Inhalt

 

1. Computer und Computerausstattung


1.1. Hardware


1.1.1. Bildschirme

Für sehbehinderte Menschen sind große Monitore wichtig  von Vorteil wie 20- bis 30-Zoll-Bildschirme. Zudem sollte man auf persönliche Einstellmöglichkeiten wie Helligkeit und Kontrast und die Reflexion achten.


1.1.2. Punktschriftdrucker

Brailledrucker stanzen die Blindenpunktschrift (Braille-Schrift) auf spezielles Papier. Das Punktschrift- bzw. Braillepapier ist wesentlich dicker und robuster als herkömmliches Papier für übliche Drucker. Auf diese Weise werden Informationen für blinde Menschen, die die Blindenpunktschrift beherrschen, lesbar (fühlbar) gemacht.

  • Wichtig ist die spezielle Papierstabilität, nur dadurch ist die Blindenschrift dauerhaft lesbar. Bei üblichem Papier wären die Blindenschriftpunkte schon nach kurzer Zeit abgenutzt und somit kaum noch ertastbar.
  • Dateien müssen für einen Blindenschriftausdruck erst bearbeitet werden. Mithilfe eines speziellen Programms werden sie in den Brailleschrift-Zeichensatz umgewandelt.
  • Die Nutzung einer Software zum Erstellen von Blindenkurzschrifttexten führt zu Papier- und Zeitersparnis beim Drucken.
  • Beachtet werden muss, ob die Konvertierungssoftware auch auf aktuellen Betriebssystemen funktioniert und ob sie die deutsche Blindenkurzschrift beherrscht.
  • Der Zeitaufwand für einen Braille-Ausdruck ist durch Konvertierung höher als beim gewöhnlichen Druck.
  • Brailledrucker gibt es in verschiedenen Preis- und Qualitätsklassen (vom Drucker in handelsüblicher Größe bis hin zum sehr großen, schweren Qualitätsdrucker mit raumfüllender Schallschutzhaube in Bodenschrankgröße).
  • Für den privaten Einsatz und bei seltener Nutzung eignen sich kleine, handliche Brailledrucker mit Einzelblattzufuhr.
  • Für Arbeitsplätze gibt es doppelseitig druckende Brailledrucker mit Endlospapier.

1.1.3. Braillezeilen

Braillezeilen werden meist als Kombination mit einem Screenreader und einer Sprachausgabe zur Arbeit am Computer genutzt. Sie zeigen den für Blinde brauchbaren Bildschirminhalt in der Blindenschrift Braille an. Mit einer Braillezeile liest man nur den Bildschirminhalt und kann keine Daten eingeben.

  • Vorteil der Braillezeile für blinde Menschen gegenüber dem Arbeiten mit Sprachausgabe ist die höhere Genauigkeit der Informationswiedergabe, z. B. bei Buchstaben-Zahlen-Kombinationen.
  • Die größeren, 80-stelligen Modelle werden an stationären Arbeitsplätzen genutzt.
  • Kleinere mobile Braillezeilen mit 12, 20 oder 40 Modulen eignen sich gut für mobiles Arbeiten z. B. mit dem Notebook.
  • Es gibt auch Notizgeräte mit integrierten Braillemodulen, welche sich wiederum als Braillezeile am Computer nutzen lassen.

1.1.4. Vorlesesysteme

Gedruckte Texte auf Papier werden durch einen Scanner erkannt. Anschließend werden diese Texte durch ein Computerprogramm in einer Datei abgelegt.

Ausstattung von Vorlesesystemen:

  • Mindestausstattung für blinde Nutzer ist eine Sprachausgabe, um sich den zuvor eingescannten Text vorlesen zu lassen.
  • Optional kann der Nutzer den Text auch mit einer Braillezeile lesen oder in Blindenschrift ausdrucken, wenn zusätzlich noch ein Punktschriftdrucker mit dem System verbunden ist.

Arten von Vorlesesystemen:

  • Geschlossene Vorlesesysteme: Kompakt gefertigte Geräte mit wenigen Tasten zur einfachen Bedienung, vor allem für Späterblindete
  • Offene Vorlesesysteme: Herkömmliche Software zum Einscannen von Texten, welche auf jedem handelsüblichen Computer in Kombination mit Screenreader und anderer blindenspezifischer Peripherie gemeinsam installiert wird

1.1.5. Großschrifttastaturen

Diese PC-Tastaturen für sehbehinderte Menschen haben größere Beschriftungen als Standardtasturen.


1.2. Software


1.2.1. Screenreader

Der Screenreader ist ein komplexes Bildschirmausleseprogramm. Die Software interpretiert die Bildschirminformationen (z. B. Texte, Grafiken, die Bedeutung eines grafischen Symbols, die aktuelle Eingabe/Cursorposition oder den Bildschirmaufbau) und gibt sie an Ausgabemedien wie Braillezeilen und Sprachausgaben weiter. Eine synthetische Stimme „liest“ dem blinden Nutzer den Bildschirminhalt vor. 

Nicht jedes Computerprogramm lässt sich mit einem Screenreader bedienen. Ursache für eine schlechte Anpassung können u. a. mangelhafte Software sein. Eine Anwenderschulung ist empfehlenswert.


1.2.2. Vergrößerungssoftware

Für Sehbehinderte gibt es Bildschirmvergrößerungsprogramme.


1.2.3. Sprachausgaben

Sprachausgaben setzen digitalisierten Text in Sprache um. Sie lesen den auf dem Bildschirm sichtbaren Text vor. Eine Sprachausgabe ist fester Bestandteil eines Screenreaders oder Vorlesesystems.

  • Sprachgeschwindigkeit, Lautstärke, Tonhöhe und Satzmelodie lassen sich individuell einstellen.
  • Es gibt Sprachausgaben als eigenständige Software (z. B. zur Umwandlung von Text auf dem Computerbildschirm oder Display eines Smartphones in Sprache, Vorlesen von SMS und E-Mails auf einem Handy). Solche standardisierten Ansage-/Vorlese-Funktionen werden nicht speziell für sehgeschädigte Menschen entwickelt. Oft sind sie für mobile Nutzer, z. B. Autofahrer, vorgesehen.
  • Reine Sprachausgabesysteme können sehbehinderten Menschen helfen, vollblinden Nutzern hingegen oft nicht. Erst der Screenreader als Brückensoftware zu grafischen Bedienoberflächen ermöglicht die Blinden-Computerarbeit. Er zeigt jeweilige Menübefehle an und unterstützt die Orientierung auf dem Bildschirm. Dies kann eine Sprachausgabe nicht. Deshalb ist die Sprachausgabe kein Screenreader-Ersatz.

1.2.4. Schrifterkennungssoftware und Spracherkennungssoftware
  • Adaptierte Schrifterkennungsprogramme können blinde Menschen nutzen, um Printdokumente über einen Scanner zu übertragen oder das Schriftbild einer Textgrafik, beispielsweise von PDF-Dateien, einzuscannen.
  • Spracherkennungsprogramme können blinde und sehbehinderte Menschen nutzen, um Texte zu diktieren oder Geräte zu steuern, was häufig schneller als die Tastaturbedienung ist.

1.2.5. Apps

Für mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets gibt es Anwendungen, die auch für blinde und sehbehinderte Menschen hilfreich sind.

Weitere Informationen zu Apps erhalten Sie hier:


1.2.6. Sonstige Software für sehbehinderte Menschen

Für sehbehinderte Menschen werden in unterschiedlichsten Bereichen spezielle Programme entwickelt, die den Arbeitsalltag erleichtern sollen. Sie zeichnen sich vor allem durch reine Tastaturbedienbarkeit (direkte Eingabekommandos und Menüs) aus.

Die Palette reicht vom barrierefreien Währungsumrechner über E-Mail-Clients bis hin zu barrierefreier Datenbank-Software oder Verwaltungsprogrammen für elektronische Akten und anderen Dokumentenmanagementsystemen.


2. Vergrößernde Sehhilfen

Vergrößernde Sehhilfen unterstützen sehbehinderte Menschen beim Lesen und bei der räumlichen Orientierung, wenn Brillen oder Kontaktlinsen nicht ausreichen. Welcher Vergrößerungsbedarf im Einzelnen sinnvoll ist, muss beim Augenoptiker geklärt und getestet werden. Allgemein gilt: Je höher die Vergrößerung, desto kleiner wird der vergrößert dargestellte Bildausschnitt.


2.1. Optisch vergrößernde Sehhilfen

Hierzu zählen Lupenbrillen und Lupen, Fernrohrbrillen und Fernrohrlupenbrillen, Fernrohre und Ferngläser.

  • Standlupen oder Umhängelupen sind für hauswirtschaftliche / handwerkliche Arbeiten sinnvoll (z. B. Gemüseputzen).
  • Handlupen mit verschiedenen Vergrößerungsfaktoren sind vor allem für das Ablesen von Geräte-Displays oder Lesen von Printmedien geeignet.
  • Leuchtlupen eignen sich zum Lesen größerer Printmedien wie Zeitungen oder Bücher. Standleuchtlupen lassen sich auf den zu lesenden Textabschnitt setzen und dort zeilenweise verschieben. Dies ermöglicht ein bequemes Lesen, da die Lupe nicht die ganze Zeit in der Hand gehalten werden muss.
  • Lupenbrillen erleichtern das Lesen von Verpackungsaufschriften oder Bedien-Schaltflächen an Geräten. Die Gewöhnung an kurze, unveränderbare Leseentfernung muss trainiert werden.
  • Fernrohrbrillen ermöglichen sehbehinderten Menschen das Anschauen von Filmen am Bildschirm mit großem Abstand, ohne dass sie zu nah am Gerät sitzen und anderen Zuschauern die Sicht versperren. Zu beachten ist das schwerere Gewicht der Brille und eine ruhige Kopfhaltung.
  • Fernrohrlupenbrillen (Fernrohrbrille mit Aufstecklupe) können den Lesefluss erleichtern.
  • Visolettlupen (Lesesteine) helfen vor allem Kindern beim Lesen und Betrachten von Lehrmatrial.
  • Großbildlupen werden vor dem Fernsehbildschirm gesetzt und vergrößern das Fernsehbild.

Hinweise bei einem Sehrest von etwa 10 Prozent:

  • Monokulare (Taschenfernrohre) vereinfachen die Orientierung in unbekannter Umgebung (Lesen von Straßenschildern, Ansichts- oder Fahrplänen an Bahnhöfen)
  • Brillen mit Filtergläsern sind teilweise für blendempfindliche Menschen geeignet, da blendfreies und kontrastverstärktes Sehen ermöglicht wird (keine Vergrößerung)

2.2. Elektronisch vergrößernde Sehhilfen

Reicht die Versorgung mit optischen Hilfsmitteln nicht mehr aus, können elektronische Hilfsmittel eingesetzt werden.


2.2.1. Bildschirmlesegeräte

Eine Kamera nimmt einen Ausschnitt eines Schriftstückes auf und bringt ihn vergrößert auf einen Monitor. Die Vergrößerungsstufen sind deutlich höher als bei optischen Hilfen.

  • Größere Bildschirmlesegeräte stehen meist stationär auf dem Tisch.
  • Es gibt Kameralesegeräte zur vergrößernden Betrachtung von Tafeln in Schulklassenzimmern, Seminarräumen oder Powerpoint-Präsentationen.
  • Software zur Vergrößerung des Computerbildschirms lässt sich in vielfacher Weise mit Lesegerätbestandteilen wie einer Kamera kombinieren, so dass die Großschriftsoftware sowohl erfasste Kamerabilder als auch sämtliche Daten der Computerprogramme vergrößert.

2.2.2. Elektronische Lupen

Elektronische Lupen sind kleine Bildschirmlesegeräte im Taschenformat, die sich für unterwegs eignen und daher mit Akkus betrieben werden.


3. Telefonieren


3.1. Mobilnetztelefone für blinde Menschen

Für Blinde gibt es Handys mit speziellen Tasten und einfachen Bedienfunktionen. Diese funktionieren meist mit einem mobilen Screenreader, welcher wahlweise Sprachausgabe oder Braillezeilen als Ausgabemedium nutzen kann.

Merkmale von Handys für Menschen mit Behinderung:

  • große Tasten bei motorischen Problemen oder Sehbehinderungen
  • einfache Bedienfunktionen
  • Notruftasten
  • Sprachausgabe und Sprachsteuerung der Displayinhalte für blinde Menschen
  • Anschlussmöglichkeiten für Braillezeilen
  • Installation von Zusatzsoftware für blinde und sehbehinderte Menschen ist möglich
  • Ortungsmöglichkeit

Eine Alternative für blinde oder stark sehbehinderte Menschen ist eine Vergrößerungs- oder Sprachausgabesoftware (speziell für mobile Endgeräte entwickelte Screenreader/Großschriftsoftware) mit Anbindung von Braillezeilen. Damit werden handelsübliche Modelle komplett bedienbar. 

Beim Kauf dieser Software sollte Folgendes beachtet werden:

  • Der Händler muss die Kompatibilität zwischen Software und Handy-Modellen prüfen (exakte Modell-Bezeichnung von Handy und Software-Versionsnummer entscheidend).
  • Abklären, mit welchen Braillezeilen-Modellen die Software zusammenarbeitet
  • Bietet ein Braillezeilenhersteller einen Brailletreiber für bestimmte Modellreihen/Serien an, gibt es meist eine Auswahl von Braillezeilen unterschiedlicher Größen. Diese werden mit dem Handy per Bluetooth verbunden.

Handy-Zusatzsoftware für blinde Menschen:

  • Texterkennungs- und Barcodeleseprogramme als Einkaufshilfe
  • Navigationsprogramme oder DAISY-Spieler und Farberkennungssoftware

3.2. Festnetztelefone und Anrufbeantworter

Spezielle Merkmale der Geräte können u. a. sein:

  • große Tasten
  • Sprachsteuerung oder Bedienung mit Fernsteuerung
  • Sprachausgaben in Teilbereichen, die eingehende Anrufe und Anruflisten vorliest
  • einfache Bedienfunktionen
  • Tasten mit Blindenschrift
  • Notruftasten
  • gut lesbare Displays

Speziell installierbare Sprach- oder Großschriftsoftware für Festnetztelefone gibt es nicht.


4. Hören und Lesen


4.1. Audio-Abspielgeräte (DAISY-Player)

Das speziell für blinde Menschen entwickelte Dateiformat DAISY ist ein Audio- und Textausgabeformat.

  • Eine DAISY-CD bzw. DAISY-Datei (auch auf allen weiteren gängigen Speichermedien ablegbar) kann sowohl navigierbare Inhalte als Sprachdatei (MP3) wie auch im Braille-Format enthalten. Einzelne Kapitel oder Überschriften können angewählt und noch einmal vorgelesen werden. Ebenfalls können die Länge eines Buches, die abgelaufene und die verbleibende Spielzeit der CD angesagt werden.
  • DAISY-CDs können mit speziellen DAISY-Abspielgeräten (DAISY-Player) angehört und navigiert werden, sofern es sich um reine Sprachdateien handelt.
  • Computerprogramme zum Auslesen von DAISY-Dateien können vorhandene Sprachdateien abspielen und darüber hinaus die Textdateien auf der Braillezeile per Screenreader wiedergeben, welche zuvor über die spezielle DAISY-Navigationsstruktur aufgerufen werden können.
  • Das DAISY-Format hat mittlerweile Kassettenausgaben aller Blindenhörbüchereien abgelöst. Dies gilt auch für blindenspezifische Hör-Zeitschriften, die ihren Abonnenten per Download-Link als DAISY-Datei teilweise zugeschickt werden.

4.2. Lesegeräte (E-Book-Reader)

E-Books sind digitale Bücher. Sie können auf klassischen Computern sowie mobilen Endgeräten wie Tablets, Smartphones oder E-Book-Readern gelesen werden. E-Book-Reader sind einfach zu bedienen, haben eine große Speicherkapazität und verschiedene Funktionen, wodurch sie für Menschen mit Behinderung eine gute Alternative zu gedruckten Ausgaben bieten.

Tipps zur Geräteauswahl für Menschen mit Sehbehinderung:

  • Sprachausgabe: Manche Reader haben eine eingebaute Sprachausgabe (Text to Speech). Jeder Nutzer kann sich somit bei Bedarf auch ein komplettes E-Book automatisch vorlesen lassen.
  • Seitenformat: Eine Darstellung im Querformat durch Drehen des Geräts um 90 Grad kann das Lesen erleichtern.
  • Schriftvergrößerung: Je nach Grad der Sehbehinderung muss getestet werden, ob der Zoom einer Seite unabhängig von der reinen Schriftvergrößerung einstellbar und die höchste Stufe bei der Einstellung ausreichend ist.
  • Umblätterzeit: Ein Gerät mit schneller Umblätterzeit ist aufgrund der Schriftvergrößerung sinnvoll.
    Betrachtungswinkel: Maximale Betrachtungswinkel (als Richtwert 178 Grad) vermeiden Bildverzerrungen und Anzeigeverluste, wenn der Nutzer das Gerät schräg hält. Nicht alle Hersteller geben jedoch die maximalen Betrachtungswinkel an.
  • Beleuchtung: Der Nutzer sollte die Ablesbarkeit mit und ohne Beleuchtung vergleichen. Die meisten Geräte verfügen über blendfreie E-Ink-Displays. Sinnvoll ist eine stufenlos einstellbare Displayhelligkeit.
  • Auflösung: Empfehlenswert sind Auflösungen von 1024 x 158 Pixeln oder 1440 x1080 bei Displaygrößen zwischen 6 und 7 Zoll. Je höher die Auflösung, desto schärfer die Schrift. Dies ist allerdings immer in Relation zur Displaygröße zu sehen. Mit wachsender Displaydiagonale wird bei gleichbleibender Auflösung die Abbildleistung unscharf.
  • Kontrast: Es sollten 16 Graustufen vorhanden sein. Der Hintergrund sollte im Normalfall so hell wie möglich und mit kräftiger, schwarzer Schrift eingestellt sein.

5. Zeichnen und Schreiben


5.1. Lineale, Zeichengeräte, Schablonen und Schreibtafeln

  • Mit Hilfe einer speziellen Zeichenfolie können blinde Menschen selbst ertastbare Zeichnungen mit einem Bleistift anfertigen und dabei geometrische Werkzeuge wie Lineale, einen Zirkel, Geodreieck oder Winkelmesser verwenden. Auf den Zeichengeräten werden die Maßeinheiten als erhabene Punkte dargestellt.
  • Schablonen und Schreibtafeln sind für Schreibschrift („Schwarzschrift“) geeignet und können blinden Menschen die Handführung beim Schreiben erleichtern. Einzeilige, kleine Unterschriftschablonen eignen sich für den Transport im Portemonnaie, Brieftasche usw. Schreibtafeln ermöglichen zeilenweises Schreiben und werden im DIN A4-Format hergestellt.


5.2. Schreibmaschinen und Schreibgeräte für Braille-Schrift

Hierzu zählen Schreibmaschinen für blinde Menschen in Brailleschrift sowie Griffel und Schreibtafeln, die das Schreiben von Brailleschrift mit der Hand erleichtern.

  • Mechanische Blindenschriftschreibmaschinen verfügen über eine Tastatur für 6-Punkt-Brailleschrift.
  • Elektronische Blindenschriftschreibmaschinen haben gegebenenfalls zwei weitere Tasten zum Schreiben von 8-Punkt-Computerbrailleschrift.
  • Schreibtafeln gibt es in unterschiedlichen Zeilenlängen und Zeilenanzahl, von der kleinen 4-6-Zeiligen Tafel bis hin zur DIN A4-Punktschrifttafel: Mit Hilfe eines spitzen Griffels werden die Punkte seitenverkehrt von der Rückseite des Blattes aus ins Papier gedrückt. Jedes Buchstaben/Zeichenfeld bietet Platz für ausschließlich 6 Punkte, wodurch der korrekte Abstand zwischen 2 Buchstaben/zwei Zeilen genau eingehalten wird (für blinde Menschen besonders wichtig).

6. Mobilitätshilfen und Orientierungshilfen


6.1. Blindenstöcke

Die wichtigste Mobilitätshilfe für blinde Menschen ist der weiße Langstock:

  • Blindenstöcke, auch Langstöcke genannt, ermöglichen blinden Menschen eine Orientierung, wenn sie zu Fuß unterwegs sind.
  • Mit einem Blindenstock werden Veränderungen des Untergrundes, Hindernisse sowie Bordsteine und Treppen rechtzeitig erkannt. Der blinde Mensch erhält über die Spitze des Blindenstockes eine Rückmeldung darüber, was sich vor ihm befindet.
  • Darüber hinaus dient ein Blindenstock, der immer weiß ist, als Erkennungszeichen für andere Verkehrsteilnehmer wie beispielsweise Autofahrer.

6.2. Elektronische Mobilitätshilfen

Elektronische Navigationssysteme für Blinde können die Orientierung erleichtern. Voraussetzung ist, dass die satellitengestützte Navigation präzise Informationen über Straßenverläufe, Hausnummern usw. liefert. Solange sind der Langstock und ein entsprechendes Mobilitätstraining für vollblinde Menschen unersetzbar.


6.3. Orientierungshilfen für Außen- und Innenbereich

  • Visuelle Orientierungs- und Bodenmaterialien (durch Sehen) durch Markierungen und Kontraste: z. B. kontrastreiche Bodenindikatoren oder sehbehindertengerechte Beschriftungen / Schilder / Markierungen an Gebäudewänden, Treppen, Fahrzeugen, Schaltern und Geräte-Einstellungen
  • Taktile Orientierungs- und Bodenmaterialien (durch Berühren): z. B. Bodenindikatoren auf Bahnsteigen oder an Straßenüberquerungen wie etwa Rillenplatten als Leitstreifen oder Noppenplatten als Aufmerksamkeitsfelder
  • Akustische Orientierungshilfen (durch Tongeneratoren): z. B. akustische Ampeln
  • Kompasse oder taktile Landkarten dienen als Ergänzung zum Langstock und Navigationsgerät

6.4. Persönliche Kennzeichnungen

Blinde und sehbehinderte Menschen, die ohne sehende Begleitung unterwegs sind, müssen sich aus Sicherheitsgründen nach § 2 der Straßenverkehrsordnung im Straßenverkehr kennzeichnen. Kennzeichnungen helfen Autofahrern und anderen Verkehrsteilnehmern, sich adäquat zu verhalten.

  • Das Tragen einer gelben Armbinde mit drei schwarzen Punkten am Oberarm ist ein Schutzzeichen.
  • Das Tragen eines Buttons allein (z. B. in Form einer Art Brosche an der Jacke in Brusthöhe) reicht im Straßenverkehr nicht aus. Solch ein Button ist eher hilfreich, um beispielsweise Busfahrer, Verkäufer, Arzthelfer oder Passanten auf die Seheinschränkung aufmerksam zu machen.
  • Es gibt spezielle Badekappen zur Kennzeichnung blinder Menschen beim Schwimmen.

7. Alltag, Haushalt und Freizeit

Wichtig sind spezielle Alltagsgegenstände mit besonders großen Zahlen oder Buchstaben (z. B. Kalender, Uhren, Kartenspiele). Manche Alltagshilfen funktionieren über Ansagen wie sprechende Uhren, Küchenwaagen, Taschenrechner etc.


7.1. Uhren und Wecker / Zeitmessgeräte

Erhältlich sind Tisch- und Wanduhren, Kurzzeitmesser, Küchenuhren, Armbanduhren, Wecker, Funkwecker, Schachuhren sowie Zeitschaltuhren.

  • Für blinde Menschen gibt es einfache Uhren mit Klappdeckel, bei denen die Uhrzeit durch taktile Markierungspunkte auf dem Ziffernblatt  abgelesen wird.
  • Sprechende Uhren verfügen über eine eingebaute Weckfunktion, stündliche automatische Zeitansage und Stoppfunktion. Solche Modelle gibt es als Armbanduhren oder Tischwecker (mittlerweile auch mehrere Modelle mit Funkuhr).

7.2. Taschenrechner

Taschenrechner mit großen Tasten oder mit Sprachausgabe ermöglichen einfaches Rechnen für Blinde. Jede Funktion wird unmittelbar nach dem Drücken einer Taste angesagt.


7.3. Schablonen zum Erkennen von Geldscheinen

Der Wert von Euro-Geldscheinen kann mithilfe einer Mess-Schiene (Schablone) von blinden Menschen bestimmt werden.


7.4. Hilfsmittel für den Haushalt

Viele im Handel erhältliche Haushaltsgeräte sind aus Design- oder Kostengründen so gestaltet, dass es für sehbehinderte Menschen schwierig ist, Positions- und Funktionsanzeigen zu erkennen oder zu ertasten. Es gibt aber zahlreiche Hilfsmittel, die viele Tätigkeiten im Haushalt erleichtern.

  • Elektronische Geräte in diesem Bereich sind z. B. Mikrowellen mit sprachgesteuerter Bedienführung, Bügeleisen mit tastbaren Markierungen für Dampfstärke und Temperatur sowie Küchenwaagen mit Sprachausgabe.
  • Kleine Haushaltshilfsmittel gibt es in Form von sprechenden Messbechern, Messbechern mit tastbarer Messeinteilung (sowohl von innen, als auch von außen) oder Füllstandsanzeiger für Gefäße, die einen Piepton bei Erreichen der vorher eingestellten Füllhöhe und einen Dauer-Warnton vor dem Überlaufen abgeben.
  • Für das Wäsche-Sortieren gibt es Sockenhalter, die Strümpfe paarweise zusammenhalten - auch beim Wäschewaschen. 
  • Farberkennungsgeräte mit Sprachausgabe ermöglichen Menschen, die Farben nicht oder nur sehr eingeschränkt wahrnehmen, selbstständig Farben zu unterscheiden (z. B. für die Auswahl der Kleidung) Das Gerät wird an den Gegenstand gehalten und sagt nach einem Tastendruck die jeweilige Farbe an.
  • Ein Markierungs- und Erkennungsgerät ermöglicht es, Lebensmittel oder auch andere Gegenstände aller Art (Schriftstücke, Aktenordner, Bücher, CDs) für blinde Menschen zu kennzeichnen. Ein RFID-Chip wird mit dem Begriff des Gegenstandes, auf welchen es anschließend geklebt wird, „besprochen“. Nachdem einem bestimmten Chip per Aufsprache über ein Mikrofon im RFID-Erkennungsgerät der Name des Gegenstands zugeordnet wurde, erkennt das Gerät beim Suchen des Gegenstands den vorhandenen Chip wieder und gibt über einen Lautsprecher den zugeordneten Begriff wieder. Das gesuchte Objekt wird durch den Datenabgleich wiedererkannt. Solche Etiketten sind kälte- und hitzebeständig sowie waschmaschinenfest und eignen sich zur Markierung von Tiefkühlkost und zum Kennzeichnen von Kleidung.

Hinweis: Die preiswerteren Varianten der Farberkennungsgeräte werden in der Regel von den Krankenkassen finanziert.


7.5. Sport und Spiele

Für die Freizeit gibt es spezielle Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen. Auch einige handelsübliche Spiele sind so gestaltet, dass behinderte und nicht-behinderte Menschen zusammen spielen können.

  • Klingelbälle oder mit Granulat gefüllte Bälle für die Richtungswahrnehmung
  • Sprechende Schritt-, Puls- oder Kalorienverbrauchszähler
  • Kartenspiele mit Braillebeschriftungen und im Großdruck
  • Brettspiele mit tastbaren Spielsteinen
  • Würfelspiele mit vertieften Mulden

8. Körperpflege und Gesundheit

Elektrische Maniküre- / Pediküre-Sets pflegen Finger- und Fußnägel und reduzieren die Verletzungsgefahr. Kleine Schleifscheiben kürzen Nägel und beseitigen Nagel- und Hornhaut.

Beispiele aus dem Gesundheitsbereich für Privatpersonen:

  • Fieberthermometer mit Sprachausgabe
  • Blutdruckmessgeräte und Blutzuckermessgeräte mit Sprachausgabe
  • Puls-, Schritt- oder Kalorienzähler mit Sprachausgabe
  • Dosierboxen als Hilfe für das Einnehmen von mehreren Tablettensorten
  • Personenwaagen mit Sprachausgabe

9. Finanzierung

Für die Finanzierung von Hilfsmitteln kommen unterschiedliche Kostenträger in Frage wie die Krankenversicherung, Agentur für Arbeit, Rentenversicherung, Unfallversicherung, die Sozialhilfeträger oder die Integrationsämter.
Wer finanziert ist u. a. davon abhängig, ob die Hilfsmittel im Privatbereich, für die Schul- und Berufsausbildung oder den Arbeitsbereich genutzt werden müssen. Meistens ist aber die Krankenversicherung zuständig.

Mehr zur Finanzierung von Hilfsmitteln erfahen Sie in der Infothek.


10. Weiterführende Links

 

Informationsstand: 2016