Nutzers, z. B. durch eingängige Symbole.

4. Sensorische Wahrnehmung von Informationen

Das Design stellt den Benutzer notwendige Informationen effektiv zur Verfügung, unabhängig von der Umgebungssituation oder der sensorischen Fähigkeiten der Benutzer, z. B. durch Mehr-Sinne-Prinzip (Hören-Sehen-Fühlen).

5. Fehlertoleranz

Das Design minimiert Risiken und die negativen Konsequenzen von zufälligen oder unbeabsichtigten Aktionen, z. B. durch entsprechende Warnungen.

6. Geringer körperlicher Aufwand

Das Design kann effizient und komfortabel mit einem Minimum von Ermüdung benutzt werden.

7. Größe und Platz für Zugang und Benutzung

Das Design sieht angemessene Größe und Platz für den Zugang, die Erreichbarkeit, die Manipulation und die Benutzung unabhängig von der Größe des Benutzers, seiner Haltung oder Beweglichkeit vor.

(The Center of Universal Design)


1.2. Begriffliche Abgrenzung

Häufig wird der Begriff Universelles Design in gleicher Weise mit ähnlichen Begriffen wie Design für Alle (Design for All) und Barrierefreiheit verwendet, obwohl sie eine andere Zielrichtung verfolgen.


1.2.1. Universelles Design

Der Begriff "Universelles Design" stammt ursprünglich aus den USA, "Design for All" dagegen aus Europa. Da die USA von einer individualistischen Kultur geprägt sind, soll folgerichtig jeder Einzelne das Recht auf freien Zugang zu Produkten, Dienstleistungen und Gebäuden haben. Dieser Ansatz ist wirtschaftlich- und marktorientiert.


1.2.2. Design for All

Europa als Kulturraum betont mit dem Begriff "Design for All" den integrativen Gestaltungsgedanken, indem eine Einheitlichkeit für Alle angestrebt, aber nicht erzwungen wird. Dieser Ansatz hat die Teilhabe zum Ziel.


1.2.3. Barrierefreiheit

Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) definiert Barrierefreiheit in § 4 wie folgt:

"Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“

Barrierefreiheit ist ein in Deutschland etabliertes Konzept. Es bezog sich ursprünglich auf die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und wurde später auch auf andere Zielgruppen wie ältere Menschen mit Geh- oder Seheinschränkungen oder Personen mit Kleinkindern im Kinderwagen ausgedehnt. Barrierefreie Produkte und Umgebungen sind folglich für eine möglichst große Nutzergruppe gestaltet und demnach keine Speziallösungen für Menschen mit Behinderungen wie assistive Technologien.

Universelles Design und Design for All beinhalten auch barrierefreies Design, aber im Gegensatz zur Barrierefreiheit verfolgen diese Ansätze eine stärkere Kundeneinbindung und Absatzorientierung.


1.2.4. Assistive Technologien

Assistive Technologien (engl. assistive = unterstützend) sind individuell oder für eine bestimmte Zielgruppe angefertigte oder angepasste Unterstützungshilfen. Obwohl es Speziallösungen sind, werden bei der Entwicklung dieser Hilfsmittel die Möglichkeiten der Anpassung (adaptability) und Zugänglichkeit (accessibility) von herkömmlichen Produkten mit universellem Design zur Verbesserung der funktionalen Gesundheit von Menschen mit Behinderungen berücksichtigt (z. B. Hörgeräte, Sehhilfen).


2. Universelles Design und behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung

Neben den allgemeinen arbeitsschutzrechtlichen Pflichten des Arbeitgebers § 3 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) müssen Unternehmen spezielle Auflagen erfüllen, wenn sie Menschen mit Behinderung beschäftigen. Nach § 81 Sozialgesetzbuch 9 (SGB IX) und § 3a Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) sind Arbeitgeber verpflichtet, die Arbeitsplätze behinderungsgerecht zu gestalten. Der Beschäftigte soll seine Arbeitstätigkeit ohne Belastung oder Benachteiligung ausführen können. Bei der Gestaltung sind Grundsätze der Ergonomie, Barrierefreiheit sowie individuelle, behinderungsbedingte Fähigkeiten und Bedürfnisse zu berücksichtigen (siehe Leitsätze behinderungsgerechten Gestaltens: DIN 32977 Teil 1). Universelles Design ist allerdings im Gegensatz zur Barrierefreiheit gesetzlich nicht verankert oder normiert (siehe zur Barrierefreiheit z. B. ArbStättV, DIN 18040) .

Einfach zu bedienende Arbeitsmittel und eine Arbeitsumgebung, in der sich die Beschäftigten ohne Barrieren bewegen können, fördern die Autonomie, Gesundheit und Produktivität von allen Mitarbeitern, natürlich auch von Mitarbeitern mit Behinderungen.

Obwohl Standardlösungen aufgrund des Einzelfalles nicht immer möglich sind, haben Unternehmen langfristig Kostenvorteile, wenn sie möglichst vorausschauend planen und die gesamte Belegschaft im Blick haben. Das erspart später aufwändige Anpassungen an körperliche Einschränkungen, die sich häufig im höheren Lebensalter einstellen. Konkret bedeutet diese langfristig angelegte Strategie im Sinne des universellen Designs, dass nach Möglichkeit alle Mitarbeiter mit und ohne Behinderungen die eingesetzten Arbeitsmittel problemlos nutzen können.

Um Design für Alle in der Arbeitsgestaltung zu verankern, bieten sich zunächst Lösungen an, die mit weniger Aufwand verbunden sind. Dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.

Ein schrittweises Vorgehen und Erproben empfiehlt sich anhand dieser möglichen Fragestellungen:

  • Welche Produkte sind für viele Mitarbeiter gut nutzbar und anpassbar (z. B. verstellbare Arbeitsmöbel, Software)?
  • Welche Produkte sind individuell anpassbar und ermöglichen die Nutzung von behinderungsgerechten Technologien (z. B. Smartphone mit integriertem Screenreader)?
  • Welche Produkte sind speziell für eine Behinderung entwickelt (z. B. Elektrorollstuhl)?

2.1. Produktbeispiele

Die folgenden Beispiele aus REHADAT können Anregungen für die behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung mit Arbeitsmitteln im universellem Design geben.


2.1.1. Information, Kommunikation und Umfeldsteuerung

2.1.2. Bürogeräte, Werkzeug und Transportmittel

2.1.3. Küchengeräte

2.1.4. Fenster, Türen, Treppen und Wege

2.1.5. Sanitärräume

2.1.6. Mobiliar

2.2. Weiterführende Links

Literaturhinweise:

Informationsportale:

Preise und Wettbewerbe: