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1. Wer bezahlt Bau- und Umbaumaßnahmen?

Der barrierefreie Umbau von vorhandenem Wohnraum kann mit hohen Kosten verbunden sein. Meistens müssen die Betroffenen diese Umbauten aus Eigenmitteln finanzieren. In Einzelfällen können jedoch verschiedene Kostenträger die Baumaßnahme bezuschussen. Der Staat gewährt unter Umständen günstige Darlehen und hilft mit Steuererleichterungen.

Welcher Kostenträger für einen Zuschuss infrage kommt, hängt auch von der Ursache der Behinderung ab. Die möglichen Hilfsmaßnahmen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. 

Es ist empfehlenswert, Anträge vor Beginn des Umbaus zu stellen.


1.1. Gesetzliche Unfallversicherung

Hat eine anerkannte Berufskrankheit oder ein Arbeitsunfall die Behinderung verursacht, ist der Kostenträger die gesetzliche Unfallversicherung beziehungsweise die jeweilige Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse. Gesetzliche Grundlage dafür ist § 41 SGB VII in Verbindung mit den Wohnungshilfe-Richtlinien.


1.2. Rentenversicherung / Agentur für Arbeit / Integrationsämter

Menschen mit Behinderung, die einer Arbeit nachgehen, haben grundsätzlich einen Anspruch auf die behindertengerechte Gestaltung ihres Wohnraums. Welcher Kostenträger hier zuständig ist, hängt von den geleisteten Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung ab: Wer mehr als 15 Jahre Beiträge geleistet hat, wird von seiner zuständigen Rentenversicherung unterstützt.

Bei weniger als 15 Jahren Beitragszahlung - und auch für Auszubildende - ist in der Regel die Bundesagentur für Arbeit zuständig. Ausnahmen bilden Freiberufler, Selbstständige und Beamte mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung, wenn für sie kein Rehaträger zuständig ist. Für diese Personengruppen kann das Integrationsamt unter Umständen die Kosten übernehmen. 

Die Kostenträger erbringen die Geldleistungen als Darlehen oder Zuschüsse. Es gibt Höchstgrenzen und auch das Einkommen des Antragstellers hat Einfluss auf die Höhe. Grundlage dafür sind die § 17 und § 22 der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabeverordnung (SchwbAV).


1.3. Sozial- und Grundsicherungsämter

Im Zusammenhang mit der Eingliederungs- oder Altenhilfe können auch die Sozial- und Grundsicherungsämter bei der Beschaffung von behindertengerechtem Wohnraum helfen oder den Umbau einer vorhandenen Wohnung bezuschussen. Die Ämter leisten allerdings erst dann, wenn kein anderer Kostenträger zuständig ist. Ihre Leistungen sind abhängig vom Einkommen und Vermögen der Antragsteller und werden unter Umständen nur als Darlehen vergeben. Das ergibt sich aus den Paragraphen 53 und 54 des SGB XII in Verbindung mit der Verordnung zu den Paragraphen 60, 70, 85 und 92 SGB XII.


1.4. Pflegekasse

Pflegebedürftige oder Menschen mit Behinderung, die Leistungen nach dem Pflegeversicherungsgesetz erhalten, können Umbaumaßnahmen von der Pflegekasse mit bis zu 4.000 EUR bezuschussen lassen. Der Zuschuss ist einkommensunabhängig. Leben mehrere pflegebedürftige Personen zusammen, kann ein Zuschuss von bis zu 16.000 EUR beantragt werden. Eine Maßnahme wird allerdings nur einmal gefördert, auch wenn sie mehreren Pflegebedürftigen zugutekommt und die Baumaßnahmen zeitlich auseinander liegen. Den Zuschuss kann man neu beantragen, wenn sich die Erkrankung oder Behinderung verschlechtert.

Alle Neuerungen des "Ersten Pflegestärkungsgesetzes" zum 1. Januar 2015 auf einen Blick: Pflegeleistungen


1.5. Kreditprogramm der KfW

Die bundeseigene KfW-Bankengruppe bietet in ihrem Programm Nummer 159 einen günstigen Kredit zum barrierefreien Umbau von Wohnraum an. Es können bis zu 100% der förderfähigen Investitionskosten finanziert werden, maximal aber 50.000 EUR pro Wohneinheit. Den Kredit können Privatpersonen, Wohnungsunternehmen und Wohnungsgenossenschaften sowie Mieter in Absprache mit dem Vermieter beantragen. Die Abwicklung und Auszahlung des Kredits übernimmt die jeweilige Hausbank. Der Kreditantrag muss vor Baubeginn gestellt und die Zusage abgewartet werden.


1.6. Förderprogramme der Bundesländer

Viele Bundesländer haben eigene Förderprogramme zum Hausbau oder der Sanierung von Altbauten aufgelegt. Diese finden Sie hier: www.baufoerderer.de


1.7. Steuererleichterungen

Falls keine der oben genannten Alternativen infrage kommt, bleibt immer noch die Möglichkeit, Umbaukosten als "außergewöhnliche Belastungen" in der Steuererklärung geltend zu machen. Auch hier ist es wichtig, sich vor Beginn der Umbaumaßnahmen beim eigenen Finanzamt zu erkundigen, welche Dokumente (Rechnungskopien, Behindertenausweis, Atteste etc.) dafür vorgelegt werden müssen.


2. Wer hilft weiter?

Sachverständige können bei der Maßnahmenplanung unterstützen:

Wohnberatungsstellen:

Behindertenvereine und soziale Einrichtungen in der örtlichen Umgebung helfen bei der Antragsformulierung oder vermitteln kompetente Hilfe. Viele Verbraucherberatungsstellen bieten ebenfalls einen solchen Service an: