Inhalt

1. Förderung im Arbeitsleben

Um die Erwerbstätigkeit von Menschen mit Behinderung oder mit drohender Behinderung zu ermöglichen bzw. zu sichern, gibt es eine Reihe von finanziellen und personellen Förderleistungen für Menschen mit Behinderung oder drohender Behinderung sowie für Arbeitgeber. Darunter fallen zum Beispiel finanzielle Hilfen für die behinderungsgerechte Anpassung der Arbeitsplätze und Arbeitsumgebung mit berufsbezogenen Hilfsmitteln oder technischen Arbeitshilfen.

Diese Leistungen werden durch die Rehabilitationsträger und das Integrationsamt gewährt:

  • Rehaträger: Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben für Arbeitnehmer (§ 33 SGB IX)
  • Rehaträger: Leistungen an Arbeitgeber (§ 34 SGB IX)
  • Integrationsamt: Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben für Menschen mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung (§ 102 SGB IX) - gelten für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

2. Förderleistungen für Arbeitnehmer und Auszubildende

Die Förderleistungen für Menschen mit Behinderung oder drohender Behinderung sollen bei der Arbeitssuche, bei der Aufnahme einer Beschäftigung und dem Erhalt des Arbeitsplatzes unterstützen.


2.1. Berufsbezogene Hilfsmittel

Die Träger der beruflichen Rehabilitation bzw. das Integrationsamt zahlen Hilfsmittel, die normalerweise in die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung fallen, im Regelfall nur dann, wenn diese Hilfsmittel für die Ausübung einer speziellen Berufstätigkeit erforderlich sind (siehe § 33 Abs. 8 Nr. 4 SGB IX).

So können bestimmte orthopädische Arbeitssicherheitsschuhe, die ein Arbeitnehmer mit Fußbehinderung ausschließlich am Arbeitsplatz trägt, eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben sein. Folglich ist ein Träger für die berufliche Rehabilitation (z. B. Bundesagentur für Arbeit, Rentenversicherung) oder das Integrationsamt zuständig. Dagegen sind orthopädische Schuhe, die allgemein eine Gehbehinderung ausgleichen und sowohl im Alltag als auch im Berufsleben genutzt werden, Hilfsmittel der medizinischen Rehabilitation und somit im Regelfall von der Krankenkasse zu finanzieren.

Weitere Hilfsmittel im Sinne des § 33 SGB IX könnten spezielle Hörgeräte mit Lärmschutz oder Arthrodesenstühle sein.

Dennoch gibt es hier keine allgemeingültigen Aussagen, da jeder Fall individuell zu betrachten ist.


2.2. Technische Arbeitshilfen

Technische Arbeitshilfen nach § 33 Abs. 8 Nr. 5 SGB IX bezeichnen im engeren Sinne Hilfsmittel für den Arbeitsplatz. Technische Arbeitshilfen sind Vorrichtungen und Geräte, die behinderungsbedingte Nachteile bei der Ausübung der Arbeit ausgleichen. Sie werden am Arbeitsplatz installiert, ausschließlich dort benutzt und sind auf die persönlichen Bedürfnisse des behinderten Arbeitnehmers abgestimmt. Technische Arbeitshilfen können behinderungsgerechte Sonderanfertigungen oder handelsübliche Produkte sein.

Beispiele:

  • Bildschirmlesegeräte
  • Einhand-Tastaturen
  • höhenverstellbare Arbeitstische  

Kann ein Arbeitnehmer seine Tätigkeit nur mit diesen technischen Arbeitshilfen ausüben oder wird die Arbeit damit weniger belastend und sicherer, können die Kosten in voller Höhe übernommen werden.

Die Kostenübernahme gilt

  • für die Beschaffung,
  • für die Wartung und Reparatur,
  • für Schulungen zum Umgang mit den Arbeitshilfen.  

Die technischen Arbeitshilfen gehören nicht zur üblichen Arbeitsplatzausstattung und werden für den Arbeitnehmer als Einzelmaßnahme persönlich angeschafft. Der Arbeitnehmer ist folglich Antragsteller und in der Regel Eigentümer der technischen Arbeitshilfe. Somit kann er die für ihn angeschaffte Arbeitshilfe bei einem Arbeitsplatzwechsel mitnehmen.

Grundsätzlich können alle technischen Arbeitshilfen gefördert werden, die der beruflichen Teilhabe dienen. Folglich gibt es keine definierte Liste bewilligungsfähiger Arbeitshilfen wie die im GKV-Hilfsmittelverzeichnis gelisteten Hilfsmittel. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist aber, dass die Arbeitshilfen ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt werden und eine langfristige, körperliche Einschränkung ärztlich attestiert wurde.


3. Förderleistungen für Arbeitgeber

Zu den finanziellen Leistungen für Arbeitgeber zählen u. a. Zuschüsse zur behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung durch technische oder bauliche Maßnahmen.

Beispiele:

  • Barrierefreie Toiletten oder Zugänge
  • Maschinenanlagen
  • Transportmittel

Grundsätzlich förderberechtigt sind auch Arbeitsplätze für befristet Beschäftigte sowie für Teilzeitbeschäftigte (§ 73 SGB IX, § 26 SchwbAV).

Sonderförderung:

Die Bundesländer bieten regelmäßig zeitlich befristete Sonderförderprogramme für Arbeitgeber an, die über die staatliche Regelförderung hinaus gehen.


3.1. Neue Ausbildungs- und Arbeitsplätze

Wenn Unternehmen Menschen mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung neu einstellen oder beschäftigen, können sie Zuschüsse und/oder Darlehen bis zur vollständigen Höhe der Investitionskosten erhalten (siehe § 15 SchwbAV).

Zu den förderfähigen Kosten gehören die gesamten Investitionskosten für den neuen Arbeitsplatz, nicht nur die besonderen behinderungsbedingten Aufwendungen. 

Förderfähige Investitionskosten:

  • Alle Arbeitsmittel für einen behinderungsgerechten Arbeitsplatz wie spezielles Arbeitsmobiliar, Computersysteme, Hebegeräte oder auch nicht personengebundene technische Arbeitshilfen
  • Alle notwendigen Gestaltungsmaßnahmen für eine barrierefreie Arbeitsumgebung wie Rampen für Rollstuhlfahrer oder Behindertentoiletten
  • Wartung, Instandhaltung sowie die Anpassung der Arbeitsmittel an den Stand der Technik
  • Schulung zum Gebrauch des Arbeitsmittels

Arbeitgeber müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um diese Förderleistungen zu erhalten. Gleichzeitig soll sich der Arbeitgeber in angemessenem Umfang an den Gesamtkosten beteiligen.

Nähere Auskünfte erteilen die Agentur für Arbeit oder das Integrationsamt.


3.1.1. Bei Neueinstellung

Folgende Fördervoraussetzungen können bei einer Neueinstellung für Arbeitgeber gelten:

  • Einstellung ohne gesetzliche Verpflichtung (weniger als 20 Arbeitsplätze pro Monat) oder Einstellung über die Pflichtquote (5 Prozent) hinaus
  • Einstellung eines besonders betroffenen schwerbehinderten Menschen - z. B. schwerbehinderter Bewerber ist älter als 50 Jahre, benötigt eine Hilfskraft oder ist vermindert leistungsfähig (siehe § 71 Absatz 1 und § 72 SGB IX)
  • Einstellung eines schwerbehinderten Menschen nach einer Arbeitslosigkeit von mehr als 12 Monaten
  • Einstellung eines schwerbehinderten Menschen im Anschluss an die Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen 

Die Förderhöhe richtet sich nach

  • dem Beeinträchtigungsgrad des behinderten Menschen,
  • den Investitionskosten,
  • dem Rationalisierungseffekt,
  • der Höhe der behinderungsbedingten Mehraufwendungen sowie
  • der Leistungsfähigkeit des Arbeitgebers.

3.1.2. Bei Erhalt eines Beschäftigungsverhältnisses

Wenn ein Arbeitnehmer mit Behinderung die Anforderungen am bisherigen Arbeitsplatz nicht mehr erfüllen kann oder der Arbeitsplatz betriebsbedingt wegfällt und deswegen die Kündigung droht, kann die Ausstattung eines neuen Arbeitsplatzes im gleichen Unternehmen bezuschusst werden.

Förderhöhe:

  • Die Höhe der Zuschüsse ist individuell unterschiedlich.
  • Je nach Arbeitsmarktsituation kann der Zuschuss höher ausfallen, um den Arbeitsplatz zu sichern.

3.1.3. Auflagen zur Förderung

Im Falle einer Neueinstellung oder dem Erhalt des Beschäftigungsverhältnisses eines schwerbehinderten Mitarebiters gibt es für den Arbeitgeber bestimmte Förderauflagen: 

  • Der Mitarbeiter muss für eine bestimmte Zeit beschäftigt werden (Bindungsfrist).
  • Eine eventuell notwendige Wiederbesetzung des Arbeitsplatzes mit einem schwerbehinderten Mitarbeiter wird dem Arbeitgeber mit einer angemessenen Frist zugestanden (in der Regel 6 Monate).
  • Der zuständige Kostenträger verlangt zur Absicherung der Förderung eine Sicherheit, zum Beispiel eine Bankbürgschaft oder ein Sparbuch. Diese Sicherheiten sind auch miteinander kombinierbar.

3.2. Behinderungsgerechte Anpassungen

Eine behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung baut Belastungen für den Arbeitnehmer mit Behinderung ab. Dadurch sollen weitere gesundheitliche Schäden vermieden werden. Gleichzeitig soll die Arbeitsplatzgestaltung den beeinträchtigten Arbeitnehmer zur arbeitsvertraglich geforderten Arbeitsleistung führen (siehe § 33 SGB IX, § 102 Absatz 3 SGB IX i. V. m. § 26 SchwbAV § 3a Absatz 2 ArbStättV, § 81 Absatz 4 SGB IX). 

Förderfähige Maßnahmen:

  • Behinderungsgerechte Einrichtung und Unterhaltung der Arbeitsstätten, Betriebsanlagen und Geräte
  • Einrichtung von Teilzeitarbeitsplätzen
  • Ausstattung des Arbeitsplatzes mit technischen Arbeitshilfen
  • Sonstige Maßnahmen für eine dauerhafte Beschäftigung 

Die Höhe des Zuschusses ist individuell unterschiedlich. Eine Aufstockung der Regelförderung (circa 60 Prozent) auf 100 Prozent ist bei bestimmten Voraussetzungen möglich.


4. Welcher Kostenträger zahlt?

Die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen für die Erbringung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben regelt das SGB IX für alle Kostenträger. Daneben gibt es für jeden Rehabilitationsträger ein eigenes Sozialgesetzbuch, an dessen gesetzliche Regelungen der Leistungserbringer gebunden ist. Für die Integrationsämter gilt die Schwerbehinderten-Ausgleichabgabeverordnung (SchwbAV).

Welcher Leistungsträger zuständig ist, richtet sich

  • nach den Sozialgesetzen,
  • nach der Ursache der Behinderung (z. B. Arbeitsunfall) und
  • nach dem Umfang der Versicherungszeiten.

Es sind folglich immer die individuellen Umstände zu betrachten.

Als grobe Orientierung für die Zuständigkeit gilt:

  • Arbeitnehmer: Für Arbeitnehmer mit Behinderung oder drohender Behinderung, die einen Antrag auf eine persönliche Hilfeleistung stellen, leisten vorrangig die Träger der beruflichen Rehabilitation finanzielle Hilfe, z. B. die Bundesagentur für Arbeit, die Träger der gesetzlichen Rentenversicherung oder die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Das Integrationsamt leistet nachrangig zu den Reha-Trägern, sofern das Gesetz nichts anderes vorschreibt, und ist im Falle einer anerkannten Schwerbehinderung oder Gleichstellung zuständig.
  • Arbeitgeber: Für Arbeitgeber ist in der Regel die Bundesagentur für Arbeit bei Maßnahmen zur Erlangung eines Arbeitsplatzes oder das Integrationsamt für Beschäftigte mit anerkannter Schwerbehinderung oder Gleichstellung zuständig. 

Hier sind die möglichen Kostenträger aufgeführt:

  • Träger der gesetzlichen Rentenversicherung

    Für Antragsteller mit 15 Jahren Wartezeit oder die eine Rente wegen (teilweise) verminderter Erwerbsfähigkeit beziehen, sind die Träger der Rentenversicherung zuständig (siehe § 16 SGB VI i. V. m. § 33 SGB IX). Die Träger der Rentenversicherung gewähren auch Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, wenn ohne diese Leistungen eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit zu leisten wäre oder wenn sie für die erfolgreiche Sicherung einer medizinischen Rehabilitation unmittelbar im Anschluss erforderlich sind. Da die Rehabilitation in der Rentenversicherung u.a. das Ziel hat, Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit abzuwenden oder hinauszuzögern ("Reha vor Rente"), können auch jüngere Versicherte ohne Erfüllung der 15 Jahre Wartezeit Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben erhalten (§ 11 Absatz 2a SGB VI).

  • Bundesagentur für Arbeit

    Für Antragsteller mit weniger als 15 Jahren sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und Auszubildende ist die Bundesagentur für Arbeit zuständig. Im Rahmen der beruflichen Rehabilitation ist die Bundesagentur für Arbeit auch für erwerbsfähige Hilfebedürftige mit Behinderung zuständig, die Leistungen zur Grundsicherung nach SGB II durch die Jobcenter (früher ARGEn) oder zugelassenen kommunalen Träger erhalten, sofern kein anderer Rehabilitationsträger zuständig ist (siehe SGB III).

  • Jobcenter und Optionskommunen

    Für Empfänger von Arbeitslosengeld II sind die Jobcenter (früher ARGE) bzw. je nach Wohnort die optierenden Kommunen zuständig. Jobcenter sind gemeinsame Einrichtungen von Kommunen (Kreise und kreisfreie Städte) und Agenturen für Arbeit, die unter anderem das Arbeitslosengeld II auszahlen. In einigen Kommunen ist allein die Agentur für Arbeit für die Auszahlung von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld sowie für die Arbeitsvermittlung zuständig und die Kommune für die Kosten der Unterkunft. In einigen Landkreisen und kreisfreien Städten ist ausschließlich die Kommune für alle Leistungen zuständig (Optionskommune).

  • Träger der gesetzlichen Unfallversicherung

    Für die berufliche Wiedereingliederung nach Arbeits- und Wegeunfällen oder Berufskrankheiten sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zuständig. Dazu zählen die nach Branchen gegliederten Berufsgenossenschaften, die landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften sowie die Unfallkassen.

  • Integrationsamt

    Integrationsämter unterstützen sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber im Rahmen der „Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben“ durch finanzielle Hilfen aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. Außerdem beraten und informieren sie zu allen Fragen der beruflichen Teilhabe (§ 102 SGB IX). Integrationsämter erbringen nur Leistungen für Beschäftigte mit anerkannter Schwerbehinderung oder Gleichstellung, u. a. auch für Beamte und Selbständige, für die kein Reha-Träger zuständig ist . Sie leisten nachrangig zu den Rehabilitationsträgern und den bestehenden Pflichten des Arbeitgebers.

    Die gesetzlichen Bestimmungen sind in der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabeverordnung näher geregelt (SchwbAV). Art und Höhe der Leistung bestimmen sich nach den Umständen des Einzelfalles (§ 15 Abs. 2 SchwbAV). Leistungen sollen nur erbracht werden, wenn sich der Arbeitgeber in einem angemessenen Verhältnis an den Gesamtkosten beteiligt. Die Leistungen können als Darlehen oder Zuschuss bis zur vollen Höhe gewährt werden.

    Die Leistungen des Integrationsamtes sind je nach Länderregelung teilweise auf örtliche Fürsorgestellen übertragen.

  • Träger des sozialen Entschädigungsrechts

    Anspruchsberechtigt sind Menschen mit einem gesundheitlichen Schaden, für den die Gemeinschaft in besonderer Weise einsteht. Das sind z. B. Bundeswehrsoldaten, Bundesgrenzschutzbeschäftigte, Zivildienstleistende, Opfer von Gewalttaten, Impfgeschädigte, Geschädigte infolge einer Haft aus politischen Gründen in der früheren DDR oder in bestimmten Vertreibungsgebieten. Träger der sozialen Entschädigung bei Gesundheitsschäden sind die Landesversorgungsämter, Versorgungsämter, Hauptfürsorgestellen beziehungsweise Integrationsämter (für schwerbehinderte Menschen nach SGB IX Teil 2) und Fürsorgestellen für Kriegsopfer (§ 26, 26 a BVG). Kernstück des sozialen Entschädigungsrechts ist das Bundesversorgungsgesetz (BVG), auf das die anderen Gesetze als Nebengesetze Bezug nehmen (z. B. Opferentschädigungsgesetz OEG, Häftlingshilfegesetz HHG).

  • Träger der Sozialhilfe

    Menschen, die Sozialhilfe erhalten und körperlich, geistig oder seelisch wesentlich behindert sind, haben Anspruch auf Rehabilitationsleistungen der Sozialhilfe, sofern kein anderer Träger zuständig ist. Zum anspruchsberechtigten Personenkreis gehören auch Studenten. Verantwortlich für die Hilfe sind die örtlichen (Landkreise, kreisfreie Städte) und überörtlichen Träger (je nach Landesrecht unterschiedlich) der Sozialhilfe: Landschaftsverbände, Landeswohlfahrtsverbände und Landessozialämter (siehe § 54 SGB XII i. V. m. § 33 SGB IX).

  • Träger der öffentlichen Jugendhilfe

    Kinder, Jugendliche und junge Volljährige bis 27 Jahre, die eine seelische Behinderung haben oder von einer Behinderung bedroht sind, haben Anspruch auf Eingliederungshilfe. Zuständig für die Leistungen sind im Wesentlichen die öffentlichen Jugendhilfeträger (Jugendämter) beziehungsweise die Kommunen (kreisfreie Städte, Landkreise), sofern kein anderer Träger zuständig ist (siehe § 86 SGB VIII, § 35 a SGB VIII).


5. Tipps zum Förderantrag

Folgende Schritte sollten Antragssteller von Förderleistungen zur beruflichen Teilhabe beachten:

Passende Maßnahme abklären:

  • Der unmittelbare Arbeitsplatz, die Arbeitsstätte und der Arbeitsweg sollten begutachtet werden.
  • Kostenlose Arbeitsplatzbegehungen bieten die technischen Berater der Reha-Träger oder der Integrationsämter an.

Unterlagen zusammenstellen:

  • Ärztliches Attest oder Entlassungsbericht der Rehaklinik über Art und Umfang der Beeinträchtigung
    Stellen- oder Tätigkeitsbeschreibung beifügen, um zu erkennen, ob die Einschränkung arbeitsrelevant ist.
  • In der Regel 3 Kostenvoranschläge für geplante Maßnahmen erforderlich (z. B. Hilfsmittel, bauliche Veränderungen).

Antrag stellen:

  • Den Antrag vor der Anschaffung oder vor Beginn einer Maßnahme stellen, da sonst die Kosten nicht übernommen werden. Dies gilt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
  • Anträge können per Formular oder formlos gestellt werden.

Musteranträge

Jeder Reha-Träger bzw. jedes Integrationsamt hat Vordrucke für Anträge für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bzw. die begleitende Hilfe im Arbeitsleben.

Was tun, wenn der Kostenträger nicht klar ist?

Damit Antragsteller bei der Klärung der Zuständigkeit entlastet und Leistungen möglichst schnell erbracht werden, gibt es die Vorschrift nach § 14 SGB IX (Zuständigkeitsklärung).

Wenn folglich unklar ist, wer der zuständige Kostenträger ist, kann man im ersten Schritt ein Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bei irgendeinem der möglichen Rehabilitationsträger oder beim Integrationsamt stellen. Diese sind verpflichtet, innerhalb einer bestimmten Frist die Zuständigkeit zu klären und über die Leistung zu entscheiden.

Mehr zur Zuständigkeitsklärung erfahren Sie hier.


6. Persönliches Budget - die andere Leistungsform

Eine alternative Leistungsform zu Sach- und Dienstleistungen ist das Persönliche Budget (siehe § 17 SGB IX). Menschen mit Behinderung oder die von einer Behinderung bedroht sind können eine Geldleistung (Budget) oder einen Gutschein beantragen, mit dem sie eigenverantwortlich ihren Hilfebedarf organisieren und "einkaufen" können. Dieses Wahlrecht soll die Selbstbestimmung stärken.

Persönliche Budgets können grundsätzlich für alle Leistungen zur Teilhabe statt Dienst- und Sachleistungen bewilligt werden, also auch für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Voraussetzung ist allerdings, dass der konkrete Hilfebedarf „alltäglich und regelmäßig wiederkehrend“ ist.

Budgetfähige Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sind:

  • Technische Arbeitshilfen, zum Beispiel eine Braillezeile für einen blinden Mitarbeiter
  • Kraftfahrzeughilfen, zum Beispiel Steuerumrüstungen oder Erwerb der Fahrerlaubnis
  • Arbeitsassistenz, die mit Handreichungen am Arbeitsplatz unterstützt
  • Einarbeitungshilfen, zum Beispiel in Form eines Arbeitstrainings durch externe Fachkräfte
  • Berufliche Weiterbildung 

Nicht budgetfähige Leistungen:

  • Einmalige Maßnahmen, welche die Organisations- und Eigentumsrechte des Arbeitgebers betreffen, sind nicht budgetfähig. Dies sind zum Beispiel behinderungsgerechte Gestaltungen von Arbeitsräumen durch barrierefreie Zugänge oder besondere Arbeitsplatzausstattungen mit speziellen Hebegeräten. Dafür erhält der Arbeitgeber besondere Fördermittel.

Antrag stellen:

Das Persönliche Budget wird bei einem der möglichen Leistungsträger (Rehabilitationsträger, Integrationsamt) oder bei einer Gemeinsamen Servicestelle beantragt. Dies gilt auch dann, wenn die Leistungen von unterschiedlichen Kostenträgern gezahlt werden (trägerübergreifendes Persönliches Budget). Die gewählte Antragstelle muss alle weiteren Maßnahmen einleiten.

Mehr zum Persönlichen Budget erfahren Sie hier:

  • www.bag-pb.de - Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget
  • www.budget-tour.de - Informationskampagne des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung und der Länder

7. Wer hilft weiter?

Haben Sie Fragen zur beruflichen Teilhabe, Arbeitsanpassung, Finanzierung oder Antragstellung, können Ihnen folgende Ansprechpartner weiterhelfen. 

  • Betriebliches Integrationsteam

    Als betrieblicher Interessensvertreter und unmittelbarer Ansprechpartner für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit Behinderung ist das betriebliche Integrationsteam zuständig.

    Zum Team gehört der Betriebsrat oder im öffentlichen Dienst der Personalrat, die Vertrauensperson bzw. der Schwerbehindertenvertreter (in Unternehmen mit 5 oder mehr schwerbehinderten Mitarbeitern) und der Arbeitgeberbeauftragte. Je nach Betriebsgröße können der Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und der Sicherheitsbeauftragter (in Unternehmen ab 20 Mitarbeitern) hinzugezogen werden.

  • Technische Berater

    Technische Berater der Integrationsämter (hier genannt Ingenieurfachdienst), der Arbeitsagenturen (hier genannt Technischer Beratungsdienst) oder der Unfallversicherung (hier genannt Technischer Dienst) sind erste Ansprechpartner bei der Auswahl, Anpassung und Entwicklung von technischen Arbeitshilfen am Arbeitsplatz. Die Technischen Berater können im Rahmen der so genannten Amtshilfe auch für andere Rehabilitationsträger, die keinen technischen Beratungsdienst haben, tätig werden und unterstützen.

  • Integrationsamt

    Das Integrationsamt ist hauptsächlich für die Eingliederung schwerbehinderter Menschen in das Arbeitsleben zuständig. Nach § 102 SGB IX umfassen die Aufgaben des Integrationsamtes die Leistungen an schwerbehinderte Menschen und Arbeitgeber im Rahmen der Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben, der besondere Kündigungsschutz für schwerbehinderte Menschen, Seminare und Öffentlichkeitsarbeit für das betriebliche Integrationsteam und die Erhebung und Verwendung der Ausgleichsabgabe.

    Das Integrationsamt ist besonders für Arbeitgeber eine wichtige Beratungsinstitution.

  • Integrationsfachdienste

    Integrationsfachdienste (IFD) beraten und unterstützen sowohl Arbeitgeber als auch Menschen mit Behinderung zu Fragen der Neueinstellung und Beschäftigung. Sie handeln im Auftrag der Integrationsämter, Agenturen für Arbeit oder anderer Rehabilitationsträger, die für die Ausführung der Leistung verantwortlich bleiben. Integrationsfachdienste beraten unter anderem bei Schwierigkeiten im Arbeitsverhältnis und bieten Kriseninterventionen und psychosoziale Betreuung an. Das Beratungs- und Betreuungsangebot ist in der Regel behinderungsspezifisch ausgerichtet (z. B. für seelisch behinderte Menschen, Hörgeschädigte, Körperbehinderte). Der Integrationsfachdienst kann auch zur beruflichen Eingliederung von behinderten Menschen, die nicht schwerbehindert sind, tätig werden. Dabei werden die besonderen Bedürfnisse seelisch behinderter oder von einer seelischen Behinderung bedrohter Menschen berücksichtigt (§ 109 SGB IX).

  • Reha-Teams der Bundesagentur für Arbeit

    Dieser Servicedienst berät, erarbeitet individuelle Eingliederungskonzepte und entscheidet über notwendige und mögliche Leistungen, um behinderte Jugendliche und Erwachsene ins Berufsleben (wieder-) einzugliedern.
    Das Reha-Team wird bei seiner Arbeit durch folgende Fachdienste der Bundesagentur für Arbeit unterstützt: Ärztlicher Dienst, Psychologischer Dienst und Technischer Beratungsdienst

  • Reha-Berater / Reha-Manager (Rentenversicherung, Unfallversicherung)

    Im Rahmen des Reha-Managements beraten und unterstützen die Reha-Berater (Rentenversicherung) bzw. die Reha-Manager / Berufshelfer (Unfallversicherung) kostenlos in allen Fragen der Rehabilitation, vorrangig zum Thema Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

  • Handwerkskammern / Industrie- und Handelskammern

    Die Fach- bzw. Integrationsberater der Kammern unterstützen Handwerksbetriebe und Gewerbetreibende bei allen Fragen rund um die Beschäftigung von Mitarbeitern mit Behinderung: HWK-Fachberater und IHK-Fachberater

  • Berufsförderungswerke

    Berufsförderungswerke sind überbetriebliche Einrichtungen für die berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderung. Sie bieten Beratung, Diagnostik, Vorbereitungslehrgänge, Qualifizierung, arbeitsplatzbezogene Hilfsmittelerprobung, medizinische, psychologische und sozialpädagogische Hilfen sowie Unterstützung bei Bewerbung und Vermittlung an. Manche Berufsförderungswerke sind Spezialeinrichtungen für blinde, sehbehinderte oder schwerstbehinderte Menschen. Die bundesweit regionalen Standorte finden Sie auf der Seite der Deutschen Berufsförderungswerke.

  • Berufsbildungswerke

    Die Berufsbildungswerke (BBW) sind überregionale und überbetriebliche Einrichtungen, die jungen Menschen mit Behinderung eine berufliche Erstausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen ermöglichen. Die Maßnahmen werden durch Ärzte, Psychologen und Pädagogen begleitet. Mehr auf den Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW).

  • Ansprechpartner in Kliniken

    Der Sozialdienst (Reha-/Sozialarbeiter) im Krankenhaus oder in der Rehabilitationsklinik berät und unterstützt in allen Fragen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation - häufig auch in psychosozialen und wirtschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit einem Klinikaufenthalt.

  • Gemeinsame Servicestellen

    Die trägerübergreifenden, kostenlosen Gemeinsamen Servicestellen im gesamten Bundesgebiet beraten Hilfesuchende in allen Fragen der Rehabilitation und klären auch, welcher Kostenträger zuständig ist.

    Tipp: Wenn nicht klar ist, wer für Leistungen zuständig ist, kann den Antrag bei einer Gemeinsamen Servicestelle einreichen. Diese Stellen leiten den Antrag an den entsprechenden Träger weiter. Da die Gemeinsamen Servicestellen aber keine Reha-Träger sind, gilt hier nicht die Fristenregelung nach § 14 SGB IX.


8. Weiterführende Links